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„Oettinger-Moment“ für Aiwanger

Akzentfrei Englisch sprechen nur wenige Deutsche. Günther Oettinger kann ein Lied davon singen – Hubert Aiwanger jetzt auch.

Dorothee Bär (CSU, r.), Staatsministerin für Digitalisierung, und Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Vize-Ministerpräsident Foto: Sven Hoppe/dpa
Dorothee Bär (CSU, r.), Staatsministerin für Digitalisierung, und Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Vize-Ministerpräsident Foto: Sven Hoppe/dpa

München.Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat am Sonntag mit einer Rede auf Englisch bei der Gründermesse „Bits & Pretzels“ einigen Wirbel verursacht. Für seinen Mut wurde er gefeiert, für seinen heftigen bayerischen Akzent allerdings belächelt. Von Jan Böhmermann wurde er sogar ausgelacht. „Peinlich“, schrieb der Moderator auf Twitter. „Richtigen Superlachflash bei Hubert Aiwangers Alpha-Rede vorhin bekommen. RICHTIGE Beömmelung in Reihe 1!“

Aiwanger las sein Grußwort zum Auftakt des hippen Start-Up-Festivals konzentriert und langsam ab und schien sich nicht ganz leicht damit zu tun. Sein niederbayerischer Akzent, für den er berühmt ist, kam auch im Englischen deutlich durch. Applaus brandete nach der einige Minuten langen Ansprache auf. „Du hast es geschafft“, rief jemand aus dem Publikum.

Amüsierte Unruhe machte sich im Publikum breit – und auch auf Twitter meldeten sich Messe-Teilnehmer unter dem Veranstaltungs-Hashtag #BITS19 zu Wort: „Ein Wirtschaftsminister oder Comedian? Alle Klischees perfekt bedient inklusive Bavarian English“, schrieb einer.

Aiwanger nimmt Reaktionen mit Humor

Aiwanger selbst nahm die Reaktionen auf seine Rede mit Humor. Die gesamte Gründermesse sei auf dem bayerischen Klischee aufgebaut. „Da wäre es ein Stilbruch, in feinem, näselndem Englisch statt mit bayerischem Dialekteinschlag zu eröffnen“, erklärte er kurz nach seinem Auftritt der Deutschen Presse-Agentur. Ähnlich äußerte er sich später auch bei Twitter.

„Ein Oettinger-Moment. Bayerns Wirtschaftsminister versucht English zu reden“, hieß es dagegen von anderen Nutzern auf Twitter. Oder noch deutlicher formulierte es ein Journalist: „Seit Günther Oettinger nicht mehr so fremdgeschämt für eine englischsprachige Rede eines deutschen Politikers wie heute für das Eröffnungsgrußwort des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger (...)“.

Auch der im Herbst scheidende deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) hatte mit seinem schlechten Englisch einst Schlagzeilen gemacht. Auf derartiges Glatteis begab sich der inzwischen verstorbene, damals designierte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) 2009 gar nicht erst und weigerte sich, die Frage eines Journalisten der britischen BBC auf Englisch zu beantworten. Vor Negativ-Schlagzeilen verschonte ihn das nicht.

Aiwanger stiehlt Obama die Show

Bei dem Wirbel um die Art von Aiwangers Vortrag ging der Inhalt fast unter. Der Minister präsentierte die Initiative „Gründerland Bayern“, die es Firmengründern künftig leichter machen soll, im Freistaat Fuß zu fassen und die Informationen rund um Finanzierung und Förderung sowie Kontakt zu Ansprechpartnern bietet. Nach Aiwanger trat der frühere US-Präsident Barack Obama bei dem Start-Up-Festival auf. „Wenn Hubert #Aiwanger einfach mal Barack #Obama die Show stiehlt“, kommentierte ein Twitterer.

Auf die Frage, ob er auch in „feinem, näselndem Englisch“ sprechen könne, schrieb Aiwanger der Deutschen Presse-Agentur: „Liegt mir nicht, aber ich könnte es nachahmen.“

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