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Brauchtum

Das Glück vom Nockherberg

Das Söder-Double bekommt vermeintlich Weichspüler verpasst. Fastenprediger Schafroth lacht sich schon beim Proben schlapp.
Von Christine Schröpf

Das Nockherberg-Team: (v. l.) Fastenpredigt-Co-Autor Thomas Lienenlüke, Fastenprediger Maxi Schafroth, Paulaner-Chef Andreas Steinfatt, die beiden Regisseure Richard Oehmann und Stefan Betz sowie Komponist Tobi Weber. Foto: Schröpf
Das Nockherberg-Team: (v. l.) Fastenpredigt-Co-Autor Thomas Lienenlüke, Fastenprediger Maxi Schafroth, Paulaner-Chef Andreas Steinfatt, die beiden Regisseure Richard Oehmann und Stefan Betz sowie Komponist Tobi Weber. Foto: Schröpf

München.Markus Söder, der Echte, hat als Ministerpräsident dem politischen Rumpeln entsagt, er pflegt nun nach eigenen Worten ein „Profil mit Stil“ – den Machern des Starkbierfestes auf dem Nockherberg hat er dementsprechend per Zeitungsinterview mitgeteilt, dass er gespannt erwarte, ob nächste Woche beim Paulaner-Starkbieranstich auch sein Bühnen-Double die Kurve kriegt oder die Autoren in Klischees verhaftet bleiben. Bei den beiden Regisseuren Stefan Betz und Richard Oehmann löst dieses Botschaft ziemliche Heiterkeit aus.

Erster Blick auf das Bühnenbild: Geflieste Wände. Leere Flaschen. Ein Bar, in der eine Palmentapete für etwas Südseeflair sorgen muss: Evi Stiebler, Cora Wimbauer und Betty Morell haben für das Singspiel vom „Kleinen Glück“ Witziges gezaubert. Foto: Stefan Matzke/sampics
Erster Blick auf das Bühnenbild: Geflieste Wände. Leere Flaschen. Ein Bar, in der eine Palmentapete für etwas Südseeflair sorgen muss: Evi Stiebler, Cora Wimbauer und Betty Morell haben für das Singspiel vom „Kleinen Glück“ Witziges gezaubert. Foto: Stefan Matzke/sampics

Selbstverständlich habe man den neuen sanften Söder im Blick, betont das Duo am Donnerstag bei der Nockherberg-Pressekonferenz in München. Auch das Söder-Double sei nun quasi „mit Weichspüler getränkt“. Die Maskenbildnerin sei zudem auf die neue Optik des CSU-Chefs vorbereitet – beim Politischen Aschermittwoch hatte Söder diese Woche Dreitagebart getragen. Double Stephan Zinner soll kurz vor dem Bühnenauftritt die tagesaktuelle Zahl an Stoppeln ins Gesicht gebastelt werden.

Bühne frei für die Ehrgeizigen

Starkbieranstich samt Singspiel und Fastenpredigt finden am kommenden Dienstag statt. Die Paulaner-Brauerei hat das Fest wegen des Champion-League-Achtelfinales um einen Tag vorverlegt. Der FC Bayern trifft am Mittwoch in der Allianz-Arena auf den FC Liverpool, das hätte die vielen Bayern-Fans unter den Nockherberg-Gästen in die Zwickmühle gebracht. So aber ist der Andrang nach Angaben von Brauerei-Chef Andreas Steinfatt noch größer als in früheren Jahren.

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Nockherberg-Crew macht sich bereit

Söder-Double Stephan Zinner spielt am Nockherberg nun einen der wichtigsten Parts. Trotzdem denkt er langsam ans Aufhören.

Söder zählt zu den Stammgästen – er kommt erstmals als Ministerpräsident. Aus Berlin hat unter anderem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zugesagt, der gerade mit einer neuen Liebe Schlagzeilen macht. Das bayerische Kabinett wird stark vertreten sein. Es gibt aber auch zwei prominente Absagen: Bundesinnenminister Horst Seehofer kommt ebenso wenig wie die SPD-Bundesvorsitzende Andrea Nahles, obwohl beide im Singspiel eine Rolle haben. Das Seehofer-Double (Christoph Zrenner), in früheren Jahren auf den Machtkampf mit Söder gepolt, soll dieses Mal als eine der „vielen verlorenen Seelen in der CSU“ über die Bühne geistern, wie Oehmann sagt. Nahles darf sein wie sie ist: Eine Politikerin, die auch mal ein „Bätschi“ in die Kameras ruft.

Nockherberg-Revue

Betz und Oehmann hatten das Singspiel erstmals 2018 inszeniert und zum Auftakt eine Reminiszenz auf den Western „Die glorreichen Sieben“ abgeliefert. Dieses Jahr gibt es kein bayerisch-deftiges Remake, sondern eine komplett neu ersonnene Geschichte, die um Menschen kreist, die noch etwas werden wollen. Den leicht rätselhaften Titel „Das kleine Glück oder da müsste mal was gemacht werden“ trägt das Singspiel dabei eher zufällig. Als das Duo noch mal daran schrauben wollte, war das Programm schon gedruckt.

Konkretes zum Stück verraten die Regisseure bei der Pressekonferenz eher in homöopathischen Dosen. Kanzlerin Angela Merkel (Antonia von Romatowski) erlebt danach einen „Moment der Entfesselung“. Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger (Florian Fischer) wird wegen der plötzlichen Nähe zu Söder persifliert. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Höhenflug der Grünen. Landtagsfraktionschefin Katharina Schulze ist im Singspiel neu dabei – ein Energiebündel, das Schauspielerin Sina Reiß viel abverlangt. „Wie einmal Zirkeltraining im Fitnessstudio“, hatte sie bereits vorab von den Proben berichtet. Dem Rotstift fielen zwei andere Frauenrollen zum Opfer: Ilse Aigner sei als Landtagspräsidentin raus aus dem politischen Alltagsgeschäft, sagt Betz. SPD-Chefin Kohnen liefere zu wenig Steilvorlagen.

Premiere für Schafroth

Nockherberg-Premiere als Fastenprediger feiert der Kabarettist Maxi Schafroth: Der 34-Jährige hat allerdings Singspielerfahrung. 2016 mimte er das „Über-Ich“ Seehofers. 2015 verkörperte er die Nockherberg-Version des Travestiekünstlers Conchita Wurst. Die Rolle des Bußpredigers will Schafroth modern interpretieren: Im Trachtenjanker statt in Mönchskutte. Sein Stilmittel sei auch nicht die „Motorsäge“, sondern das Nachbohren von unten.

Die Predigt steht in groben Zügen. Schafroth übt bereits – mit sichtlichem Vergnügen erzählt er, dass er sich zum Nachspielen des Augenkontakts mit der Politikprominenz im Saal Gemüse zurechtlege. „Söder ist ein Kohlkopf.“

Schwachstellen der Politiker habe er bei Landtagsbesuchen recherchiert, zudem den CSU-Bayernkurier und das Allgäuer Bauernblatt studiert. Er habe sich innerlich der Regierungspartei angenähert, flunkert Schafroth. „Ich kann eigentlich an der CSU im Moment auch faktisch keine Fehler finden.“

Der Nockherberg 2019

  • Publikumsmagnet:

    Die Einladungen zum Nockherberg sind begehrt. Dieses Jahr ist der Andrang besonders groß. Fastenpredigt und Singspiel werden jedes Jahr vom Bayerischen Rundfunk übertragen. 2018 saßen bundesweit knapp drei Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen. Die Quote in Bayern betrug 40,1 Prozent,

  • Die Gästeliste:

    Ein Mix aus Politik, Sport und Showbiz. Markus Söder kommt erstmals als Ministerpräsident. Zugesagt haben Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt. Auch Tatort-Kommissar Axel Milberg wird erwartet und Ex-Fastenpredigerin Luise Kinseher.

  • Kanzlerinnen-Double:

    Antonia von Romatowski schlüpft wieder in die Rolle Angela Merkels. Die Kanzlerin hat im Singspiel eine Szene, in der sie völlig entfesselt agieren darf. Romatowskis Job ist zukunftsfest. Die Stimmen-Imitatorin persifliert auch ziemlich gut die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Fastenpredigten sind ein Ritt auf der Rasierklinge. Ein falsches Wort kann bundesweites Echo auslösen. Auf die Frage nach Tabus, etwa bei Spitzen gegen Frauen, Minderheiten oder Indianer, verweist Schafroth scheinbar ernst auf die lange Passage über Indianer in seiner Fastenpredigt. Bei dem einen oder anderen Seitenhieb könne es Beleidigte geben. „Es gibt keine Gruppierung, die einen besonderen Schongang erfährt.“

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