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Bessere Chancen für die Jugend

Für Jugendliche, die in Heimen aufwachsen, endet die öffentliche Hilfe oft schon, bevor sie ihre Ausbildung beendet haben.
Dr. Birgit Lambertz, SOS-Kinderdorf e.V.

Regensburg.Jugendliche, die nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen konnten, müssen besser für das Erwachsenenleben befähigt werden. Die Politik muss sich dieser jungen Menschen annehmen.

Nicht alle jungen Menschen werden auf ihrem Weg in die Eigenständigkeit adäquat begleitet. Für Jugendliche, die in Heimen, Pflegefamilien oder Kinderdörfern aufgewachsen sind, endet die öffentliche Hilfe oft schon, bevor sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben und eigene materielle Ressourcen oder soziale Netzwerke aufbauen konnten. Die sogenannten Care Leaver müssen die Einrichtung, die zu ihrem Zuhause geworden ist, oft bereits mit 18 oder 19 Jahren verlassen, und somit durchschnittlich fünf Jahre früher als andere auf eigenen Beinen stehen. Während die meisten jungen Erwachsenen noch lange von den Eltern begleitet werden, endet die offizielle Hilfe für Care Leaver schnell und eine Nachbetreuung existiert kaum.

„Viele dieser jungen Menschen verfügen auch kaum über ein soziales Netzwerk, das ihnen zur Seite stehen kann.“

Finanzielle Mittel oder eine Familie, die helfen könnte, fehlen zumeist. Viele dieser jungen Menschen verfügen auch kaum über ein soziales Netzwerk, das ihnen zur Seite stehen kann. So geraten sie in Gefahr, in Armut, Wohnungslosigkeit und Einsamkeit abzurutschen. Vor diesem Hintergrund ist es unverantwortlich, junge Erwachsene nach der Jugendhilfe zu früh allein zu lassen. Aus unserer Sicht ist ein Rechtsanspruch auf Hilfen für junge Volljährige, mindestens bis zum 23. Lebensjahr, unerlässlich. Es muss gesetzlich verbindlich geregelt werden, dass das Jugendamt weiterhin für diese jungen Menschen verantwortlich ist, bis sie eigenständig für sich sorgen können oder Anschlusshilfen greifen.

„Auch ein bundesweites Netz von Ombudsstellen, das Unterstützung und Beratung anbietet, ist notwendig.“

Auch ein bundesweites Netz von Ombudsstellen, das Unterstützung und Beratung anbietet, ist notwendig. Zudem müssen die Care Leaver schon während der Zeit in der stationären Betreuung auf die Eigenständigkeit vorbereitet werden. Dazu gehört, dass sie den Umgang mit finanziellen Ressourcen früh üben können. Es muss für sie möglich sein, finanzielle Mittel aus Ausbildung oder Beschäftigung anzusparen. Die Politik muss handeln, damit diese jungen Erwachsenen wirklich die gleichen Chancen wie andere haben, eigenständige und gemeinschaftsfähige Mitglieder der Gesellschaft zu werden.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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