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Aussenansicht

Ein Bärendienst für die Umwelt

Farbe auf der Straße zu verteilen, um für Umweltschutz zu werben, ist in den Augen unseres Gastautors Umweltschmutz.
Christoph Brellinger, Kaufmann

Christoph Brellinger ist Diplom-Kaufmann und Geschäftsführer vom Verband zur Rücknahme von Elektro- und Elektronikgeräten (VERE e. V.).
Christoph Brellinger ist Diplom-Kaufmann und Geschäftsführer vom Verband zur Rücknahme von Elektro- und Elektronikgeräten (VERE e. V.).

Umweltschutz wollen wir alle. Ich finde, es braucht auch niemanden, der Ihnen oder mir das erklären muss. Aber können Sie mir erklären, warum jemand, der sich für Klima, Umwelt und Tiere einsetzt, in Berlin tausende Liter Farbe im Straßenverkehr auskippt, Menschen und Tiere gefährdet und das Eigentum anderer beschädigt? Ich habe gelesen, es war eine Aktion von Umweltschützern als Protest gegen Kohleenergie. Als Kaufmann bin ich zwar kein Werbetexter. „Umweltschutz durch Umweltschmutz“ würde mir jedoch spontan als Motto der Aktion einfallen.

In der Außenansicht betrachtet, hat mich die Aktion persönlich sehr wütend gemacht. Welche Schäden richtet es an, Umweltverschmutzung durch Umweltverschmutzung zu bekämpfen? Was ist mit all den betroffenen Fußgängern, Radfahrern, Autofahrern, was ist mit den Mitarbeitern der Stadtreinigung, die sich ständig um Sauberkeit und die fachgerechte Entsorgung bemühen, was ist mit den Tieren, den Vögeln, dem Grundwasser.

Als PR-Mann, der ich auch bin, kann ich mir sicher sein, dass die Aktion ein voller Erfolg war. Ein Aufmerksamkeits-Erfolg für die Umweltschützer, nicht für die Umwelt. Bei mir persönlich hatte die Aktion keinen Erfolg. Denn ich arbeite in einem Verein, der seinerzeit mit der Aktion „Handy clever entsorgen“ im Freistaat Bayern die bis dato erfolgreichste und flächendeckendste Handysammlung in einem Bundesland unterstützt hat. Über 2000 Schulen, 300 Behörden, Landratsämter und Kommunen, 120 Krankenhäuser und Hochschulen sowie 55 Unternehmen beteiligten sich an der Aktion – lange, bevor die Rücknahmepflicht für Elektrogeräte ihren Weg ins Gesetz fand.

Das war eine Aktion von Pionieren des Umweltschutzes. Ein großer Teil der Handys konnte wiederverwendet werden. Das Bild vom damaligen bayerischen Umweltminister Marcel Huber auf dem Berg der Alt-Handys: Das war für mich ein Erfolg für die Umwelt! Natürlich sind Kohleenergie und Elektroaltgeräte zwei verschiedene Themen. In der Sache geht es um dasselbe: Umwelt- und Ressourcenschutz. Was denken all diese bayerischen Pioniere des Umweltschutzes über die Farbaktion in Berlin? Ich bin mir sicher, der Diskurs ist garantiert. Und wo sind eigentlich all die Profi-Umweltschützer mit ihren PR-Coups, wenn Vereine, Schulen, Behörden und Kommunen konstruktive Aktionen machen?

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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