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Mehr Wege aus eigener Kraft

Von den täglich 120 Millionen Pkw-Fahrten in Deutschland sind die Hälfte kürzer als fünf Minuten. Das muss aufhören.
Dr. Klaus Wörle, Verkehrsexperte

Dr. Klaus Wörle, Verkehrsexperte und Vorsitzender des ADFC Regensburg
Dr. Klaus Wörle, Verkehrsexperte und Vorsitzender des ADFC Regensburg

Der zunehmende Autoverkehr beeinträchtigt nicht nur massiv Lebensqualität und Gesundheit der Menschen, sondern gefährdet schlichtweg die Funktionsfähigkeit unserer Städte. Der Transport von etwa 100 Kilogramm Nutzlast in großen, zwei Tonnen schweren Fahrzeugen ist nicht nur eine enorme Ressourcenverschwendung, sondern auch ökonomischer Unsinn – egal ob mit Verbrennungs- oder Elektromotor. Ein derart ineffizientes System kann nur mit riesigen Subventionen bestehen.

Von den täglich 120 Millionen Pkw-Fahrten in Deutschland sind die Hälfte kürzer als fünf, ein Viertel sogar kürzer als zwei Kilometer. Viele dieser Wege könnten leicht zu Fuß erledigt werden, die längeren problemlos mit dem Fahrrad. Und der öffentliche Verkehr? Busse und Bahnen? Auch deren Potenzial kann weiter gesteigert werden. Doch gerade in den Ballungsräumen wird der weitere Ausbau des öffentlichen Verkehrs immer aufwendiger und stößt an Grenzen.

Die vielen Millionen potenzielle Umsteiger – Pkw-Nutzer mit Wegen unter fünf Kilometer – werden nur zu einem Teil für den ÖPNV gewonnen werden können. Fuß- und Radverkehr können aber selbst in Großstädten erheblich weiter wachsen, sofern diese wünschenswerten Alternativen auch entsprechend in der baulichen Realität abgebildet werden. Da geht es um wesentlich größere Breiten von Geh- und Radwegen, Fahrradstraßen und -Vorrangrouten, sichere und attraktive Gestaltung der Verkehrswege, Fahrradparkhäuser und einiges mehr. Der heutige Verkehrsraum nötigt jedoch die Menschen dazu, das Auto als unverzichtbares Verkehrsmittel wahrzunehmen.

Der Flächenfraß des Auto-zentrierten Verkehrs hat über die Jahrzehnte unsere Städte ihrer Urbanität und ihres Wesens beraubt. Wir haben dafür Lebensraum und Freiheit der Bewohner, die Autonomie von Kindern und Alten, die städtebaulichen Qualitäten geopfert. Erst wenn wir wieder die öffentlichen Räume für die Fortbewegung aus eigener Kraft – zu Fuß und mit dem Rad – gestalten und zugleich den öffentlichen Verkehr ertüchtigen, wird die Verkehrswende gelingen.

Und das Auto kann umso besser seine Stärken in der Erschließung des ländlichen Raums zeigen, wo ÖPNV kaum flächendeckend angeboten werden kann und die Entfernungen für das Fahrrad oft zu groß sind.

Der Autor ist Vorsitzender des ADFC Regensburg.
Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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