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Gillamoos

Der Sozialist kommt im Bierzelt gut an

Juso-Bundeschef Kevin Kühnert rechnet in Abensberg mit „neoliberaler Politik“ ab. Viele Menschen fühlten sich abgehängt.
Von Julia Ried

Kevin Kühnert auf der Bierzelt-Bühne Foto: Sven Hoppe/dpa
Kevin Kühnert auf der Bierzelt-Bühne Foto: Sven Hoppe/dpa

Abensberg.Bei seinem ersten Auftritt im Bierzelt überhaupt biedert sich Kevin Kühnert nur ein bisschen beim Publikum an. Er fühle sich „ein Stück weit“ wie zuhause, sagt der Berliner eingangs. „Es ist montags, kurz nach 10 Uhr. Menschen treffen sich zum Feiern und zum Bier trinken.“ Der Juso-Bundeschef, der sich als „Sozialist“ bezeichnet, hält keine Bierzeltrede. Der 30-Jährige erobert in 40 Minuten das Jungbräuzelt dennoch – mit einer leidenschaftlichen, linken Ansprache in eher sachlichem Stil, in der er wenige scharfe Worte über die politische Konkurrenz verliert.

Dafür knöpft sich Kühnert erneut BMW vor, diesmal, um seine Forderung nach der Wiedereinführung der Vermögenssteuer zu illustrieren. Die Erben Susanne Klatten und Stefan Quandt hätten 2018 von 1,1 Milliarden Euro Gewinnausschüttung profitiert, prangert er an. „1,1 Milliarden heißt, dass Frau Klatten in jeder verdammten halben Stunde so viel Geld bekommen hat wie ein Polizeibeamter nach Abschluss seiner Ausbildung in einem ganzen Jahr verdient.“ Die etwa 1900 Besucher im voll besetzten Zelt applaudieren und johlen.

Investitionsstau von 160 Milliarden Euro

Demgegenüber stehe ein Investitionsstau von 160 Milliarden Euro in Bund, Ländern und Gemeinden, die gebraucht würden für Schulen, ordentlichen Handyempfang sowie Straßen und Schienennetze auf dem neuesten Stand. Lücken in der Kasse habe auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer mit seinem „ideologisch begründeten Pkw-Maut-Projekt“ verursacht. „Ich glaube, dieser Verkehrsminister hat abgewirtschaftet.“ Überhaupt gelte für die CSU: „Meint ihr das eigentlich ernst, wenn ihr brav alle fünf Jahre eure Hand auf die bayerische Staatsverfassung legt und euren Eid darauf schwört, nach dieser Verfassung dieses Land zu regieren?“ Schließlich stehe in Artikel 123, dass alle im „Verhältnis ihres Einkommens und Vermögens“ zu den öffentlichen Lasten heranzuziehen seien.

Seine Analyse der Landtagswahlen in Brandenburg und vor allem Sachsen verknüpft Kühnert mit einer Abrechnung über „20, 30 Jahre neoliberale Politik“. Nicht nur im Osten, sondern vielerorts fühlten sich Menschen abgehängt. Teilweise seien sie es auch, weil Bus- und Bahnverbindungen, aber auch der Facharzt oder der Jugendclub fehlten und öffentliche Wohnungen verkauft worden sein.

„Der Hass frisst sich in die Gesellschaft rein und die gegenseitige Verachtung“ Kevin Kühnert, Juso-Bundesvorsitzender

Die AfD mit ihren „ordentlichen Neonazis“ spiele Schwächere gegen die Allerschwächsten aus. „Der Hass frisst sich in die Gesellschaft rein und die gegenseitige Verachtung, während eine paar wenige eine immer größer werdende Party feiern und die Gewinne für sich alleine einstreichen.“ Kühnerts Umkehrschluss: „Es muss Schluss sein damit, dass nur nach Kassenlage entschieden wird.“ Öffentliche Güter wie Wohnen und Pflege seien „einem kapitalistischen Markt zu entziehen“.

Der Generalsekretär der Bayern-SPD, Uli Grötsch, hatte Kühnert vor seiner Rede versichert: „Wir stehen als Bayern-SPD an deiner Seite.“ Auf seiner Seite hat er auch die Mehrheit des Publikums – vom 24-jährigen linken Azubi, der sich den SPD-Beitritt überlegt, bis zur eher konservativen 62-Jährigen, die angetan ist, dass er „nicht so unter die Gürtellinie“ gegangen ist.

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