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Rechtschreibung

Seit 20 Jahren heißt es Delfin

Seit dem 1. August 1999 erscheint die MZ in neuer deutscher Rechtschreibung. Der Grund ist ein Beschluss der Presseagenturen.
Christian Stang, Linguist

Christian Stang ist Orthografieberater der Universität Regensburg.
Christian Stang ist Orthografieberater der Universität Regensburg.

Vor 20 Jahren – am 1. August 1999 – erschien diese Zeitung erstmals in neuer deutscher Rechtschreibung. Damit zählte die MZ zu mehr als 90 Prozent aller Printmedien, die zu diesem Zeitpunkt die neue „Orthografie“ – man beachte die fakultative Schreibung mit „f“ – einführten. Dieser Umstellung ging ein Beschluss der deutschsprachigen Nachrichtenagenturen vom 12. Dezember 1998 voraus. Die Presseagenturen folgen dem amtlichen Regelwerk der deutschen Rechtschreibung, das für Schulen, die Verwaltung und Rechtspflege als verbindlich gilt. Bei Schreibvarianten haben sich die Nachrichtenagenturen – gemäß dem Grundsatz „Ein Wort – eine Schreibung“ – für jeweils eine der zur Wahl stehenden Schreibungen entschieden. Dies führt beispielsweise dazu, dass Sie auch in dieser Zeitung über den „Delfin“ ausschließlich in der hier wiedergegebenen Form mit „f“ lesen oder das Wort „aufwendig“ ausschließlich mit „e“ antreffen werden. Das amtliche Wörterverzeichnis beinhaltet dagegen auch die traditionelle, weiterhin gültige Schreibung „Delphin“ und die reformierte Schreibung „aufwändig“. Als besonders lese(r)freundlich wird von vielen wohl die Handhabung der Interpunktion – konkret gesagt: der Kommasetzung – der „Agentur-Orthografie“ betrachtet. Diese sieht den generellen Gebrauch des Kommas bei erweiterten Infinitivgruppen vor, während das amtliche Regelwerk den obligatorischen Gebrauch des Satzzeichens von bestimmten Bedingungen abhängig macht. Allerdings steht auch hier die „Agentur-Orthografie“ mit dem amtlichen Regelwerk im Einklang, da dieses in einer Ergänzungsregel darauf verweist, dass bei Infinitivgruppen „ein Komma gesetzt werden [kann], um die Gliederung deutlich zu machen“. – Ein Beispiel aus dieser Zeitung: „Der Jugendliche hatte in Regensburg versucht, die Drogen vor Polizisten zu verstecken.“ Welchen hohen Stellenwert „[d]ie Umsetzung der amtlichen Rechtschreibregelung in Pressetexten“ genießt, mag vielleicht auch dadurch deutlich werden, dass selbst die aktuelle Auflage des Dudens aus dem vorletzten Jahr noch auf einer Seite dieses Thema abhandelt, und dies mit einem Verweis auf die Wortlisten, die über www.die-nachrichtenagenturen.de zugänglich sind. Dort findet man unter dem ersten Buchstaben das „Aha-Erlebnis“, das diese Wortliste selbst für Kenner noch bietet.

Christian Stang, der Autor dieser Außenansicht, ist Orthografieberater der Universität Regensburg.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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