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Skandalöse Tierquälerei

Die betäubungslose Kastration von Ferkeln ist ein Skandal, findet Tierschützerin Christina Ledermann.
Christina Ledermann, Tierschützerin

Christina Ledermann ist Pressereferentin und stellvertretende Vorsitzende von Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
Christina Ledermann ist Pressereferentin und stellvertretende Vorsitzende von Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.

Man stelle sich vor, ein Tierarzt würde Hund oder Katze ohne Narkose die Hoden herausschneiden. Ein Aufschrei der Empörung wäre die Folge. Doch bei sogenannten Nutztieren wird ein anderes Maß angelegt. Am 14. Dezember billigte der Bundesrat, dass Ferkel auch in den kommenden zwei Jahren weiter betäubungslos kastriert werden dürfen. Damit verstrich die letzte Chance, diese skandalöse Tierquälerei nach fünf Jahren Übergangsfrist endlich zu beenden. Die Verschiebung des Verbotes bedeutet, dass 40 Millionen Ferkel – etwa 55 000 jeden Tag – weitere zwei Jahre völlig unnötige Qualen erleiden müssen. Und warum? Weil Schweinezüchter, Bauernverband und Fleischindustrie billig produzieren wollen. Und weil es Politik und Landwirtschaft in fünf Jahren nicht geschafft haben, sich auf eine praktikable und tierschutzkonforme Lösung zu verständigen.

Die vorhandenen Alternativen wie die Impfung gegen Ebergeruch, die Betäubung unter Vollnarkose sowie die Jungebermast sind ihnen schlicht zu teuer. Dabei sind diese Methoden in anderen europäischen Ländern bereits seit Jahren etabliert. Es stellt sich die Frage, was mit einer Regierung los ist, die es zulässt, dass hilflosen Geschöpfen ganz bewusst furchtbare Schmerzen zugefügt werden. Eine Regierung, die wissentlich gegen das im Grundgesetz verankerte Staatsziel Tierschutz verstößt. Kein Wunder, dass Tierschützer, Tierärzte, Juristen und Verbraucherschützer gegen die Verschiebung des bereits 2013 beschlossenen Verbotes Sturm liefen. Die weitere Übergangsfrist wird keine neuen Fakten schaffen. Sie ermöglicht lediglich, zwei weitere Jahre billigeres Fleisch auf Kosten der Tiere zu produzieren. Die Groko leistet sich und der Landwirtschaft mit dieser Entscheidung einen Bärendienst. Denn die Verbraucher lehnen die skandalösen Tierquälereien mehrheitlich ab. Diese gnadenlose Klientelpolitik zulasten der Tiere schadet nicht nur den Regierungsparteien, sondern auch dem Image der Landwirtschaft.

Auch wir als Konsumenten sind dafür verantwortlich, was – nicht nur zu Weihnachten – in unserem Einkaufswagen landet und welchen Parteien wir bei der nächsten Wahl unsere Stimme geben. Meine Empfehlung für das Weihnachtsmenü ist deshalb: Nur Nahrungsmittel ohne tierische Inhaltsstoffe sind frei von Tierleid.

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