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Gesundheit

Patientendaten in Gefahr

Die Verschwiegenheit des Arztes ist wichtig für das Vertrauensverhältnis zum Patienten. Digitalisierung bereitet da Probleme.
Dr. med. Ilka M. Enger, Ärztin

Hat das Arzt-Patienten-Geheimnis im hippokratischen Eid ausgedient in Zeiten der künstlichen Intelligenz und Digitalisierung? „Was ich bei der Behandlung sehe oder höre oder auch außerhalb der Behandlung im Leben der Menschen, werde ich, (…) verschweigen und solches als ein Geheimnis betrachten.“ So lautet das Gebot des hippokratischen Eides, dem sich auch heute noch die Ärzte verpflichten. Der Patient kann sich auch heute darauf verlassen, dass die Aufzeichnungen, die ein Arzt oder Therapeut über dessen Krankengeschichte macht, sicher in der Praxis verwahrt ist und nur mit Einverständnis des Patienten weitergegeben wird – noch! Dieser Schutz ermöglicht, dass ein Patient sich dem Arzt so ohne Angst öffnen kann mit seinen intimsten Problemen. Ohne dieses Vertrauen auf Verschwiegenheit wird ärztliche Arbeit scheitern.

Derzeit wird die Digitalisierung auch im Gesundheitswesen als das Allheilmittel verkauft, was alle derzeitigen und künftigen medizinischen Probleme lösen kann. Solche marktschreierischen Wundermittel waren schon im Mittelalter suspekt, weil sie im besten Fall nicht schadeten und im schlechtesten Falle lebensgefährlich sein konnten. Genauso dürfte der unkritische Umgang mit dem gesundheitspolitischen Digitalisierungshype nicht ohne Nebenwirkungen bleiben. Die Praxen werden mit Honorarstrafen dazu gezwungen, sich an eine zentrale „Telematik-Infrastruktur“ anzubinden – eine Struktur, die laut einigen IT-Sicherheitsingenieuren so löchrig ist wie ein Schweizer Käse. Nach Ansicht vieler Ärzte ist es in dieser Struktur nicht möglich, das Patientengeheimnis so zu sichern, wie das der alte Hippokrates vorgegeben hat. Sie verweigern sich daher der Anbindung an diese „IT“.

„Datenschutz ist nur etwas für Gesunde“, tönt Minister Spahn. Vielleicht versteht der eine oder andere nicht, warum die Ärzte so ein Theater machen um die paar Krankheitsdaten. Denen sei gesagt, dass eine Erbkrankheit, eine Krebserkrankung in der Familie oder eine psychische Störung in solch einer „unlöschbaren“ Krankenakte auch das Leben der nächsten Generation noch nachhaltig beeinflussen kann. Ärzte sind nicht technikfeindlich, aber sie haben gelernt, Vor- und Nachteile einer Therapie abzuwägen – das gilt auch für elektronische Segnungen, bei denen vielleicht nur die IT-Branche gewinnt.

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