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Weltkrebstag: Gesundheit geht vor Geld

Die Zahl der Krebsdiagnosen steigt. Gleichzeitig werden die Behandlungen immer teurer – schuld ist das Patentsystem.
Von François De Keersmaeker

François De Keersmaeker ist Direktor von Ärzte der Welt Deutschland. Foto: Jan Roeder
François De Keersmaeker ist Direktor von Ärzte der Welt Deutschland. Foto: Jan Roeder

Heute ist Weltkrebstag – und die Zahl der Krebsdiagnosen wächst. Sie liegt in Europa inzwischen bei rund 3,7 Millionen im Jahr. Begleitet wird diese Entwicklung von einem weiteren besorgniserregenden Trend: steigenden Kosten neuer Therapien.

Dass eine Krebsbehandlung zwischen 50000 und 90000 Euro pro Jahr und Patient kostet, ist nichts Ungewöhnliches mehr. Doch damit ist das Limit noch lange nicht erreicht: Die vor einigen Monaten in Europa zugelassenen sogenannten Car-T-Zell-Therapien schlagen inzwischen mit 300000 und 350000 Euro pro Patient zu Buche. Vor diesem Hintergrund wird es den staatlichen Gesundheitssystemen immer schwerer fallen, den Zugang jedes Patienten und jeder Patientin zu den bestmöglichen Medikamenten sicherzustellen.

„Das Patentsystem ist erheblich von seinen ursprünglichen Prinzipien abgerückt und zunehmend Missbrauch ausgesetzt.“

Die exorbitanten Preise für Krebsbehandlungen werden hervorgebracht durch ein Patentsystem, das es großen Pharmaunternehmen ermöglicht, zwanzig Jahre alte Monopole aufrecht zu erhalten und garantiert, dass sie keinem Wettbewerb durch Generika oder Biosimilare, also ähnliche Nachahmerpräparate, fürchten müssen. Lange Zeit waren Patente auf medizinische Wirkstoffe darauf ausgerichtet, Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Doch das Patentsystem ist erheblich von seinen ursprünglichen Prinzipien abgerückt und zunehmend Missbrauch ausgesetzt.

Tatsache ist, dass die Pharmariesen nur wenig in Forschung investieren. Neue Präparate werden von Start-Ups hervorgebracht und dann für hohe Preise – oft im Milliardenbereich – von großen Unternehmen gekauft. Yescarta, die CAR-T-Zelltherapie von Gilead, wurde zum Beispiel nicht von dem Konzern selbst, sondern von Kite Pharma entwickelt, das Gilead 2017 für zwölf Milliarden Dollar gekauft hat.

„Auf dem Spiel steht nichts weniger als unsere Gesundheit und unser Leben.“

Regierungen haben allerdings die Möglichkeit, das völkerrechtlich anerkannte Werkzeug der Zwangslizenzen zu nutzen, um solche Monopole zu umgehen. Es ist ihre Pflicht, sicherzustellen, dass ihre Gesundheitssysteme zukunftsfähig sind. Sie müssen dem Zugang zu Gesundheitsversorgung für alle gegenüber den privaten Interessen von wenigen Priorität einräumen und die zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel nutzen, um dies umzusetzen. Auf dem Spiel steht nichts weniger als unsere Gesundheit und unser Leben.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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