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Bayerns Grüne klettern auf Rekordhoch

Bayerntrend ergibt 25 Prozent für Ökopartei. CSU stagniert bei 36 Prozent – der Dämpfer gilt aber nicht für Parteichef Söder.
Von Christine Schröpf und Christoph Trost

Die Grünen-Landtagsfraktionschefs Katharina Schulze und Ludwig Hartmann können sich über einen Rekordumfragewert freuen. Foto: Sven Hoppe/dpa
Die Grünen-Landtagsfraktionschefs Katharina Schulze und Ludwig Hartmann können sich über einen Rekordumfragewert freuen. Foto: Sven Hoppe/dpa

München.Bei der Klausur der CSU-Landtagsfraktion in Kloster Seeon herrschte am Mittwoch angesichts einer neuen Regierungsoffensive mit Behördenverlagerungen und neuen Studienplätzen eigentlich Aufbruchsstimmung – doch am Nachmittag folgt ein kräftiger Dämpfer. Im neuen Bayerntrend des Bayerischen Rundfunks rangiert die Regierungspartei in er so genannten Sonntagsfrage zu künftigen Wahlentscheidungen nur bei 36 Prozent und damit knapp unter dem Landtagswahlergebnis 2018 mit damals 37,2 Prozent. Die Grünen fahren dagegen mit 25 Prozent ein neues Rekordergebnis ein und erreichen vier Prozent mehr als vor einem Jahr und gut sieben Prozent mehr als bei der Landtagswahl.

Freie Wähler gleichauf mit AfD

Der Bayerntrend ist der wichtigste Stimmungstest zur Landespolitik. Er wird stets zum Jahresanfang im Auftrag des BR-Politikmagazins „Kontrovers“ erhoben. Die Freien Wähler, die seit 2018 zusammen mit der CSU regieren, liegen in der neuen Umfrage mit zehn Prozent gleichauf mit der AfD auf dem dritten Platz. Bei der Landtagswahl hatten die Freien Wähler noch 11,6 und die AfD 10,2 Prozent erreicht. Die SPD fällt weiter auf nun nur noch sieben Prozent. Die FDP wäre mit aktuell vier Prozent nicht mehr im Landtag vertreten. Der nächste Abstimmungstermin ist allerdings erst 2023.

CSU-Klausur

2100 neue Studienplätze für Ostbayern

Auf die Oberpfalz entfallen gut 750 neue Studienplätze. Söder verspricht neue Jobs durch Behördenverlagerungen aufs Land.

Trotz schlechtem Abschneiden der CSU in der Sonntagsfrage: Mit der Arbeit der schwarz-orangen Koalition in Bayern sind laut Umfrage 64 Prozent der Wahlberechtigten zufrieden oder sogar sehr zufrieden. 53 Prozent stellen der CSU ein gutes Zeugnis für ihre Regierungsarbeit aus, ein deutliches Plus im Vergleich zum Vorjahr, 43 Prozent dem kleineren Koalitionspartner Freie Wähler, die ein leichtes Minus hinnehmen müssen.

Söders Ansehen klettert nach oben

Speziell Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder darf sich über wachsenden Zuspruch freuen: Im bundesweiten Vergleich der beliebtesten Ministerpräsidenten liegt er nun nach dem baden-württembergischen Amtskollegen Winfried Kretschmann (Grüne) auf Platz 2. Kretschmann finden 77 Prozent gut, Söder 67 Prozent. Auch die Zustimmungswerte in Bayern sind nach oben geklettert: Nach 55 Prozent im Vorjahr stellten ihm nun 67 Prozent ein positives Zeugnis aus. Im Ranking der beliebtesten Politiker im Freistaat landet er auf Platz 1, gefolgt von Ilse Aigner (57 Prozent) und Hubert Aiwanger (50 Prozent). Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) liegen mit je 39 Prozent gleichauf. Die Grünen-Landtagsfraktionschef Katharina Schulze und Ludwig Hartmann erreichen 33 bzw. 21 Prozent. Schlusslicht ist AfD-Landtagsfraktionschefin Katrin Ebner-Steiner, die nur bei zehn Prozent der Befragten gut oder sehr gut ankommt.

Wackelkandidat: Andreas Scheuer

Das Ansehen von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist im neuen Bayerntrend stark nach unten gerutscht. Foto: Wolfgang Kumm/dpa
Das Ansehen von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist im neuen Bayerntrend stark nach unten gerutscht. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Auf Bundesebene kommt der am schwächtesten bewertete Politiker dagegen von der CSU. Mit der Arbeit von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, der sich im Mautdesaster verheddert hat, sind nur noch 16 Prozent zufrieden, 67 Prozent finden sie schlecht. Damit wird die Luft für ihn immer dünner. Söders Kommentar vom Mittwoch klingt nach einer drohenden Ablösung. „Ich werde als CSU-Vorsitzender meinen Beitrag erbringen, dass wir inhaltlich weiterkommen, aber es braucht auch personelle Ergänzungen und Verstärkungen“, sagte er. Söder hatte erst kürzlich mit dem Wunsch nach einer größeren Kabinettsumbildung in Berlin Schlagzeilen gemacht – eine Idee, die im Bayerntrend von 46 Befragten gutgeheißen wird. Dabei hat er offenbar auch Bundesinnenminister Horst Seehofer im Blick, um mit einer neuen Mannschaft in die nächste Bundestagswahl zu gehen.

„Das bestätigt, was wir seit Monaten vertreten: Der Gegner sind die Grünen.“

Der Oberpfälzer CSU-Chef Albert Füracker

„Die bundespolitische Situation ist für uns eine Belastung“, sagte auch der Oberpfälzer CSU-Chef und bayerische Finanzminister Albert Füracker am Mittwoch in einer ersten Reaktion. Einen wichtigen Gegenpunkt setzten die hervorragenden Umfragewerte Söders. „Er stabilisiert die CSU.“ Die CSU steht nach Fürackers Einschätzung im Vergleich zur Landtagswahl derzeit stabil da. „Die Zahlen zeigen aber auch, dass wir mit unserer Politik für das ganze Land nicht nachlassen dürfen.“ Füracker kommentierte auch den Höhenflug der bayerischen Grünen. „Das bestätigt, was wir seit Monaten vertreten: Der Gegner sind die Grünen.“

Die Grünen fühlen sich wiederum in ihrem Kurs zu 100 Prozent bestätigt. „Den Menschen wird immer bewusster, dass unsere Lebensgrundlagen akut gefährdet sind und dass zum Gegensteuern die Zeit drängt“, sagte Landtagsfraktionschef Ludwig Hartmann. „Dafür genügt ihnen Söders reklamelastige Ankündigungspolitik nicht. Sie haben inzwischen längst das Kleingedruckte gelesen und setzen deshalb größere Hoffnungen in eine ökologische Mutpolitik, wie sie nur mit uns Grünen geht.“ Der Oberpfälzer Grünen-Abgeordnete Jürgen Mistol sieht das genauso. „Offenbar nehmen die Menschen wahr, dass wir sehr beherzt an die Themen herangehen.“ Er rechnet damit, dass die hohen Umfragewerte auch auf die Kommunalwahlen am 15. März durchschlagen. „Es ist auf jeden Fall ein Motivationsschub für unsere Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer vor Ort.“

Für die Umfrage hatte Infratest dimap im Zeitraum vom 8. bis 13. Januar insgesamt 1004 Wahlberechtigte in Bayern telefonisch interviewt.

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