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Mehr Frauen in die Parlamente

Die Themen, Kämpfe und Erfolge der Frauenbewegung sind nicht im kulturellen Gedächtnis verankert, findet unsere Gastautorin.
Sabine Balke Estremadoyro, Soziologin

Sabine Balke Estremadoyro ist Vorstand des i.d.a.-Dachverbands und Geschäftsführerin des Digitalen Deutschen Frauenarchivs, das seit September 2018 online ist.
Sabine Balke Estremadoyro ist Vorstand des i.d.a.-Dachverbands und Geschäftsführerin des Digitalen Deutschen Frauenarchivs, das seit September 2018 online ist.

Freiheit und Demokratie stehen unter Druck, stellt Bundespräsident Steinmeier in der aktuellen ZEIT fest und fordert deshalb, dass Deutschland mehr tun müsse, um an seine demokratischen Traditionen zu erinnern. Denn was sich nicht wiederholen soll, dürfe nicht vergessen werden. Aber auch an Vorbilder müsse erinnert werden. Dazu haben wir 2019 Gelegenheit, Jubiläen der Demokratiegeschichte jähren sich: 100 Jahre Allgemeines Wahlrecht, 70 Jahre Grundgesetz, 30 Jahre Friedliche Revolution. Dabei sollten wir daran erinnern, dass Demokratiegeschichte auch von Frauen gemacht wird: Vor 100 Jahren durften Frauen erstmals wählen. Das Grundgesetz hat nicht nur Väter, sondern auch Mütter. Die Frauenbewegung als erfolgreichste soziale Bewegung des 20. Jahrhunderts ist reif fürs Geschichtsbuch, doch dort ist sie bisher kaum angekommen. Ihre Themen, Kämpfe und Erfolge sind nicht im kulturellen Gedächtnis verankert.

Allerdings geht es bei Jubiläumsfeiern nicht nur darum, Erfolge zu feiern, sondern auch den Einsatz Vieler zu zeigen. Denn Frauenrechte fallen nicht vom Himmel, sondern werden erstritten. Bis zur Wahl 1919 waren 70 Jahre Engagement unterschiedlicher Strömungen der Frauenbewegung notwendig, seit der ersten Ausgabe der Frauen-Zeitung 1849 von Louise Otto-Peters. Und die Hartnäckigkeit von Elisabeth Selbert und waschkörbeweise Briefe aus der Zivilgesellschaft waren erforderlich, damit Artikel 3 im Grundgesetz verankert wurde: Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

Steinmeier verweist auch darauf, dass DDR-Geschichte immer noch zu häufig nur als Geschichte von Diktatur und Stasi erzählt wird. 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution ist es hoffentlich Zeit, auch an die Geschichte der Demokratiebewegung und an die damit verbundene Frauenbewegung zu erinnern. Der Blick zurück motiviert dazu, das Heute zu befragen und zu verändern. Denn das sollte uns nicht zufriedenstellen: Wir feiern 100 Jahre Frauenwahlrecht, aber aktuell sind nur rund 31 Prozent der Bundestagsabgeordneten Frauen und 26 Prozent der bayrischen Landtagsabgeordneten. Deshalb fordert der Deutsche Frauenrat jetzt: Mehr Frauen in die Parlamente! Jede und jeder kann die Petition für ein neues Paritätsgesetz per Unterschrift unterstützen.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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