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Schifffahrt: Wasserstraßen ausbauen

Um den Gütertransport über Wasser aufrecht erhalten zu können, müssen Wasserstraßen ausgebaut werden, meint unser Gastautor.
Von Jens Schwanen, Schifffahrts-Experte

Jens Schwanen ist Rechtsanwalt und Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt e. V. (BDB).
Jens Schwanen ist Rechtsanwalt und Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt e. V. (BDB).

Mit über 220 Millionen Tonnen beförderter Güter im Jahr ist die Binnenschifffahrt ein unverzichtbarer und leistungsfähiger Logistikpartner bei der Bewältigung des Güteraufkommens. Dies hat das Jahr 2018 mit seinem langanhaltenden extremen Niedrigwasser gezeigt. Nach monatelanger Trockenheit mussten sich Großkunden, wie Kunden aus der Chemie- oder Montanindustrie, wegen extrem niedriger Pegel auf eine reduzierte Rohstoffversorgung einstellen, nachdem die Schifffahrt mit den Lieferungen trotz aller Bemühungen kaum mehr nachkam. Kein anderer Verkehrsträger war in der Lage, deren Gütermengen zu übernehmen und hier für Entspannung zu sorgen.

Bei der rohstoffhungrigen Großindustrie im Ruhrgebiet zum Beispiel darf die Schifffahrt auch zukünftig als unverzichtbar und damit als „systemrelevant“ bezeichnet werden. Dieser Verantwortung ist sich die Branche durchaus bewusst: Schiffe wurden 2018 bis an die Grenze des physikalisch Möglichen in Fahrt gehalten. Den über Monate ausbleibenden Niederschlag kann man Politik und Verwaltung selbstverständlich nicht zum Vorwurf machen. Aber erwartet wird, dass nun die richtigen Lehren gezogen werden: Größere Sorgfalt im Umgang mit der Infrastruktur hätte die Auswirkungen der Niedrigwasserperiode deutlich abfedern können.

Seit Jahrzehnten werden überfällige Sanierungsarbeiten im Wasserstraßennetz nicht durchgeführt, wichtige und dringende Ausbaumaßnahmen dauern Jahrzehnte bis zu ihrer Fertigstellung. Nur wenigen in Politik und Verwaltung scheint bewusst zu sein, was für ein enormer wirtschaftlicher Schaden 2018 zum Beispiel an der Elbe entstanden ist, wo die Güter- und Fahrgastschifffahrt gleich über mehrere Monate ihre Arbeit einstellen musste. Volkswirtschaftlich sinnvolle Projekte wie etwa der Ausbau am Mittelrhein müssen nun top-prioritär umgesetzt werden. Auch bei Niedrigwasserphasen bleiben Flüsse deutlich länger für die Schifffahrt passierbar, wenn die Fahrrinnentiefe endlich angepasst wird.

Eine frühzeitige Inangriffnahme der seit Jahrzehnten verschleppten Ausbaumaßnahme an der Donau und flussbauliche Eingriffe an der Elbe hätten die Auswirkungen des Niedrigwassers in diesen Fahrtgebieten ebenfalls erheblich abgemildert.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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