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Zu viel Zucker im Essen und Trinken?

Für die Nahrungsmittelindustrie bräuchte es verbindliche und nicht freiwillige Zielvereinbarungen, findet unser Gastautor.
Von Dr. Burkhard Rodeck, Arzt

Dr. Burkhard Rodeck ist Kinderarzt und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ).
Dr. Burkhard Rodeck ist Kinderarzt und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ).

Wir leben in Saus und Braus. Die Regale unserer Supermärkte sind voll, es gibt ein schier unendliches Angebot unterschiedlicher Nahrungsmittel und Getränke. Und wir greifen zu: für uns und unsere Kinder. Aber – ist das eigentlich gesund?

In Deutschland trinken Jungen im Alter von 11 bis 13 Jahren täglich durchschnittlich 450 ml zuckerhaltige Limonaden. Darin sind 15 Zuckerwürfel „versteckt“. Sie ahnen schon, wohin das führt: Übergewicht und krankhafte Adipositas. Gut 15 Prozent unserer Kinder und Jugendlichen sind davon betroffen. Sie sind nicht nur einfach dick, sie erwartet ein Leben mit einer erheblichen zukünftigen Krankheitslast durch Diabetes, Herz-/Kreislauferkrankungen, Fettleber, Gelenkprobleme, erhöhtes Krebsrisiko, psychische Probleme u. a. mehr.

Die Nahrungsmittelindustrie ist marktorientiert, die Unternehmen verkaufen Produkte. Es muss eine Rendite erwirtschaftet werden. Süß ist lecker, lässt sich damit gut an den Verbraucher bringen. Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, hat nun eine Nationale Reduktionsstrategie ausgerufen. Darin sollen sich die Verbände der Lebensmittelindustrie verpflichten, im Rahmen einer freiwilligen Selbstvereinbarung gesündere Fertigprodukte mit weniger Zucker, Salz und gesättigten Fetten zu verkaufen.

Aber – die Zielvereinbarungen sind nicht bindend und viel zu lasch, sie entsprechen nicht dem wissenschaftlichen Kenntnisstand, und die Umsetzung dauert viel zu lang, bis 2025. Schon jetzt weisen einzelne Verbandsvertreter darauf hin, dass sie die tatsächliche Umsetzung in den Einzelunternehmen nicht garantieren können. Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) sind die Vereinbarungen viel zu industriefreundlich, die Freiwilligkeit ist nett – wird aber an den Verkaufsstrategien nichts ändern. Wo bleibt das Recht unserer Kinder auf ein gesundes Aufwachsen, auf eine gesunde Ernährung? Die DGKJ fordert eine Steuer auf überzuckerte Erfrischungsgetränke, eine leicht verständliche Lebensmittelkennzeichnung mit Farben und Buchstaben (z. B. den in Frankreich, Belgien und Spanien eingeführten Nutri-Score) und ein Verbot für an Kinder gerichtete Werbung auf dem Lebensmittelmarkt. Aus Freiwilligkeit muss Verpflichtung werden!

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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