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Umfrage

Bayerntrend: CSU bleibt im Tief

In der Sonntagsfrage rutscht die Partei auf 35 Prozent, die Grünen klettern auf neues Hoch. AfD kann im Landtag wenig punkten
Von Christine Schröpf

Der Bayerntrend stellt den Akteuren der Landespolitik ein Zwischenzeugnis aus – mit guten, aber auch schlechteren Noten. Im Bild: Landtagsabgeordnete bei einer Plenarsitzung des Landtags. Foto: Peter Kneffel/dpa
Der Bayerntrend stellt den Akteuren der Landespolitik ein Zwischenzeugnis aus – mit guten, aber auch schlechteren Noten. Im Bild: Landtagsabgeordnete bei einer Plenarsitzung des Landtags. Foto: Peter Kneffel/dpa

München.Die CSU steckt weiter im Tief: In der Sonntagsfrage des aktuellen Bayerntrends des BR-Politikmagazins Kontrovers rutscht die Regierungspartei auf 35 Prozent ab und liegt damit noch unter dem 37,2-Prozent-Ergebnis bei der Landtagswahl. Die Grünen machen mit 21 Prozent dagegen den nächsten Sprung nach oben und profitieren offenkundig von ihrer neuen Rolle als stärkste Oppositionspartei. Die Freien Wähler – nun mit der CSU in Regierungsverantwortung – legen auf nun 13 Prozent zu. Die FDP verzeichnet mit sechs Prozent einen leichten Zugewinn. Die SPD sinkt dagegen weiter und erreicht nur noch neun Prozent. Die AfD verliert in der Wählergunst ebenfalls, käme im Moment nur mehr auf acht Prozent.

„Wir haben als CSU noch einen weiten Weg vor uns. Den werden wir konsequent gehen.“

Ministerpräsident Markus Söder (CSU)

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder bezeichnete die Umfrageergebnisse in einer ersten Stellungnahme als Orientierungswert. „Wir haben als CSU noch einen weiten Weg vor uns. Den werden wir konsequent gehen“, sagte der CSU-Politiker, der bei einem Parteitag am 19. Januar von Horst Seehofer den Parteivorsitz übernehmen will. Erfreut zeigte sich Söder darüber, dass sich seine persönlichen Werte im Bayerntrend verbessert haben. Der bayerische Grünen-Vorsitzende Eike Hallitzky wertete das neue Grünen-Hoch als Motivation. „Die Bevölkerung bestätigt unseren Kurs. Die Menschen wollen konkrete Probleme gelöst haben. Das machen wir. Gleichzeitig wollen sie Zuversicht spüren. Auch das ist unser Ding.“ Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger zeigte sich über den 13-Prozent-Wert für seine Partei sehr zufrieden, demonstrierte aber Gelassenheit. „Wir bleiben auf dem Teppich und arbeiten wie gewohnt für die Bürger und für Bayern weiter.“

So hatten die bayerischen Parteien bei der Landtagswahl im Oktober 2018 abgeschnitten:

Der Bayerntrend, der immer zum Jahresauftakt veröffentlicht wird, zählt zu den wichtigsten politischen Stimmungstests. Das Institut Infratest Dimap hatte von 3. bis 7. Januar 1003 repräsentativ ausgewählte Bürger telefonisch befragt. Das Zwischenzeugnis hält parteiübergreifend gemischte Zensuren bereit. Auch wenn es sich bei der CSU bisher nicht in Wählerstimmen auszahlen würde, sind mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) mit der Arbeit der Landesregierung zufrieden. Die schwarz-orange Koalition wird damit übrigens besser benotet, als die frühere CSU-Alleinregierung.

Wo muss die Staatsregierung besser werden? Der Bayerntrend gibt Ministerpräsident Markus Söder (r.) ein paar Anhaltspunkte. Foto: Peter Kneffel/dpa
Wo muss die Staatsregierung besser werden? Der Bayerntrend gibt Ministerpräsident Markus Söder (r.) ein paar Anhaltspunkte. Foto: Peter Kneffel/dpa

Söder ist im Vergleich zur Schlussphase des Landtagswahlkampfs im Oktober 2018 in der Wählergunst gestiegen. Er überzeugt nun 55 Prozent der Befragten (plus vier Prozent). Noch stärker legt der stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zu: Er erreicht nun 49 Prozent Zustimmung (plus neun Prozent). Der scheidende CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer fährt im Beliebtheitsranking weiter schlechte Werte ein: Nur drei von zehn Befragten finden seine Arbeit gut.

Die Grünen sind als stärkste Oppositionspartei im Aufwind – und haben bereits die Europawahl im Mai im Blick.

Interview

Ein Grüner fordert die CSU heraus

Ludwig Hartmann setzt Bayerns Grünen bei Europawahl 17 Prozent als Ziel. Trotz eines CSU-Spitzenkandidaten, den Grüne mögen.

Ein widersprüchliches Bild zeichnet der Bayerntrend von der AfD: Nur neun Prozent der Befragten gefällt das bisherige Gebaren der Partei im Landtag, dennoch findet knapp jeder Vierte gut, dass die AfD im Maximilianeum vertreten ist. Der restriktive Kurs in der Flüchtlingspolitik gefällt 32 Prozent. 84 Prozent glauben aber auch, dass sich die AfD zu wenig von rechtsextremen Inhalten abgrenzt.

Die Flüchtlingspolitik wird im Bayerntrend weiter als wichtigstes landespolitisches Thema geführt: Sie rangiert bei 37 Prozent, verliert aber an Bedeutung (minus sieben Prozent) – und das trotz des jüngsten Vorfalls um prügelnde Asylbewerber in Amberg. Ungeachtet der dadurch ausgelösten Sicherheitsdebatte sprachen sich lediglich 35 Prozent der Befragten für Gesetzesverschärfungen aus. 60 Prozent favorisierten dagegen einen konsequenten Vollzug bestehender Gesetze.

Auf Platz 2 des Rankings der wichtigsten Themen in Bayern rangiert die Bildungspolitik 20 Prozent. Gefolgt vom Wunsch nach bezahlbaren Wohnungen und einer guten Infrastruktur (je 16 Prozent). Wichtiger Gradmesser ist die Lösungskompetenz, die Bürger den Parteien in wichtigen Fragen zugestehen: Die CSU erzielt hier mit 50 Prozent den besten Wert, die Grünen erreichen 16 Prozent), die Freien Wählern acht Prozent) sowie AFD und FDP (je zwei Prozent).

Die bayerische SPD-Chefin Natascha Kohnen ist mit schlechten Umfragewerten konfrontiert. Foto: Lino Mirgeler/dpa
Die bayerische SPD-Chefin Natascha Kohnen ist mit schlechten Umfragewerten konfrontiert. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Problemfall bleibt auch in dieser Kategorie die SPD: Nur sechs Prozent der Befragten vermuten bei den Sozialdemokraten die besten Antworten auf zentrale Problemlagen. 21 Prozent vertreten den Standpunkt, die SPD werde in Bayern nicht gebraucht. Nur noch 29 Prozent (Oktober: 42 Prozent) sind aktuell mit der Arbeit der bayerischen SPD-Vorsitzenden Natascha Kohnen zufrieden. Kohnen, die Ende Januar bei einem Parteitag zur Wiederwahl antritt, kann sich jedoch durch einen anderen Bayerntrend-Wert gestützt fühlen: 72 Prozent der SPD-Anhänger würden es begrüßen, wenn sie im Amt bleibt.

„Das ist natürlich ein weiterhin unerfreuliches Ergebnis für uns. Wir wissen, dass wir hart arbeiten müssen, um nach oben zu kommen. Und wir sind überzeugt, dass wir das schaffen. Die Legislatur hat gerade erst begonnen. Seitens der Staatsregierung stehen bisher nur teure Ankündigungen im Raum. Konkretes Regierungshandeln: Fehlanzeige! Laut Umfrage überzeugen wir aktuell ein gutes Viertel der Wählerinnen und Wähler in Bayern. Die SPD wird gebraucht – wir sind das soziale Gewissen Bayerns“, sagte SPD-Generalsekretär Uli Grötsch zum Bayerntrend.

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