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Rüstzeug für digitale Welt

Wer kümmert sich darum, dass Kinder lernen, sich richtig im Netz zu bewegen? Die Schule hat sich auf den Weg gemacht.
Waltraud Erndl, Stellvertretende Schulleiterin

Waltraud Erndl, Stellvertretende Schulleiterin
Waltraud Erndl, Stellvertretende Schulleiterin

Digitale Medien sind was Wunderbares – grundsätzlich. Alles geht schnell und zügig und ist so praktisch und hilfreich: Wir verschicken E-Mails in wenigen Sekunden an hunderte Empfänger gleichzeitig, erfahren nebenbei die neuesten Neuigkeiten über Adel, Politik und Co., können so einfach mit Freunden Kontakt halten, unser Auto weiß automatisch, dass wir jetzt zur Arbeit fahren wollen und dafür 19 Minuten brauchen und das Internet versorgt uns automatisch mit personalisierten Ideen für den Einkauf.

Bekanntlich hat alles zwei Seiten – die Schülerin, die wegen eines weitergeleiteten Kettenbriefs weint; der gläserne Kunde, dessen Daten gesammelt und verkauft werden und der dadurch selbst zum Produkt wird; der Pflegeroboter, der im Altenheim die Bewohner versorgt; das Mädchen, das sich den Weisungen von Influencern hingibt; die Nachrichten, die von einem Programm erstellt werden und wahrscheinlich zutreffen, aber oft genug zu Fake News werden - diese Beispiele zeigen die zweite Seite der Medaille.

Aber wer kümmert sich darum, dass Kinder und Jugendliche lernen, sich richtig im Netz zu bewegen? Die Schule sieht sich sicherlich in der Verantwortung. Lange Zeit war man der Auffassung, die jungen Leute müssten in ihren technischen Fähigkeiten und in der neuesten Software unterrichtet werden. Mittlerweile erkennen aber nicht nur Pädagogen, dass eine umfassendere Schulung notwendig ist. Eine Medienbildung ohne Moral und Ethik ist kaum denkbar. Wir müssen die nächsten Generationen vorbereiten auf eine Welt, die beinahe alles möglich macht – ob gut oder böse. Wertebildung steht mehr denn je im Mittelpunkt der Medienerziehung. Zu diesen Werten gehören allen voran Demokratie, Toleranz, soziales Verhalten und Eigenverantwortlichkeit. Fake News, Benimmregeln im Netz, künstliche Intelligenz und vieles mehr sollten Bestandteil eines integrierten Stundenplans sein, der möglichst viele Fächer in die Pflicht nimmt, damit die Jugendlichen auch die fächerübergreifenden Zusammenhänge erkennen lernen. Als Grundsatz gilt: Werte zu leben ist sinnvoller als Werte zu predigen. Viele Schulen haben sich längst auf den Weg gemacht und machen Ressourcen frei für eine sinnvolle Umsetzung dieser Ziele und Anliegen, die uns alle beschäftigen sollten.

Die Autorin ist Pressesprecherin des Deutschen Realschullehrerverbands und der Bildungsallianz.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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