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Soziales

Schutzplätze für Frauen

Bundesweit fehlen in Deutschland mehr als 14 600 Plätze in Frauenhäusern. Investition sind dringend notwendig-
Sabine Balke Estremadoyro, Frauenrechtlerin

Sabine Balke Estremadoyro
Sabine Balke Estremadoyro

Vor 20 Jahren erklärten die Vereinten Nationen den 25. November zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Frauenpolitische Organisationen nutzen den Tag, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Bis Anfang der 1970er Jahre wurde über Gewalt gegen Frauen, die meist im privaten Umfeld der Opfer ausgeübt wird, kaum öffentlich gesprochen. Ab Mitte der 1970er Jahre skandalisierte die Frauenbewegung diese Gewalt und begann, Hilfestrukturen aufzubauen. In Berlin eröffnete am 1. November 1976 die Berliner Frauenhaus-Initiativgruppe das erste Frauenhaus West-Deutschlands. In Hamburg gründete sich 1976 der Verein Frauen helfen Frauen e.V., der im folgenden Jahr ein Frauenhaus einrichtete. Ein Anfang war gemacht.

Von diesem Montag an entscheidet der Bundestag über den Haushalt 2020. Deutschland hat sich völkerrechtlich mit der Istanbul-Konvention verpflichtet, für ein Schutzsystem für Frauen zu sorgen. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages stellte im Mai 2019 fest: Im Jahr 2012 gab es 6000 Plätze in 350 Frauenhäusern, das heißt, einen Platz auf 12 000 Einwohner. Die Istanbul-Konvention hält dagegen einen Platz auf 7500 Einwohner für angemessen. Demnach fehlen bundesweit mehr als 14 600 Schutzplätze. Der Haushaltsentwurf für 2020 enthält 35 Millionen Euro für Investitionen in bestehende Schutzeinrichtungen. Baumaßnahmen sollen Barrieren abbauen – das ist dringend nötig und begrüßenswert. Doch die erforderliche Anzahl der Plätze ist damit nicht erreicht.

Zu einer bundesweiten Protestform gegen Gewalt entwickelten sich die Walpurgisnacht-Demos, die in vielen Städten unter dem Motto „Frauen, wir erobern uns die Nacht zurück“ immer am 30. April stattfinden. Beim ersten Marsch in Saarbrücken 1977 stand auf dem Schild einer Demonstrantin: „Nein heißt nein“. 20 Jahre später wird Vergewaltigung in der Ehe strafbar, und erst 2017 wird der Grundsatz „Nein heißt nein“ auch rechtlich verankert. An diese Geschichte von Protest und Unterstützung erinnert das Digitale Deutsche Frauenarchiv und zeigt: Hinter Errungenschaften wie Schutzeinrichtungen und Gesetzen steckt eine kraftvolle Bewegung. Und die braucht es auch heute, um der Forderung für ein Leben frei von Gewalt in der Politik Gehör zu verschaffen.

Die Autorin ist Vorstand des i.d.a.-Dachverbands und Geschäftsführerin des Digitalen Deutschen Frauenarchivs, www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung der Autorin wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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