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Bayern plant neue Corona-Einschnitte

Öffentliches Leben wird „heruntergefahren“. Deutschland schließt ab Montag weitgehend Grenzen zu Österreich und Frankreich.

Polizeibeamte kontrollieren in Saarbrücken stichprobenartig den aus Frankreich einfahrenden Grenzverkehr. Foto: Thomas Frey/dpa
Polizeibeamte kontrollieren in Saarbrücken stichprobenartig den aus Frankreich einfahrenden Grenzverkehr. Foto: Thomas Frey/dpa

München.Wegen des Corona-Krise schließt Deutschland ab Montagmorgen 8 Uhr weitgehend seine Grenzen zu Frankreich, Österreich, Luxemburg, Dänemark und der Schweiz. Das bestätigte Bundesinnenminister Horst Seehofer am Sonntagabend bei einer Pressekonferenz. Die teilweise Grenzschließung soll schon ab Montagmorgen 8 Uhr gelten. Es soll verschärfte Kontrollen und auch Zurückweisungen geben. Der Warenverkehr zwischen Deutschland und den Nachbarstaaten soll aber gesichert bleiben. Auch Pendler dürfen den Plänen zufolge weiter die Grenzen passieren. „Die Ausbreitung des Corona-Virus schreitet schnell und aggressiv voran“, sagte Seehofer. Der Höhepunkt der Entwicklung sei wohl noch nicht erreicht. Es gelte jetzt, die Infektionskette zu unterbrechen. Das Maßnahmenpaket hatten Kanzlerin Angela Merkel und Seehofer mit Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder, Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), Saarlands Regierungschef Tobias Hans (CDU) und der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) abgestimmt.

Bayern plant unterdessen deutliche weitere Einschnitte im öffentlichen Leben. Dabei geht es um eine weitgehende Schließung von Begegnungsstätten wie etwa von Bars und Schwimmbädern – wie man hört ab Dienstag – sowie Einschränkungen in der Gastronomie und für Geschäfte – wohl ab Mittwoch. Das öffentliche Leben im Freistaat werde „heruntergefahren“, hieß es aus einer Sitzung des Coronavirus-Krisenstabs unter Leitung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Sonntagnachmittag in der Staatskanzlei. An der Sitzung nahmen auch Innenminister Joachim Herrmann, Staatskanzleichef Florian Herrmann, Gesundheitsministerin Melanie Huml, Finanzminister Albert Füracker, Wissenschaftsminister Bernd Sibler (alle CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) teil.

Coronavirus

Supermärkte warnen vor Falschmeldungen

Gesundheitsministerium kämpft gegen Fake News rund um das Coronavirus. Edeka und Co. stellen sich auf Seite der Behörden.

Supermärkte bleiben offen

Details der weiteren Corana-Sicherheitsvorkehrungen sollen am Montag um 10 Uhr bei einer Pressekonferenz in der Münchner Staatskanzlei bekannt gegeben werden. Der Termin wird im Livestream unter bayern.de auf Facebook, Youtube und Instagram übertragen. Bereits am Sonntag verlautete aber, dass Supermärkte und Lebensmittelläden, Apotheken, Tankstellen und Banken definitiv offenbleiben sollen. Die Grundversorgung bleibe aufrechterhalten. Zudem soll es ein Milliarden-Hilfsprogramm für die bayerische Wirtschaft geben. Und es werde ein großes „Medizin-Paket“ geschnürt, um die Kapazitäten auszubauen. Dies dürfte die Bettenzahl, das Personal oder zusätzliche Kapazitäten für Coronavirus-Tests betreffen.

Anstieg bei Corona-Infizierten

Der Freistaat hatte bereits vergangene Woche wegen der Ausbreitung des Coronavirus beschlossen, ab Montag alle Schulen, Kindergärten und Kitas zu schließen, und zwar bis zum Beginn der Osterferien am 6. April. Damit sind im Freistaat faktisch bis zum 20. April die Bildungseinrichtungen zu. Zudem verhängte die Staatsregierung bereits weitreichende Auflagen für den Besuch von Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen. Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen sind bereits bayernweit verboten, aber auch für kleinere hat Söder die Absage empfohlen. Mehrere Kommunen haben eigenständig Veranstaltungen mit mehr als 100 Menschen verboten.

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus nimmt in Bayern unterdessen rasch zu. Am Sonntag (Stand 12.00 Uhr) meldete das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) 886 Fälle, in denen Menschen im Freistaat positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden. Das sind 205 Fälle mehr als am Vortag. Drei Menschen starben, Stand Sonntag, inzwischen nachweislich an Covid-19.

Lufthansa holt Urlauber zurück nach Deutschland

Geplant sind inzwischen Rückholaktionen für Urlauber: Mit 15 Sonderflügen will die Lufthansa bis Mittwoch etwa 3000 bis 4000 Urlauber aus der Karibik und von den Kanaren zurück nach Deutschland bringen. Das teilte ein Lufthansa-Sprecher am Sonntag mit. Es handele sich um Menschen, die wegen der Reisebeschränkungen als Folge der Coronavirus-Krise sonst nicht hätten zurückkehren können, um Feriengäste von den Inseln und Kreuzfahrtpassagiere.

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Auf Solidarität und Fürsorge kommt es in der Coronakrise an. Wir bringen Menschen zusammen, die Hilfe brauchen oder anbieten.

Mehrere Reedereien und Touristikunternehmen hätten die Lufthansa beauftragt, die Urlauber zurückzufliegen, so der Sprecher. Zu den 15 Sonderflügen kämen noch zwei reguläre Flüge aus der Dominikanischen Republik und Barbados. Abflugorte sind Teneriffa, Punta Cana und Barbados. Zielflughäfen sind Frankfurt, München, Hamburg und Berlin. Die ersten Rückkehrer wurden bereits am Sonntag in Deutschland erwartet. (dpa/is)

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