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Weg mit dem Kassenzettel-Müll

Bons von der Kasse wandern meist direkt in die Mülltonne. Die Papierverschwendung schadet der Umwelt ähnlich wie Plastik.
Von Amir Karimi, Experte für Digitalisierung

Amir Karimi ist Geschäftsführer der Bremer A&G GmbH für digitale Zukunftslösungen. Foto: Stadl
Amir Karimi ist Geschäftsführer der Bremer A&G GmbH für digitale Zukunftslösungen. Foto: Stadl

Geht es um Umweltschutz, gibt es derzeit ein beherrschendes Thema: Plastik. Das ist gut und richtig, denn hier muss dringend etwas geschehen. Was dabei aber oft in den Hintergrund rückt, ist ein anderer Bereich, in dem der Umwelt massiv geschadet wird: die Papierverschwendung. Deutschland ist einer der größten Papiersünder der Welt. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt hier bei 250 Kilogramm jährlich. Damit verbrauchen wir so viel Papier wie die Kontinente Afrika und Südamerika zusammen.

Ein wesentlicher Faktor dabei sind die Millionen von Kassenbons, die täglich gedruckt werden. Ihr Lebenszyklus reicht meist nur vom Drucker in die Mülltonne. Allein in Amerika werden 640 000 Tonnen Papier für die Produktion von Belegen verbraucht. Oder umgerechnet: zehn Millionen Bäume und 79 Milliarden Liter Wasser. Außerdem werden viele Bons, auch in Deutschland, noch immer auf gesundheitsschädlichem Thermopapier gedruckt, das mit dem Wirkstoff Bisphenol A belastet ist, der Krebs erzeugen und unfruchtbar machen kann.

„Deutschland ist einer der größten Papiersünder der Welt. Wir verbrauchen so viel Papier wie Afrika und Südamerika zusammen.“

Die Politik hat erkannt, dass sie handeln muss, und verbietet Thermopapier EU-weit ab 2020. Das zwingt den Handel, umzudenken und den Papierbon teilweise auch generell in Frage zu stellen. Denn dieser zerstört nicht nur Umweltressourcen. Er sorgt auch für lange Warteschlangen an den Kassen und für Zettel-Chaos in den Portemonnaies. Kurzum: Der Papierbon ist lästig, für Unternehmer, Kassierer und Verbraucher gleichermaßen.

In Frankreich und den USA haben sich gerade erst Gruppen von Parlamentariern zusammengetan, um diesen Bereich stärker zu reglementieren. Nur in Deutschland hört man dazu noch relativ wenig. Dabei ist jetzt genau die richtige Zeit, um die Weichen zu stellen – und als Land, das reich an Innovationen ist, vorzudenken.

„Kassenzettel müssen digital werden!“

Die Lösung liegt auf der Hand: Kassenzettel müssen digital werden! Jeder hat heute sein Smartphone dabei, auf dem er seine Bons ablegen, sortieren und verwalten kann. Bis das zur Normalität wird – und das wird es – gilt: Verbrauch einschränken. Denn so wie jetzt die Plastiktüte vom Markt gedrängt wird, so kann auch der Papierbon durch verändertes Konsumverhalten aus unserem Alltag verschwinden. Bevor wir noch mehr Wälder abholzen, um Papierschnipsel zu produzieren, die direkt im Abfall landen.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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