MyMz

Ehrung

Schuierer: WAA-Ehre gebührt vielen

Bayerns Grüne würdigen die Widerstandskraft von Hans Schuierer im WAA-Kampf. Er teilt die Ehre sofort mit allen Mitstreitern.
Von Christine Schröpf

Sepp-Daxenberger-Preis für den Schwandorfer-Altlandrat Hans Schuierer. Die Grünen-Landesvorsitzende Sigi Hagl hatte den Preisträger als Jury-Vorsitzende mitausgewählt. Foto: Christine Schröpf
Sepp-Daxenberger-Preis für den Schwandorfer-Altlandrat Hans Schuierer. Die Grünen-Landesvorsitzende Sigi Hagl hatte den Preisträger als Jury-Vorsitzende mitausgewählt. Foto: Christine Schröpf

München.Der Kampf gegen den Bau einer atomraren Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf hat den Schwandorfer Alt-Landrat Hans Schuierer berühmt gemacht. Der SPD-Politiker trotzte dem damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, ließ sich auch von einer Dienstaufsichtsbeschwerde nicht einschüchtern. Vor 30 Jahren wurde die WAA auch wegen der breiten Bürgerprotesten schließlich gecancelt worden – pünktlich zum Jahrestag erhielt Schuierer nun wegen seines beispielhaften politischen Lebenswerks eine neue Auszeichnung. Der Sepp-Daxenberger-Preis der bayerischen Grünen würdigt eine Widerstandskraft, die die bayerische Staatskanzlei fast zum Verzweifeln brachte.

„Ich war einer von Tausenden, die damals in Wackersdorf waren.“

Alt-Landrat Hans Schuierer

Bei der Pressekonferenz am Montagmittag in der Münchner Grünen-Zentrale wiegelt Schuierer bescheiden ab. „Sie haben mich in Verlegenheit gebracht mit ihrer Lobeshymne“, sagt er zur Grünen-Landesvorsitzenden Sigi Hagl, die ihn zuvor ein „Symbol für friedlichen Widerstand“, einen „Pionier des Atomausstiegs“ und einen „Kommunalpolitiker mit Courage“ genannt hatte. Das Scheitern der WAA sei ein Verdienst vieler, sagt der 88-Jährige. Der Preis gebühre damit auch seinen Mitstreitern. „Ich war einer von Tausenden, die damals in Wackersdorf waren.“ Auch das Etikett Pionier passe nicht auf ihn. Er sei eher ein „Spätberufener“ gewesen, weil er zunächst – auch wegen der Aussicht auf mehrere tausend neue Arbeitsplätze für die Region – Strauß und seiner Staatsregierung vertraut habe. Stutzig wurde er bekanntlich erst, als er von dem 200 Meter hohen Kamin der Anlange erfuhr, der Schadstoffe weiträumig verteilen sollte. Der Rest ist Geschichte: Schuierer organisierte einen bundesweiten Widerstand. „Wir müssen stark werden, dass die Polizei nicht mehr mit uns fertig wird“, sei dabei seine Strategie gewesen. Im Rückblick sei der Kampf um die WAA nicht nur ein Beispiel dafür, wie der Staat nicht mit Bürgern umgehen dürfe, sagt Schuierer. Es habe sich damals auch gezeigt, was Bürger, die zusammenstehen, in einer Demokratie erreichen können.

Sepp-Daxenberger-Preis

  • Grünen-Gütesiegel:

    Der Sepp-Daxenberger-Preis erinnert an den früheren bayerischen Grünen-Vorsitzenden. Der populäre Politiker war 2010 an einer Krebserkrankung gestorben. Die Auszeichnung, die alle zwei Jahre vergeben wird, soll zu einer Politik ermuntern, die den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und die Bewahrung gesellschaftlicher Werte in den Mittelpunkt rückt.

  • Frühere Preisträger:

    2017 erhielt die unterfränkische Pfarrerin Doris Otminghaus den Preis für ihr Engagement beim Kirchenasyl. 2015 wurden die Erzeugergemeinschaft „Die Biohennen“ für den Erhalt bäuerlicher Landwirtschaft ausgezeichnet. 2013 würdigten die Grünen die Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München für ihren Einsatz gegen Rechts. 2011 wurde Karl-Heinz Bablok für seinen Kampf gegen die Agrogentechnik ausgezeichnet.

Hagl protestierte damals selbst am Bauzaun. Auch Daxenberger war dort, erzählt sie. Er wurde Jahre später in Waging am See zum ersten grünen Bürgermeister Bayerns gewählt, war auch sechs Jahre grüner Landesvorsitzender. 2010 starb er an Knochenmarkkrebs. Der Preis soll die Erinnerung an Daxenbergers eigenen Einsatz für die Umwelt und für gesellschaftliche Werte wach halten. Hagl sieht Daxenberger, Schuierer wie auch aktuelle Protestbewegungen im Freistaat auf einer Linie. Ziviler Widerstand sei lebendiger denn je, sagt sie mit Verweis auf Demonstrationen gegen das bayerische Polizeiaufgabengesetz im Jahr 2018 oder Fridays-for-Future-Aktionen in diesem Jahr.

Die Grünen-Vorsitzende mit der Sepp-Daxenberger-Trophäe, die vom Landesverband alle zwei Jahre vergeben wird. Foto: Christine Schröpf
Die Grünen-Vorsitzende mit der Sepp-Daxenberger-Trophäe, die vom Landesverband alle zwei Jahre vergeben wird. Foto: Christine Schröpf

Hagl appelliert am Montag an die Staatsregierung endlich die „Lex Schuierer“ außer Kraft zu setzen – es handelt sich dabei um ein Selbsteintrittsrechts der Aufsichtsbehörde, im WAA-Kampf eigens wegen des Schwandorfer Landrats installiert, damit Weisungen ungeachtet seiner Weigerungen vollzogen werden konnten.

Der Sepp-Daxenberger-Preis ist mit 2000 Euro dotiert. Schuierer will das Geld für ein Umweltprojekt spenden. Er erzählt, dass er sich als Landrat oft für Umweltschutz stark gemacht habe. Ein Autorennen zwischen Bodenwöhr und Neukirchen-Balbini sei in seiner Zeit verboten worden. „Ein Blödsinn ersten Ranges.“ Ein traditionelles Truckertreffen und ein Bulldog-Oldtimertreffen im Landkreis habe bürgerschonende Auflagen erhalten.

Energie

Seehofer stützt Trassengegner

Bundesinnenminister stellt die Juraleitung P53 auf den Prüfstand und ermuntert Bürgerinitiativen zum friedlichen Widerstand.

Auf die Frage, ob er vielleicht ein verkappter Grüner sei, schüttelt der SPD-Mann allerdings den Kopf. „Ich bin seit 72 Jahren bei der SPD und halte sie heute noch für äußerst wichtig.“ Er rät der bayerischen SPD aber, sich stärker um Umweltfragen zu kümmern, so wie das früher der Fall gewesen sei. Die Grünen deklariert er als „Tochter der SPD“ – eine Abspaltung, die erfolgte, weil grüne Themen in der Sozialdemokratie zu wenig Raum gehabt hätten. Hagl stutzt, sieht das offensichtlich anders, bleibt aber am Montag gegenüber dem Preisträger nachsichtig. „Darüber müssen wir noch diskutieren“, sagt sie.

Weitere Nachrichten aus der bayerischen Landespolitik finden Sie hier!

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht