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Freitag, 20. Juli 2018 31° 2

Landtagsempfang

Großes Sommerfest des Landtags

In Schloss Schleißheim ist die CSU Tuschelthema. Hubert Aiwanger setzt bei einer Wette 1000 Euro gegen die FDP.
Von Christine Schröpf

Landtagspräsidentin Barbara Stamm mit der Regensburger CSU-Abgeordneten Sylvia Stierstorfer. Foto: Schröpf
Landtagspräsidentin Barbara Stamm mit der Regensburger CSU-Abgeordneten Sylvia Stierstorfer. Foto: Schröpf

Barbara Stamm schüttelt viele Hände

Lächeln, Händeschütteln – und ein wenig die Zähne zusammenbeißen: Landtagspräsidentin Barbara Stamm ließ sich als Gastgeberin beim Sommerempfang des Parlaments in Schloss Schleißheim nicht anmerken, dass sie eine schmerzhafte Kniearthrose plagt. Stamm nahm sich zweieinhalb Stunden für das Defilee auf dem roten Teppich – nicht wenige der rund 3000 Gäste hatten sich am Dienstagabend eingereiht, um mit ihr ein paar Worte zu wechseln. Der Stock, auf den sie sich derzeit oft stützen muss, blieb dabei außer Griffweite. Sie erfüllte auch Fotowünsche – unter anderem der Regensburger Landtagsabgeordneten Sylvia Stierstorfer. Für die 73 Jahre alte CSU-Politikerin war es der zehnte Empfang als Landtagspräsidentin und vielleicht ihr letzter in diesem Amt. Sie kandidiert zwar im Herbst erneut, allerdings nur für ein angesichts schlechter CSU-Umfragewerte sehr wackeliges Listenmandat. Stamm sprach in ihrer Begrüßungsrede von den aktuell großen politischen Turbulenzen in Deutschland. „Wir alle teilen das Gefühl, dass wir nicht unbedingt in einer leichten Zeit leben“, sagte sie. Ziel müsse es sein, dass die Gesellschaft wieder näher zusammenrücke. Der Empfang in Schleißheim ist unter Stamm zu einem Bürgerfest geworden. Eingeladen werden auch Ehrenamtliche, dieses Mal bevorzugt Menschen, die sich um psychisch Kranke kümmern. Tuschelthema des Abends: die CSU, die nach dem Asylzoff mit der CDU im starken Gegenwind steht.

Aiwanger wettet gegen Markwort

Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger (r.) startete mit FDP-Mann Helmut Markwort eine besondere Wette. Die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger war Zeugin. Foto: Schröpf
Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger (r.) startete mit FDP-Mann Helmut Markwort eine besondere Wette. Die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger war Zeugin. Foto: Schröpf

Ein kurzes Geplänkel am Rande – und schon war die 1000-Euro-Wette zwischen Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger und dem Journalisten und Focus-Gründer Helmut Markwort perfekt. Und Aiwangers Lebensgefährtin, die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger, fungierte als Zeugin. Der 81-jährige Markwort, der im Herbst für die FDP für den Landtag kandidiert, hatte Aiwanger dafür nur schlicht beim Wort nehmen müssen. Der 47-Jährige hatte sich nämlich kürzlich bei einer Pressekonferenz so sicher gezeigt, dass den Liberalen im Herbst der Wiedereinzug ins Maximilianeum misslingt, dass er jederzeit 1000 Euro dagegensetzen wollte. Ungeachtet aktueller Umfragewerte in Höhe von sechs Prozent für die FDP, zeigt Aiwanger weiter keine Sorge um sein Geld. „Vielleicht gewinne ich ja“, sagte er. Gratis waren die wechselseitigen Komplimente der beiden Politiker. Markwort über Aiwanger: „Er ist der größte Kämpfer, den ich kenne.“ Aiwanger über Markwort: „Er ist ein wunderbarer Journalist und Mensch.“

Sylvia Mühlbauer zeigt Engagement

War als Auszeichnung für ihre ehrenamtliche Arbeit eingeladen: Sylvia Mühlbauer aus Cham. Foto: Schröpf
War als Auszeichnung für ihre ehrenamtliche Arbeit eingeladen: Sylvia Mühlbauer aus Cham. Foto: Schröpf

Die Oberpfälzerin Sylvia Mühlbauer hatte die Einladung nach Schleißheim ihrem großen sozialen Engagement zu verdanken. Am Fraunhofer-Gymnasium in Cham ist sie bei der Mittagsbetreuung von Ganztagsschülern der fünften, sechsten und siebten Jahrgangsstufe im Einsatz – was dem örtlichen CSU-Mann Gerhard Hopp auffiel, der das gute Werk dem Landtag meldete. Mühlbauer revanchierte sich bei der Landtagspräsidentin mit einem „sakrischen Vergelt‘s Gott“. Die Chamerin sinnierte in Schleißheim bereit über die nächste gute Idee nach: Wie Ganztagsschüler mit staatlicher Förderung frisches Obst bekommen können. Das fehlt bisher oft im Angebot.

Ministerpräsident steht im Gegenwind

Ministerpräsident Markus Söder kam mit seiner Frau Karin Foto: dpa
Ministerpräsident Markus Söder kam mit seiner Frau Karin Foto: dpa

Es war das erste Sommerfest von Markus Söder als Ministerpräsident – überschattet allerdings vom Dauerstreit in der großen Koalition in Berlin und der Lage der CSU in Bayern. Söder war von Journalisten umringt und mehr damit beschäftigt, Fragen zur Asylpolitik zu beantworten, statt den Abend unbeschwert zu genießen. Die dunklen Wolken am Himmel hatten fast symbolhafte Züge. Auf die Frage nach seiner Wetterfestigkeit gab Söder sich locker. „Ich muss alle Wetterformen aushalten. Ich bin sehr wetterfest“, sagte er.

Füracker „politisiert“ nicht

Der bayerische Finanzminister und Oberpfälzer CSU-Chef Albert Füracker. Foto: Schröpf
Der bayerische Finanzminister und Oberpfälzer CSU-Chef Albert Füracker. Foto: Schröpf

Schlechte Umfragewerte für die CSU? Der Finanzminister und Oberpfälzer CSU-Chef Albert Füracker blendet das in Schloss Schleißheim ein wenig aus. „Heute wird nicht politisiert“, sagte er. Das ändert sich am Wochenende beim Oberpfälzer CSU-Parteitag in Amberg, zu dem auch Ministerpräsident Markus Söder erwartet wird. Füracker ist übrigens in Schloss Schleißheim in gewisser Weise Hausherr. Denn zu seinem Finanzressort gehört auch die Schlösserverwaltung mit 45 prächtigen Gebäuden – von Neuschwanstein bis Herrenchiemsee.

Grüne diagnostizieren geknickte CSU

Der Regensburger Grünen-Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol mit Anne Toman, die bei der Landtagswahl im Herbst auf Platz 2 der Grünen-Liste für die Oberpfalz kandidiert. Foto: Schröpf
Der Regensburger Grünen-Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol mit Anne Toman, die bei der Landtagswahl im Herbst auf Platz 2 der Grünen-Liste für die Oberpfalz kandidiert. Foto: Schröpf

Die CSU gab sich in Schleißheim nach außen taff: Der Regensburger Grünen-Politiker Jürgen Mistol registrierte allerdings eine deutlich gedämpfte Stimmungslage. „Sie sind so still und ziemlich verunsichert“, lautet sein Resümee. Mistol ist Spitzenkandidat der Grünen in der Oberpfalz. Beim Feiern in Schleißheim war auch Anna Toman aus Bärnau (Lkr. Tirschenreuth) dabei – sie besetzt auf der Liste Platz 2. Bleibt die CSU geschwächt, rechnet sie sich gute Chancen aus, mit Mistol ins Maximilianeum einzurücken. „Momentan sieht es nicht schlecht aus.“

Vizepräsidentin in Feierlaune

Bezirkstagsvizepräsidentin feierte am Tag des Sommerempfangs Geburtstag. Foto: Schröpf
Bezirkstagsvizepräsidentin feierte am Tag des Sommerempfangs Geburtstag. Foto: Schröpf

Feierlaune bei Inge Aures – und das aus gutem Grund. Das Sommerfest fiel mit ihrem 62. Geburtstag zusammen, der deshalb dieses Mal quasi mit 3000 Gästen stattfand. Aures ist Fränkin durch und durch, eine wortgewaltige SPD-Frau und Landtagsvizepräsidentin: „Sehr schön“, fand sie das Ambiente an ihrem Ehrentag. Das schönste Geschenk des Tages sei für sie aber die Nachricht von der erfolgreichen Höhlenrettung des jungen Fußballteams in Thailand gewesen.

Stammgast mit besten Wünschen

Der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes, Peter Küspert, mit seiner Ehefrau Hildegard. Foto: Schröpf
Der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes, Peter Küspert, mit seiner Ehefrau Hildegard. Foto: Schröpf

Der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes, Peter Küspert, und seine Frau Hildegard, zählen schon zu den Stammgästen in Schleißheim. „Das schönste Sommerfest, das es in Bayern gibt“, schwärmte Küspert und rühmte die wunderbare Kulisse aus Schloss und Schlosspark. Auch Gastgeberin Barbara Stamm lobte er in höchsten Tönen. „Sie ist eine hervorragende Landtagspräsidentin und kann das hoffentlich auch weiter bleiben“, sagte er mit Blick auf die noch unklare Zusammensetzung des Parlaments nach der Landtagswahl. Er wünsche sich sehr, dass Stamm an Bord bleibe. Das blieb an diesem Abend sein einziger Kommentar zur politischen Großwetterlage.

SPD-Frau mit Überblick

Oberpfälzer plus Schwabe: (v.l.) der Chamer CSU-Landtagsabgeordnete Gerhard Hopp, die frühere Regensburger Oberbürgermeisterin Christa Meier (SPD), Andrea Löffler, der CSU-Landtagsfraktionschef und Kemptener Thomas Kreuzer sowie der Oberpfälzer Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Foto: Schröpf
Oberpfälzer plus Schwabe: (v.l.) der Chamer CSU-Landtagsabgeordnete Gerhard Hopp, die frühere Regensburger Oberbürgermeisterin Christa Meier (SPD), Andrea Löffler, der CSU-Landtagsfraktionschef und Kemptener Thomas Kreuzer sowie der Oberpfälzer Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Foto: Schröpf


Die frühere Regensburger Oberbürgermeisterin und SPD-Politikerin Christa Meier war schon beim ersten Sommerempfang des Landtags 1979 dabei. Damals war sie noch Abgeordnete im Maximilianeum. „Früher war es viel elitärer. Das hat sich völlig gewandelt“, sagt die 76-Jährige. Ein bisschen Schauflaufen gehörte aber schon in den frühen Jahren dazu – ebenso die Chance, zum Kontakte pflegen und alte Bekannte wiederzutreffen. Das funktioniert parteiübergreifend, wie sich beim kurzen Fototermin mit der Mittelbayerischen Zeitung an diesem Tag zeigt. Meier wird flankiert vom Oberpfälzer Bezirkstagspräsidenten Franz Löffler (CSU) und seiner Frau Andrea sowie dem Chamer CSU-Landtagsabgeordneten Gerhard Hopp – spontan gesellt sich mit CSU-Landtagsfraktionschef Thomas Kreuzer auch ein Schwabe hinzu. Politik, Kultur, Handwerk, Wirtschaft, Sport und Ehrenamt: die ganze Vielfalt sei in Schleißheim präsent, sagte Löffler. „Da merkt man, welche Kraft dieses Land hat.“

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Sommerempfang

  • Tradition:

    Der Sommerempfang in Schloss Schleißheim hat eine bald 30 Jahre alte Tradition. Etabliert wurde er Ende der 1970er Jahre vom damaligen Landtagspräsidenten Franz Heubl, der die Idee von einem Besuch in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn mitgebracht hatte.

  • Bürgerfest:

    War der Kreis der Geladenen anfangs noch klein, umfasst die Gästeliste jetzt rund 3000 Namen. Landtagspräsidentin Barbara Stamm hat aus dem Empfang quasi ein Bürgerfest gemacht. Jedes Jahr wird gezielt ein spezieller Personenkreis eingeladen. Dieses Jahr sind es Bürger, die sich um Menschen mit psychischer Behinderung kümmern.

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