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Gesundheit

Corona: Krankenhäuser im Krisenmodus

Auch Regensburg erhöht massiv Kapazitäten. Größte Herausforderung überall: genügend Personal. Studenten sind im Sondereinsatz
Von Christine Schröpf und Jana Wolf

Am Uni-Klinikum Regensburg gilt ab Samstag eine komplette Besuchersperre. Foto: Armin Weigel/dpa/Archiv
Am Uni-Klinikum Regensburg gilt ab Samstag eine komplette Besuchersperre. Foto: Armin Weigel/dpa/Archiv

München.Der Corona-Virus katapultiert Bayerns Universitätskliniken in den Krisenmodus – man richtet sich dort immer intensiver auf die Aufnahme vieler Schwerstkranker ein, mobilisiert alle personellen Kräfte – auch Forscher werden von ihrer bisherigen Arbeit abgezogen, Medizinstudenten eingeplant. „Unsere sechs bayerischen Universitätskliniken sind die Speerspitze im Kampf gegen das Coronavirus“, sagte Wissenschaftsminister Bernd Sibler am Freitag bei einer Pressekonferenz mit führenden Vertretern der Uni-Kliniken. Zu den Krisenplänen zählt, dass es bei einer Verschärfung der Lage Intensivstationen unterschiedlichen Grades geben könnte, um genügend Geräte für besonders ernste Fälle frei zu halten.

Bayern produziert Schutzmasken

Professor Karl-Walter Jauch, Ärztlicher Direktor des Universitäts-Klinikums München, rechnet bei einem Teil der Corona-Patienten als Komplikationen mit Nieren- oder Mehrorganversagen. Das Entscheidende bei der Krankenversorgung werden nach seinen Worten ausreichende Personalressourcen sein. Pflegekräfte, die bisher auf Normalstationen tätig sind, würden nun für den Umgang mit Infektionspatienten geschult. Er verwies darauf, dass bei der Versorgung weniger schwerer Corona-Fälle kleineren Krankenhäusern eine große Bedeutung zuwachse.

Ministerpräsident Markus Söder hatte bereits bei seiner Regierungserklärung am Donnerstag im Landtag skizziert, wie der Medizinbetrieb in Corona-Zeiten hochgefahren wird: Die Zahl der Intensivbetten von derzeit 4000 soll verdoppelt werden - bei den Uni-Kliniken bedeutet das ein Anwachsen von 600 auf 1200. Bayern hat bereits 1000 neue Beatmungsgeräte gekauft. Auch Testkapazitäten werden deutlich ausgeweitet - aktuell liegt die Zahl nach Söders Angaben bei 2700 Tests pro Tag. Beim Mobilisieren medizinischen Personals greift man bereits auf 500 Medizinstudenten zu, bis zu 5000 könnten im Notfall eingesetzt werden. Die Staatsregierung stockt auch die Gesundheitsämter kurzfristig um bis zu 400 Mitarbeiter aus anderen Behörden auf, verstärkt zudem die Hotline 116 117 personell.

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In punkto Schutzkleidung für Krankenhausbeschäftigte hat der Bund versprochen, 800 000 Atemschutzmasken in den Freistaat zu liefern. „Die Masken sind nach Auskunft des Bundesgesundheitsministers unterwegs – sowohl an die Kassenärztliche Vereinigung für die Praxen als auch an das Gesundheitsministerium“, sagte Söder am Freitag bei einer Pressekonferenz. Atemschutzmasken werden nun aber auch im Freistaat produziert - unter anderem von einem Automobilzulieferer, der bisher Autositze nähte und in der Wirtschaftskrise nun freie Kapazitäten hat. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat das auf den Weg gebracht. „Wir werden mehrere zehntausend Stück bayerische Masken pro Tag produzieren können. Übers Wochenende geht es schon los“, sagte er.

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Die Kapazitäten an Intensivbetten in Ostbayern lagen nach Auskunft des Gesundheitsministeriums vor der Corona-Krise bei rund 750 (Stand: 2018), davon rund 480 in der Oberpfalz und rund 270 in Niederbayern. Am Universitätsklinikum Regensburg (UKR), wo momentan zwei Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung stationär behandelt werden, hat man inzwischen eine komplette Intensivstation mit Beatmungsplätzen für weitere Kranke frei geräumt. Bei Bedarf werden nach Angaben von Kliniksprecher Matthias Dettenhofer weitere Beatmungsplätze eingerichtet. Engpässe bei der Ausstattung der Mitarbeiter mit Mundschutz gebe es momentan nicht, inzwischen sei Nachschub eingetroffen. „Darüber hinaus ist das UKR in der Lage für den Hausgebrauch Desinfektionsmittel selbst herzustellen.“ Um Infektionsrisiken generell auszuschalten, gilt ab Samstag am Regensburger Uni-Klinikum eine vollständige Besuchersperre. Ausnahmen werden nur für die Kinder- und die Palliativstation gewährt. Die Klinik hat übrigens auf Anregung eines Beschäftigten eine Facebook-Aktion gestartet, die Bürger vor einem sorglosen Verhalten warnt, das Krankenhäuser an die Überlastungsgrenze bringen kann. Beschäftigte umrahmen ihr Profilbild dabei mit einem eindringlichen Appell: „Stay Home – #WirFürEuch – Universitätsklinikum Regensburg.“

Auch Ostbayerns Experten mahnen eindringlich, die Ausbreitung des Corona-Virus zu stoppen. Foto: Uncredited/NIAID-RML/AP/dpa
Auch Ostbayerns Experten mahnen eindringlich, die Ausbreitung des Corona-Virus zu stoppen. Foto: Uncredited/NIAID-RML/AP/dpa

Das Großkrankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg schließt sich der Warnungen an. Geschäftsführer Dr. Andreas Kestler mahnt speziell junge Leute, das Virus nicht durch Corona-Parties weiterzutragen. „Ich kann nur hoffen, dass diese Menschen vernünftiger werden und tatsächlich versuchen, in den nächsten drei, vier, fünf Wochen Sozialkontakte so gut als möglich zu meiden und die Infektionsketten damit zu unterbrechen.“ Bei den Barmherzigen Brüdern wappnet man sich gerade für die Behandlung einer größeren Zahl von Corona-Patienten.

„Etwa 50 Prozent der Patienten, die wir hier behandeln, sind schon bisher Notfallpatienten.“

Andreas Kestler, Geschäftsführer der Barmherzigen Brüder in Regensburg

Eine komplette Infektionsstation sei bereits in Betrieb. „Wir ertüchtigen bis Montag eine weitere Station und wenn die fertig ist, wird die dritte Station hergerichtet, die Teams entsprechend neu zusammengestellt und geschult“, sagt Kestler. Gleichzeitig würden Kapazitäten im Intensivbereich Stück für Stück erweitert. Man takte alles so, „dass wir immer der Corona-Welle voraus sind und ein Stück Luft nach oben haben“. Verschiebbare Behandlungen und Eingriffe seien abgesagt. Kestler weist allerdings darauf hin, dass auch zu Corona-Zeiten Unfallverletzte, Schlaganfallpatienten oder Menschen mit Herzinfarkten eingeliefert werden. „Etwa 50 Prozent der Patienten, die wir hier behandeln, sind schon bisher Notfallpatienten.“

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