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JU bringt Weber als Kanzler ins Spiel

Beim Kampf um EU-Kommissionsvorsitz ist Manfred Weber aus dem Rennen. Der Oberpfälzer JU-Chef Doleschal sieht neue Optionen.
Von Christine Schröpf

Er kann auch Kanzler sagt JU-Bezirkschef Christian Doleschal über Manfred Weber. Foto: dpa
Er kann auch Kanzler sagt JU-Bezirkschef Christian Doleschal über Manfred Weber. Foto: dpa

Brand.Rückenwind für die Bewerbung um den Landesvorsitz in acht Wochen beim JU-Landesparteitag in Neumarkt: Die Junge Union Oberpfalz bestätigt den Europaabgeordneten Christian Doleschal am Samstag mit 97,6 Prozent als Bezirkschef. Ein Ergebnis von „85 plus“ hatte er sich selbst als Messlatte gelegt. Seine Bewerbung um die Nachfolge des amtierenden JU-Landesvorsitzenden Hans Reichhart machte er danach offiziell. Doleschal werden gute Erfolgsaussichten zugeschrieben. „Er hat sehr, sehr gute Chancen“, sagt der Oberpfälzer CSU-Chef und bayerische Finanzminister Albert Füracker. Doleschal zähle zu den Zukunftstalenten der Partei. Er wäre auch der erste Oberpfälzer seit Markus Sackmann, der an die JU-Spitze aufrückt.

Ob und welche Gegenkandidaten es beim Kampf um den JU-Landesvorsitz gibt, ist allerdings noch unklar. Der JU-Landesvorsitz gilt als Sprungbrett: Auch Regierungschef Markus Söder und der CSU-Vize und Europapolitiker Manfred Weber hatten den Posten schon inne. Doleschal läuft sich beim JU-Bezirkstreffen für künftige Aufgaben warm: Er fordert mehr Tempo und Coolness von der CSU, kritisiert Kanzlerin Angela Merkel und macht einen überraschenden Personalvorschlag.

„Wer kurz davor war, Kommissionspräsident zu werden, kann alles, im Zweifel auch Kanzler.“

Christian Doleschal über Manfred Weber

Doleschal ist 31 Jahre alt. Den Oberpfälzer JU-Bezirksvorsitz hatte er vor siebeneinhalb Jahren übernommen. Erst im Mai war er in das Europaparlament gewählt worden. Der jüngste EU-Posten-Poker der Regierungschef, bei dem EVP-Spitzenkandidat Weber auf der Strecke blieb, sorgt nicht nur bei ihm für deutliche Ernüchterung, er wirkt auch bei den Parteitagsdelegierten nach. „Unser Kommissionspräsident der Herzen ist und bleibt Manfred Weber“, sagt Matthias Grundler, JU-Kreisvorsitzender aus Tirschenreuth. Der Oberpfälzer Landtagsabgeordnete Tobias Reiß, der das Geschacher öffentlich scharf kritisiert hatte, berichtet von viel Zuspruch in seinem Stimmkreis.

Doleschal bringt Weber für künftige hohe Aufgaben ins Spiel. „Wer kurz davor war, Kommissionspräsident zu werden, kann alles, im Zweifel auch Kanzler“, sagt er. Füracker mahnt ein wenig: Bei allem Ärger über die „suboptimalen“ Vorgänge in Brüssel dürfe nicht vergessen werden, dass Weber in der zweiten Hälfte der Legislatur das Amt des EU-Parlamentspräsidenten übernehmen soll. „Wir dürfen nicht so tun, als sei das gar nichts. Das ist eine wichtige Aufgabe.“

Meinung

Ein EU-Poker mit vielen Verlierern

Enttäuschte Wähler, düpierte Kandidaten, ein brüskiertes Parlament – und ein Strippenzieher Macron, der sich selbst verzwergt

Von der Leyen ist für die Wahl an die Kommissionsspitze auf die Wahl durch das Parlament angewiesen. Doleschal lässt am Samstag offen, ob die CDU-Frau seine Stimme bekommen wird. Er stellt konkrete Zusagen für eine Demokratisierung der EU und für das sogenannten Spitzenkandidaten-Modell als Bedingung. „Damit so etwas wie jetzt, nicht mehr wieder passieren kann.“ Die Hinterzimmerpolitik habe Europa um Jahrzehnte zurückgeworfen. Die Wähler in Bayern fühlten sich in besonderer Weise betrogen - hier seien viele zur Abstimmung gegangen, weil sie sich Weber an der Kommissionsspitze gewünscht hätten. Doleschal verweist auf den Stimmenzuwachs für die CSU auch in der Oberpfalz von rund 150 000 bei der Europawahl 2014 auf nun 227 000.

Doleschal will CSU mit Selbstironie

Der CSU-Europaabgeordnete Christian Doleschal. Foto: Berli Berlinski
Der CSU-Europaabgeordnete Christian Doleschal. Foto: Berli Berlinski

Jenseits des Weber-Effekts sieht Doleschal die CSU vor schwierigen Zeiten. Das Ansehen der Union bei den Wählern sei beschädigt - nicht erst seit dem „Sommertheater“ zwischen Seehofer und Merkel im vergangenen Jahr. Der eigenen Partei attestiert er, zu schwerfällig auf kontroverse öffentliche Debatten zu reagieren. Als Beispiele nennt er am Samstag das Polizeiaufgabengesetz, die EU-Urheberrechtsform und das Rezo-Video.

Der Oberpfälzer CSU-Chef Alber Füracker (3.v.l.) mit dem neu gewählten Oberpfälzer JU-Vorstand: Christian Doleschal (2.v.r.) bleibt Vorsitzender. Seine Vizes sind (v.l.) Michael Mertel, Severin Hirmer, Matthias Meier und Teresa Ehl.
Der Oberpfälzer CSU-Chef Alber Füracker (3.v.l.) mit dem neu gewählten Oberpfälzer JU-Vorstand: Christian Doleschal (2.v.r.) bleibt Vorsitzender. Seine Vizes sind (v.l.) Michael Mertel, Severin Hirmer, Matthias Meier und Teresa Ehl.

Per Parteitagsantrag fordert die JU Oberpfalz, dass in der CSU-Landesleitung ein „Brisanz-Radar“ installiert wird. Ein Team aus zwei Personen soll permanent sicherstellen, dass auch die sozialen Netzwerke entsprechend durchforstet und rasch politische Gegenstrategien entworfen werden. Dabei sei mehr Selbstironie und Coolness gefragt, sagt Doleschal. Er verspricht, dass die JU „cooler, mutiger und lauter“ wird. Er kritisiert den Stil der Kanzlerin, die seit ihrem Amtsantritt für eine Politik der kleinen Schritte stehe. „Das Wegducken vor Themen ist nicht mehr zeitgemäß.“

Beim JU-Bezirksparteitag wird am Samstag der komplette Vorstand neu bestimmt. Als Vizes gewählt sind Teresa Ehl (Regensburg-Land), Severin Hirmer (Neustadt/WN), Matthias Meier (Schwandorf) und Michael Mertel (Amberg-Sulzbach).

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