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Sterbehilfe sollte erlaubt werden

Das Freiheitsrecht umfasst auch die Möglichkeit, über das Wie und Wann des eigenen Todes bestimmen zu können.
Von Dieter Birnbacher, Philosoph

Dieter Birnbacher ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben.
Dieter Birnbacher ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben.

Das „Sterbehilfe-Verbots“-Gesetz von 2015 gerät unter Druck. Das Bundesverfassungsgericht erwies sich bei der Anhörung Mitte April als offen für Argumente der Gegner.

Der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts berät seit mehr als drei Jahren über elf Beschwerden, die von Betroffenen gegen die Einführung des Strafrechtsparagrafen 217, der die „geschäftsmäßige“ Assistenz bei der Selbsttötung von Schwerkranken unter Strafe stellt, eingelegt worden sind. Zu den Beschwerdeführern gehören Sterbehilfegesellschaften, einzelne von deren schwerkranken Mitgliedern, Palliativärzte und Weltanschauungsgemeinschaften. Mit einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts wird in der zweiten Jahreshälfte 2019 gerechnet.

Freiheitsrecht ist Hauptargument der Befürworter

Die Hauptgruppe der Beschwerdeführer besteht auf das Recht auf „die freie Entfaltung der Persönlichkeit, soweit diese nicht die Rechte anderer verletzt“. Dazu gehört auch die Möglichkeit, über das eigene Lebensende bestimmen zu können. Dass das Freiheitsrecht auch umfasst, über das Wann und Wie des eigenen Todes zu verfügen, wird nur von wenigen bezweifelt.

Von diesem Recht Gebrauch zu machen und dazu auf die Unterstützung öffentlich bekannter Sterbehelfer oder Sterbehilfevereine zurückzugreifen, weckt allerdings in vielen Kreisen weitreichende Befürchtungen. Wie nahezu immer bei Reformen in Sachen Leben und Tod entwerfen die Gegner abschreckende Szenarien eines „Dammbruchs“, das heißt, einer Praxis, die in ihren Anfangsstadien zunächst auf wenige Fälle beschränkt ist und dort durchaus zu Recht besteht, dann aber in Bereiche ausufert, in denen sie nicht mehr akzeptabel ist.

Palliativmedizin wurde vermehr in Anspruch genommen

Ist ein solcher „Flächenbrand“ bei einer Beibehaltung des Rechtszustands, wie er bis 2015 bestand, das heißt der Straffreiheit einer Hilfe zur Selbsttötung bei schwer und unheilbar Erkrankten, zu befürchten? Ich meine: nein. Bereits vor dem Jahr 2015 hatte das Interesse an der Selbstbestimmung hinsichtlich des Lebensendes sukzessiv zugenommen. Dennoch hielt sich die Zahl der Fälle von Assistenz bei der Selbsttötung in engen Grenzen. Ganz überwiegend wurden die Angebote der Palliativmedizin genutzt, um das eigene Lebensende schmerz- und beschwerdefrei zu gestalten und möglichst „sanft“ in den Tod hinüberzugleiten.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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