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Offenheit für Veränderung

Wir haben in der Corona-Krise gelernt, dass möglich werden kann, was wir bislang für unmöglich hielten.
Von Ulrich Schneider-Wedding Evang. Pfarrer

Regensburg.In nie gekanntem Konsens zeigen wir mit Stay-at-home ein Verhalten, das vordergründigen Gewinninteressen schadet, weil es für das langfristige Überleben, auch das wirtschaftliche, unumgänglich ist. Genau so könnten wir die Klimakatastrophe vermeiden, sobald das normale Leben samt Klima-Protesten wieder losgeht.

Oder ist es umgekehrt: Die Zwangspause gibt uns Gelegenheit, nachzudenken und etwas zu verändern? Grundsätzlicher zu werden als zuvor, als wir noch demonstrieren durften? Wird es vielleicht nie wieder normal. Außer, unsere Veränderungsbereitschaft geht weit über das Erdulden eines Shutdown hinaus und wir erwachen in einer neuen Normalität, die alle Alpträume hinter sich lässt, die Wochen der Pandemie ebenso wie die Jahrzehnte des bewussten Überschreitens der Wachstumsgrenzen?

In diese Atmosphäre der Offenheit für Neues kommt eine verstörende Meldung: Die Münchner Rück, unter unseren Konzernen bisher ein Leuchtturm für neues Denken, weil die Klimaveränderung mit ihren Naturkatastrophen auch zur Katastrophe für Versicherungen wird, hat Carsten Spohr, den Vorstandschef der Lufthansa, in ihren Aufsichtsrat berufen. Derlei Querbeziehungen sind üblich. In diesem speziellen Fall aber dürfte man sich einen Bremser ins Nest holen, widersprechen die Interessen einer auf hohen Energieverbrauch setzenden Branche doch komplett der Forderung der Munich Re an die Politik nach einem monetären Anreiz, um Treibhausgase zu vermeiden (Geschäftsbericht 2019).

Vielleicht reisen wir in Zukunft wieder wie unsere Urgroßeltern mit Luftschiffen?

Auch Corona, laut Umweltministerin Schulze durch Dezimierung natürlicher Lebensräume entstanden, dürfte ein für Rückversicherungen katastrophales Großschadensereignis sein. Die Lufthansa baut übrigens ihren Flugzeugbestand deutlich ab. Sie rechnet damit, dass nach Corona nichts mehr so sein wird, wie davor. Vielleicht hat es bei Spohr längst geklingelt, und er ist doch kein Bremser, sondern steht dafür, dass unsere Unternehmen jetzt alle mitmachen beim nötigen Umsteuern in eine zukunftsfähige Industriegesellschaft. Vielleicht reisen wir in Zukunft wieder wie unsere Urgroßeltern mit Luftschiffen?

Der Autor ist evangelischer Pfarrer in Regensburg, veröffentlichte Anfang dieses Jahres sein Buch „Ökologisch-soziale Marktwirtschaft. Wie man den Wachstums¬zwang aushebelt. Wohlstand für alle – weltweit und nachhaltig“

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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