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Symbolismus in Ägypten

Der ägyptische Staat kann seine christlichen Staatsbürger nicht vor muslimischen Gewalttätern schützen.
Martin Von Lessenthin

Martin von Lessenthin ist Mitglied im Kuratorium des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR), Berlin und Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Frankfurt am Main.
Martin von Lessenthin ist Mitglied im Kuratorium des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR), Berlin und Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Frankfurt am Main.

Regensburg.Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat am 6. Januar die größte christliche Kirche im Nahen Osten eingeweiht. Die vom ägyptischen Staat finanzierte „Kathedrale der Geburt Christi“ wurde in der neuen Verwaltungshauptstadt Ägyptens 45 Kilometer östlich von Kairo errichtet. Kopten-Papst Tawadros II. sieht in der Eröffnung einen „in der Geschichte beispiellosen“ Vorgang. Al-Sisi betonte, dass Christen ebenso wie Muslime zur nationalen Einheit Ägyptens gehören. Tatsächlich hat sich unter dem ehemaligen Marschall al-Sisi das Verhältnis zwischen den staatlichen Behörden und der koptisch-orthodoxen Kirche erheblich verbessert.

„Für den islamistischen Terror sind die Kopten und ihre Kirchen ein ‚weiches‘ Ziel.“

Die Kathedrale ist ein erfreuliches Symbol für den Wunsch al-Sisis, den Ägyptern und der Welt seine Toleranz und seine Loyalität gegenüber der christlichen Minderheit am Nil darzustellen. Sie ist aber kein Ersatz für hunderte Kirchen, die der Staat „aus Gründen der sozialen Sicherheit“ geschlossen hält. Denn der ägyptische Staat kann seine christlichen Staatsbürger nicht vor muslimischen Gewalttätern schützen. Für den islamistischen Terror sind die Kopten und ihre Kirchen ein „weiches“ Ziel. 2016 beim großen Anschlag auf die Kirche „Peter und Paul“ in Kairo wurden 27 Christen getötet. Al-Sisi, selbst Muslim, hatte daraufhin den Bau der Kathedrale 2016 verkündet. Seither wurden zahlreiche weitere Attentate auf Kirchen und Wachleute, Pilgergruppen, christliche Geschäfte und als Christen erkennbare Einzelpersonen verübt. Die Islamisten zielen zwar bevorzugt auf die Christen, wollen damit jedoch in erster Linie den ägyptischen Staat treffen.

„Eine neue Kathedrale und andere positive Symbole dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kopten eine systematisch unterdrückte Minderheit in Ägypten sind.“

Indes hat es das Regime al-Sisis bisher nicht vermocht, die alltäglichen Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierungen von Millionen Kopten zu beenden. Eine neue Kathedrale und andere positive Symbole dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kopten eine systematisch unterdrückte Minderheit in Ägypten sind. Um dies zu ändern, müssen Muslime und Christen gesetzlich gleichgestellt werden. Die den Menschenrechten widersprechende islamische Rechtsordnung Scharia hätte dann keine Bedeutung mehr für das ägyptische Rechtssystem. Der Weg, um dieses Ziel zu erreichen, ist mit großen politischen Anstrengungen verbunden. Symbolismus allein reicht nicht aus.

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