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Chancen für Grenzgänger

Die Zahl an Kindeswohlgefährdungen steigt kontinuierlich. Dennoch muss jedes individuelle Schicksal Beachtung finden.
Von Frank Baumgartner, Diplom Sozialpädagoge (FH)

Der Autor ist ist Gesamtleiter des Kinderzentrums St. Vincent der KJF in Regensburg und Mitglied im Vorstand des Landesverbandes katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen in Bayern e.V. Foto: Uwe Moosburger
Der Autor ist ist Gesamtleiter des Kinderzentrums St. Vincent der KJF in Regensburg und Mitglied im Vorstand des Landesverbandes katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen in Bayern e.V. Foto: Uwe Moosburger

Der Begriff „Systemsprenger“ geistert virulent durch Medien und Gesellschaft. Die Fachwelt stellt sich längst die Frage, ob die subjektive Zuweisung der Ursachen des Scheiterns junger Menschen im System der Hilfen zur Erziehung auf den, der „sprengt“, nicht zu kurz gegriffen ist.

Was führt dazu, dass Kinder und Jugendliche in unterschiedlichsten Angeboten der Jugendhilfe nicht mehr weiter betreut werden können? Nicht selten sind es Momente, in denen ein Kind Grenzen gegenüber anderen massiv überschreitet. Momente der Bedrohung, verbunden mit körperlichen Übergriffen und daraus resultierenden Ängsten. Momente, in denen Kinder sich selbst oder andere erheblich gefährden. Auch ein zunehmender Konsum von Suchtmitteln oder die Wahrnehmung, dass ein Kind nicht „andockt“, sind Beispiele für Situationen, die Betreuungen scheitern lassen. Wiederholt sich dieses Scheitern spricht man von „Systemsprengern“.

Fachtagung suchte Ansätze, um Kreislauf zu durchbrechen

Wir wissen, dass die Zahl an Kindeswohlgefährdungen kontinuierlich steigt und psychische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter im Bereich der stationären Hilfen zur Erziehung bei 60 Prozent der Betreuten festgestellt werden können. Wir wissen auch, dass die Fallzahlen im Bereich der stationären Hilfen zu Erziehung kontinuierlich zunehmen. Im Rahmen einer Fachtagung des Kinderzentrums St. Vincent der KJF mit 250 Gästen aus dem Bereich der Hilfen zur Erziehung in Regensburg wurde nach Ansätzen gesucht, wie dieser Kreislauf aus Überlastung, Krisen und Abbrüchen unterbrochen werden kann.

Gemeinsames Handeln ist erforderlich

Ansätze gibt es zahlreiche, aber belastbar ist das Hilfesystem nur im gemeinsamen Handeln. Ein ausdifferenziertes System an Hilfen, mit hochqualifizierten Mitarbeitern, in dem es gelingt, reaktionsschnell und deeskalierend zu arbeiten, funktioniert nur, wenn die Zusammenarbeit aller Beteiligten professionell angelegt ist. Das beinhaltet Vertrauen, die Bereitschaft, Risiken gemeinsam zu tragen, den Verzicht auf Schuldzuweisungen. Vor allem aber bedeutet es, jedes einzelne Kind, jeden Jugendlichen mit seiner persönlichen Lebensgeschichte im Fokus des Handelns zu behalten. Jedes Kind ist es wert, individuell und abseits von Patentrezepten immer wieder eine neue Chance zu bekommen.

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