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Mehr Respekt für die Patienten

In der Gesellschaft existieren oft beängstigende Vorstellungen über die Alzheimer-Demenz. Das schadet den Betroffenen.
Maria Kammermeier

Maria Kammermeier, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Oberpfalz
Maria Kammermeier, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Oberpfalz

Regensburg.In der Gesellschaft existieren zumeist beängstigende Vorstellungen über die Alzheimer-Demenz. Infolgedessen ist der Umgang mit den erkrankten Personen auch von negativen Gedanken beeinflusst. Es ist richtig, dass das Vernunftsystem, dem wir in unserer auf Leistung und Intelligenz ausgerichteten Gesellschaft einen enormen Stellenwert zuschreiben, nach und nach verloren geht. Im Umgang mit an Demenz erkrankten Personen gilt es jedoch, den Blick von den demenzbedingten Defiziten abzuwenden und die verbliebenen Kompetenzen, Ressourcen und gesunden Anteile der erkrankten Personen in den Vordergrund zu rücken. Gerade durch den Verlust kognitiver Fähigkeiten bekommen Intuition und emotionales Empfinden eine intensivere Ausprägung.

Erkrankte haben ausgeprägte Sensibilität

Personen mit Demenz haben eine ausgeprägte Sensibilität und erkennen schnell, ob man sie als Person ernst nimmt und ihnen mit Respekt und Achtung begegnet. Der Kontrollverlust bringt mit sich, dass die Erkrankten ihre Emotionen spontan und arglos zum Ausdruck bringen können. Durch diese unvermittelte Ehrlichkeit sind viele irritiert und wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Gerade die unbefangene Offenheit der Erkrankten kann sehr erfrischend wirken. Es ist an uns, die Erlebniswelt der demenzkranken Person zu akzeptieren, mit ihnen vorbehaltlos auf der emotionalen Ebene zu kommunizieren, und ihnen im Gespräch das Gefühl von Würde und Wertschätzung zu vermitteln. Anzuerkennen, dass sich die psycho-sozialen Bedürfnisse von Demenzkranken im Grunde nicht von denen einer Person ohne Demenz unterscheiden, ist ein erster und wichtiger Schritt hin zu einem unbefangenen Umgang mit den Erkrankten.

Alzheimer verschlechtert Leben nicht unbedingt

Es lohnt sich, darüber nachzudenken, dass die Alzheimer-Erkrankung nicht unweigerlich eine schlechtere Lebensqualität mit sich bringt. Viele Angehörige berichten, dass es erst die Demenz ermöglicht hat, nach dem ersten Schock, trotz Trauer und Wut, zu einer neuen und innigen Beziehung zu finden. Der Umgang mit Personen mit Demenz kann uns alle lehren, positiver zu denken, Dinge von einer anderen Seite zu betrachten, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, im Hier und Jetzt zu leben und über unser Werteverständnis nachzudenken. All das kann das Leben auch außerhalb von Demenz bereichern und zu einem wertschätzenden Miteinander beitragen.

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