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Ohrfeigen für Klimapolitik

Junge Menschen stehen auf und tun, was Politiker nicht schaffen: Sie kämpfen für ihre Zukunft. Das findet unser Gastautor.
Von Hermann Dannecker, Diplom-Ingenieur

Hermann Dannecker ist Mitgründer und einer der beiden Vorsitzenden des Deutschen Energieberater-Netzwerks DEN e. V.
Hermann Dannecker ist Mitgründer und einer der beiden Vorsitzenden des Deutschen Energieberater-Netzwerks DEN e. V.

Die Bilder gehen um die ganze Welt, und das sollen sie auch – Millionen von Schülerinnen und Schülern demonstrieren in Städten rund um den Globus für eine andere Klimapolitik, hunderttausende allein in Deutschland. „Fridays for future“ heißen diese regelmäßigen Proteste inzwischen, und die Frage, ob da nebenbei der Unterricht geschwänzt wird, wirkt angesichts des Anliegens der jungen Leute fast kleinkariert.

Denn was erleben wir gerade? Wir sehen, dass diejenigen, welche die in politischer und wirtschaftlicher Verantwortung stehenden Erwachsenen gerne als Gründe ihres Tuns vorschieben, nämlich die Kinder und Enkel, sich selbstständig machen und äußern! Plötzlich sind es nicht mehr anonyme „nachfolgende Generationen“, die man argumentativ ins Feld führen kann, sondern echte junge Menschen mit Gesichtern und Namen, die genau auf diesem Schlachtfeld stehen und für ihre Zukunft zu kämpfen bereit sind.

Diese Demonstrationen sind Ohrfeigen für alle halbherzigen Klimapolitiker in der ganzen Welt. Ihre Botschaft: „Ihr Erwachsenen vertretet gar nicht die Interessen Eurer Kinder! Ihr tut nur so und denkt eigentlich erst einmal an Euch selbst!“ Man muss nicht eigene Kinder oder Enkel haben, um sich bei solchen Vorwürfen zu schämen.

Denn die jungen Leute haben ja Recht! Diese Welt wird regiert mit dem Blick auf morgen und dem Denken von gestern. Das alles ist erklärlich, und wahrscheinlich auch normal. Es ist der Lauf der Dinge, dass Menschen altern und sich ihr Blick auf die Welt mit ihrem Alter ändert. Und es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen über die Generationen hinweg einander zuhören und miteinander reden, dass nicht die Alten den Jungen deren Leben vorschreiben.

Genau das aber könnten wir jetzt lernen und üben. Die Proteste der Millionen Schülerinnen und Schüler beziehen sich inhaltlich auf die Klimapolitik. Formal aber haben sie das Gespräch mit den heute Mächtigen zum Ziel, mit ihren Eltern und Großeltern. Sie fordern letztlich einen neuen Generationenvertrag.

Jetzt ist es an den Älteren, das zu verstehen und entsprechend zu handeln. Dann würden sie die Welt vielleicht schnell mit anderen Augen sehen – nämlich mit denen der Jüngeren…

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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