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Wie ein Überfall aus heiterem Himmel

Epilepsie ist eine chronische Krankheit, die in der Öffentlichkeit wenig präsent ist –und von Scham besetzt.
Von Iris Schadenfroh

Sozialpädagogin Iris Schadenfroh
Sozialpädagogin Iris Schadenfroh

Epilepsie – der Begriff ist aus dem Griechischen hergeleitet und bedeutet Überfall. Richtigerweise kommen epileptische Anfälle auch häufig überfallartig. Sie sind meist nicht zu beeinflussen und oft auch nicht vorhersehbar. Bei über 40 verschiedenen Formen der Epilepsie ist die reale Dauer eines Anfalls in der Regel kurz und der Anfall beendet sich auch von selbst wieder. Die Auswirkungen auf nahezu alle Bereiche des Lebens aber sind bedeutend.

Wir wissen von berühmten Menschen mit einer Epilepsieerkrankung. Sie verteilt sich relativ gleichmäßig auf Frauen und Männer, kommt in allen Schichten der Gesellschaft vor und statistisch gesehen erkrankt einer von 100 an Epilepsie. Doch diese chronische Krankheit ist wenig präsent in der Öffentlichkeit und nach wie vor von Scham besetzt. Betroffene überlegen meist gut, wem sie von ihrer Epilepsie erzählen. Geht es jedoch um die Mobilität von Betroffenen, muss über die Erkrankung gesprochen und es muss gehandelt werden.

Denn ein Großteil der berufstätigen Bevölkerung ist auf das Autos angewiesen. Tritt ein epileptischer Anfall auf, so ist die Fahrtauglichkeit eingeschränkt. Zur Sicherheit dürfen Betroffene erst wieder Auto fahren, wenn sie eine bestimmte Zeit anfallsfrei sind. Dies kann bis zu einem Jahr dauern. Was bedeutet das im alltäglichen Leben? Wie kommt der Mensch zur Arbeit? Wer bringt die Kinder zu Kita, Schule, Freunden oder zum Arzt? Wenn hier nicht Hilfe aus dem privaten Umfeld geleistet werden kann, hat dies negative Auswirkungen. Unter Umständen auf die Berufstätigkeit und die Sicherung der Existenz.

Menschen mit der Diagnose einer chronischen Epilepsieerkrankung sind dann oft in einer verzweifelten Lage, da vielfach die Leistungen der sozialen Sicherungssysteme nicht greifen. Die Betroffenen brauchen Perspektiven. Der epileptische Anfall kommt zwar wie ein Überfall und der Mensch wird aus seinem Tun herausgerissen, jedoch kann der Großteil der an Epilepsie erkrankten Menschen ein normales Leben führen und auch einen Beruf ausüben. 70 bis 80 Prozent der Betroffenen können mit Medikamenten anfallsfrei leben. Es gilt, die Erkrankung als Teil des eigenen Lebens zu akzeptieren, in das eigene Sein zu integrieren und Experte oder Expertin für die eigene Lebenssituation zu werden.

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