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So erkennt man Missbrauch früh

Jede negative Verhaltensänderung bei Kindern ist ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Wichtig ist: Profis fragen.
Alexandra Schreiner-Hirsch, Kinderschützerin

Alexandra Schreiner-Hirsch hat die pädagogische Leitung beim „Kinderschutzbund Landesverband Bayern e.V.“ Foto: Kinderschutzbund/Schreiner-Hirsch
Alexandra Schreiner-Hirsch hat die pädagogische Leitung beim „Kinderschutzbund Landesverband Bayern e.V.“ Foto: Kinderschutzbund/Schreiner-Hirsch

Regensburg.Angesichts des Falles Lügde sowie der aktuell vom BKA herausgegebenen Statistik zum Kindesmissbrauch müssen wir uns alle mit diesem Tabu Thema beschäftigen. Jedes einzelne Kind muss es uns wert sein. Zunächst ist festzuhalten, dass es kein „Missbrauch-Syndrom“ oder eindeutige Signale gibt, ob ein Kind missbraucht wird. Alle Anzeichen können auch immer andere Ursachen haben.

Aber: Jede negative Verhaltensveränderung bei Kindern ist ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt und das Kind Belastungen ausgesetzt ist. Vielleicht ist das Kind auf einmal verschlossen, nervös, zeigt Konzentrationsstörungen, bekommt plötzlich schlechte Noten, nässt wieder ein, hat Schlafstörungen, verfällt in frühkindliche Verhaltensweisen zurück, flüchtet in Phantasiewelten oder zeigt eine vorher nicht gekannte Scheu oder Ängstlichkeit. Das alles und viel mehr können, müssen aber keine Signale für Missbrauch sind. Alle Erwachsenen um das Kind herum sind auf jeden Fall aufgefordert, das Kind ernst zu nehmen, genau hinzuschauen und mit ihm ins Gespräch zu kommen, um herauszufinden, was es belastet. Hier ist große Sensibilität gefragt, um das Kind nicht unter Druck zu setzen! Die meisten Menschen sind erst einmal schockiert, wenn sie Missbrauch vermuten oder davon erzählt bekommen. Sie haben, Angst einen falschen Verdacht auszusprechen oder in etwas hineinzugeraten „das sie nichts angeht“, dessen Folgen sie nicht absehen können. Das ist verständlich und normal. Und gleichzeitig ist es jedes Kind wert, gerettet zu werden. Daher an dieser Stelle die Bitte von Herzen: Werden Sie aktiv, indem Sie sich vertraulich an Profis wenden und ihren Verdacht prüfen lassen!

Wichtig ist bei Verdacht auf Missbrauch, Ruhe zu bewahren und Hilfe zu holen, z. B. bei folgenden Stellen: IMMA, www.imma.de, Tel. (089) 23 88 91 10, Kibs, www.kibs.de, Tel. (089) 23 17 16 91 20, Amyna, www.amyna.de, Tel. (089) 20 17 00 1, Hilfetelefon sexueller Missbrauch (kostenfrei und anonym) Tel. (08 00) 22 55 53 0, Wildwasser, z. B. in München, www.wildwasser-muenchen.de, Tel. (089) 60 03 93 31, Polizei, z. B. Kommissariat 105 in München, Tel. (089) 29 10 10 5 oder dem örtlichen Jugendamt. Wir können Missbrauch nicht immer verhindern, aber umso früher erkennen und den Kindern helfen.

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