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Frauenrechte

Fröhlicher Flashmob katholischer Frauen

Emilia Müller und Ilse Aigner senden an die Kirche eine klare Botschaft: Das Priesteramt gehöre auch in Frauenhand.
Von Christine Schröpf

Spaß beim Flashmob: (v.r.) Landtagspräsidentin Ilse Aigner, die bayerische Frauenbund-Vorsitzende Emilia Müller und ihre Stellvertreterin, Eva Gottstein. Foto: Sina Schuldt/dpa
Spaß beim Flashmob: (v.r.) Landtagspräsidentin Ilse Aigner, die bayerische Frauenbund-Vorsitzende Emilia Müller und ihre Stellvertreterin, Eva Gottstein. Foto: Sina Schuldt/dpa

München.Der Wettergott meint es ein klein bisschen gut mit den rund 1000 katholischen Frauen, die Freitagmittag auf dem Münchner Marienplatz zum Flashmob zusammengeströmt sind. Zwar bläst ein scharfer Wind, doch aus den dunklen Wolken fällt kein Regen. Die für Passanten vermeintlich spontane, in Wahrheit exakt geplante Aktion für Frauenrechte kann damit störungsfrei über die Bühne gehen. Die Frauen aus ganz Bayern – unter ihnen allein rund 200 aus dem Bistum Regensburg – haben sich apfelgrüne Schärpen mit der Aufschrift „Frauen können alles! bewegen!“ über die Mäntel gezogen und starten um 14 Uhr auf Kommando zum Gruppen-Tanz: Ein paar Schritte vor und wieder zurück, mal nach links und mal nach rechts, einmal rundherum und dann noch mit beiden Händen an den Kopf gefasst. Die Choreographie macht den Tänzerinnen offenkundig gute Laune – sie könnte auch als Bewegungsprofil eines Durchschnittstags von Frauen durchgehen. Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Petra Reiter, die Frau des Münchner Oberbürgermeisters, machen mit. Sie waren als Schirmherrinnen verpflichtet worden.

Auftakt einer Frauen-Kampagne

Der Flashmob zum Internationalen Frauentag ist eigentlich ein Flashmob de luxe. Die Frauen kreuzen nicht nur kurz auf und sind dann gleich wieder weg, sondern besetzen den Marienplatz für knapp eine Stunde. Es gibt ein Podium, einen eigens kombinierten Frauen-Power-Song – und mit Susanne Rohrer eine Moderatorin, die mit einem hübschen Vergleich die Stimmung weiter hebt: Mit 165 000 Frauen habe der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) in Bayern mehr Mitglieder als die CSU, sagt sie.

Mehrere hundert Frauen tanzten auf dem Marienplatz. Foto: Sina Schuldt/dpa
Mehrere hundert Frauen tanzten auf dem Marienplatz. Foto: Sina Schuldt/dpa

Der KDFB startet mit der Aktion auf dem Marienplatz eine groß angelegte Kampagne. Es geht um mehr Teilhabe an der Macht und die komplette Gleichstellung von Frauen. Ungerechtigkeiten in allen Bereichen sollen bloßgelegt werden. Die frühere bayerische Sozialministerin Emilia Müller, die seit vergangenen Sommer KDFB-Landesvorsitzende ist, beklagt die noch immer mangelhafte Wertschätzung der Leistung von Frauen. Das lasse sich an niedrigen Renten ablesen, am geringeren Verdienst und an den kleineren Aufstiegschancen.

Die Tanz-Choreographie beim Flashmob verlangte Schritte in alle Richtungen. Foto: Sina Schuldt/dpa
Die Tanz-Choreographie beim Flashmob verlangte Schritte in alle Richtungen. Foto: Sina Schuldt/dpa

Müller rüttelt auch an Barrieren in der katholischen Kirche. Sie macht sich dafür stark, dass Frauen künftig zu Priesterinnen oder Diakoninnen geweiht werden können. Landtagspräsidentin Aigner erhebt die gleiche Forderung. „Die katholische Kirche sollte darüber nachdenken“, sagt sie mit Verweis auf die vielen Frauen, die schon jetzt das Leben in den Pfarrgemeinden prägen. „Vieles würde nicht mehr laufen, wenn die Frauen sich nicht engagieren würden.“ Das Priesterinnenamt müsse dabei nicht zwangsläufig mit dem Zölibat verknüpft sein. „Ich war noch nie ein großer Fan des Zölibats“, sagt sie.

„Ich würde grundsätzlich der katholischen Kirche empfehlen, auf die Kraft der Frauen zu vertrauen.“

Ilse Aigner Landtagspräsidentin

Aigner ist am Freitag gefragte Interviewpartnerin – sie erzählt von ihrer eigenen Karriere und den diversen kleinen Hemmnissen schon in jungen Jahren. Während ihrer Ausbildung zur Elektrotechnikerin in den 1980er Jahren waren Frauen in der Branche noch so ungewohnt, dass sie auf einer Baustelle beim Herumwerkeln an Schaltkreisen einmal als Diebin verdächtigt wurde – schlicht, weil den Herren das naheliegender erschien. „Einmal wollten sie mich verhaften lassen. Andere haben gemeint, jetzt geht der Monteur schon mit seiner Freundin aufs Dach.“ Sie habe sich von solchen Erfahrungen nie beirren lassen.

Emilia Müller betont den Wert positiver weiblicher Vorbilder. Bei ihr selbst erfüllte die eigene Mutter diese Rolle, die nach dem Tod des Vaters zum Oberhaupt der Familie wurde und vier Kinder versorgte. Müller war damals zehn Jahre alt. Sie sei nie auf die Idee gekommen, dass Frauen Herausforderungen nicht meistern könnten, sagt die frühere Ministerin.

Bastion im Bistum Regensburg

Eine starke Bastion auf dem Marienplatz stellen am Freitag Frauen aus Ostbayern. An ihrer Spitze: Karin Schlecht, die im Bistum Regensburg zwei einflussreiche Positionen hat: Sie ist Vorsitzende des Diözesankomitees – also der Vertretung der Laien. Außerdem hat sie als Chefin des Katholischen Frauenbundes eine Hausmacht von 60 000 Mitgliedern hinter sich. Der Frauenbund ist in der Diözese die mit Abstand größte katholische Vereinigung, die Sportbegeisterten im DJK und die Jugend im BDKJ bringen es jeweils auf rund 34 000 Mitglieder, die Marianische Männerkongregation folgt mit 22 000 Mitgliedern auf Platz 4. Karin Schlecht will das Image des Frauenbundes aufpolieren: Er müsse als jung, frisch, flott, modern und politisch wahrgenommen werden.

Frauen aus Ostbayern

  • Emilia Müller:

    Frauen sollten enge Netzwerke knüpfen und diese auch dazu nutzen, Geschlechtsgenossinnen zu unterstützen, sagt die Landesvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes. Bei den Karrierechancen in Beruf und Politik sei „noch Luft nach oben“, so die Oberpfälzerin.

  • Birgit Kainz:

    Frauenrechte müssten auf der ganzen Welt geschützt werden, fordert die stellvertretende bayerische KDFB-Vorsitzende. Vor allem Gewalt und Diskriminierung müssten gestoppt werden. „Es darf nicht sein, dass Frauen und Mädchen leichter Gewalt ausgesetzt sind.“

  • Karin Schlecht:

    Altersarmut bei Frauen und Kinderarmut treibt die KDFB-Vorsitzende im Bistum Regensburg auf die Barrikaden. Sie wünscht sich, dass Frauen beim Kampf gegen gesellschaftliche Probleme ein stärkeres Wort mitzureden haben – auch in den Parlamenten.

  • Gaby Weindler:

    Als Hausfrau und Mutter von drei Kindern fühlt sie sich „wunschlos glücklich“ – sie behält aber die Lage anderer Frauen im Blick. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit gehört für sie zur Gleichberechtigung. In der Kirche kann sie sich Diakoninnen vorstellen. „Das können Frauen auch.“

Beim Kampf für gleiche Rechte hat der KDFB eigentlich gute Karten. Zahlenmäßig wäre der Fall klar: Bayern hat rund 13 Millionen Einwohner, die Frauen stellen mit 50,4 Prozent die Mehrheit. In den politischen Schaltzentralen stellen sich die Verhältnisse aber noch anders dar. Im Landtag gibt es 55 weibliche und 150 männliche Abgeordnete – ein Verhältnis von circa 27 zu 73 Prozent. Das ist sogar ein Rückgang im Vergleich zur letzten Legislatur, als es mit 29:71 einen Tick besser war.

Auch dazu gibt es am Freitag Appelle. Emilia Müller denkt an die Europawahl. „Frauen, wählt Frauen“, ist ihr Rat. Aigner hat die Kommunalwahl 2020 im Blick. „Quoten allein werden das Problem nicht lösen“, sagt sie. Die Barrieren müssten weg. Frauen dürften auch nicht immer an sich selbst zweifeln und ihre Eignung hinterfragen. „Das habe ich – mit Verlaub – noch nie von einem Mann gehört.“

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