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Solidarität ohne Show

Unterschiedliche wissenschaftliche Analysen beleben den Solidaritätsgedanken. Eine Sehnsucht, die in der Luft liegt.
Anette Kolkau, Journalistin

Anette Kolkau
Anette Kolkau

Es ist wie ein Déja vu für die Älteren unter uns: Solidarität, Miteinander, Mitnehmen von Schwachen – da war doch mal was...

Ja, richtig: Wir wollten irgendwie die Welt retten. Viel zu oft verschwand diese Einstellung in den letzten Jahrzehnten in privaten Mikrokosmen. Spätestens ab dem Gartenzaun war Schluss mit lustig.

Seit geraumer Zeit jedoch taucht das Thema wieder auf. Unterschiedliche wissenschaftliche Analysen beleben den Solidaritätsgedanken. Der Soziologe Heinz Bude zum Beispiel fordert in seinem aktuellen Buch ein neues Verständnis von Solidarität. Er greift damit eine Sehnsucht auf, die in der Luft liegt. Die hat weniger mit Geben als mit Teilen zu tun, so Bude.

Denn mit dem Geben ist es so eine Sache, nicht nur, dass es Asymmetrien manifestiert und fixiert. Es hat sich als Moment fragwürdiger Inszenierung etabliert und wird zu Marketingzwecken benutzt. Als Journalistin gebe ich beispielsweise Autohäusern, die Kinder aus Armutsverhältnissen einladen, um sie pressewirksam in der Weihnachtszeit zu beschenken, kein Forum. Egal, ob mir jemand erzählt, dass das doch eine gute Aktion für Kinder ist, eine Aktion, die hoffentlich noch mehr Spenden auslöst.

Wie wäre es einfach mal damit: Gutes tun und nicht darüber reden, keine Show, keine Selbstbeweihräucherung. Einfach machen. Geld sammeln, weitergeben, viele Abende lang nervtötende Protokolle schreiben, zeitintensive Vereinssitzungen absolvieren, langatmige Abstimmungen abwickeln, Zeit schenken und nichts dafür bekommen. Alles nicht sexy, aber es findet statt, seit Jahren schon.

Und es hilft, um etwa in Gesundheit und Bildung anderer zu investieren, in einem Krisenland, in dem Kinder so wenig Perspektiven haben. Seit Jahren beobachte ich zum Beispiel die Arbeit der Afghanischen Kinderhilfe Deutschlands e.V. Der Verein wurde gegründet von Menschen, die nach dem Einmarsch der Sowjetunion aus Afghanistan nach Deutschland flüchten mussten, und ihren neu gewonnenen deutschen Freunden.

Dort passiert genau das – uneigennütziges Engagement neben den vielen beruflichen und sonstigen Verpflichtungen, die jedes der Vereinsmitglieder hat. Der irgendwie fossil anmutende Solidaritätsgedanke hat hier tatsächlich überlebt.

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