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Zweikampf an Spitze des Jagdverbandes

Der Verdacht der Vetternwirtschaft brachte Vocke ins Wanken. Nun stehen Nachfolger am Start – ein Oberpfälzer zog zurück.

Zwei Kandidaten ringen um den Vorsitz im bayerischen Jagdverband: der bisherige Vize, Thomas Schreder (l.) und der bayerische Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert, der auch von Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger „Schützenhilfe“ erhält. Foto: Daniel Karmann/Matthias Balk/dpa
Zwei Kandidaten ringen um den Vorsitz im bayerischen Jagdverband: der bisherige Vize, Thomas Schreder (l.) und der bayerische Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert, der auch von Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger „Schützenhilfe“ erhält. Foto: Daniel Karmann/Matthias Balk/dpa

Lindau.Nach mehr als einem Vierteljahrhundert wird in wenigen Wochen beim Bayerischen Jagdverband (BJV) eine Ära zu Ende gehen. Bei einer Versammlung in Lindau soll ein offizieller Nachfolger für Präsident Jürgen Vocke gewählt werden. Doch seinen Abschied hat sich der seit 1994 amtierende Jägerchef sicherlich anders vorgestellt. Seit Monaten wird gegen den früheren Finanzrichter von der Staatsanwaltschaft ermittelt. Vocke sieht sich Vorwürfen von finanziellen Unregelmäßigkeiten ausgesetzt. Seit Oktober lässt der 76-Jährige sein Amt ruhen, der BJV wird derzeit kommissarisch geführt.

Aiwanger trommelt für Weigert

Nachdem die Stimmung bei dem Verband wegen der Vorwürfe im Herbst aufgeheizt war, soll nun am 28. März beim diesjährigen Landesjägertag ein ganz neues Präsidium gewählt werden und so wieder Ruhe einkehren – wenngleich die Vorwürfe bislang nicht aufgeklärt sind. So wie es ausschaut, könnte es bei der Jahresversammlung am Bodensee auf einen Zweikampf um das Präsidentenamt hinauslaufen. Der langjährige Pressesprecher des Verbandes und Vizepräsident, Thomas Schreder, will sich als neuer Chef bewerben. Gegen ihn will der Freie-Wähler-Politiker Roland Weigert antreten – Staatssekretär im Ressort des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger, der sich für seinen Parteifreund in den vergangenen Wochen vielerorts stark gemacht hat.

Flierl gibt keine Wahlempfehlung ab

Der Oberpfälzer CSU-Abgeordnete Alexander Flierl zog von sich aus zurück. Foto: Bianca Liebermann
Der Oberpfälzer CSU-Abgeordnete Alexander Flierl zog von sich aus zurück. Foto: Bianca Liebermann

Mit dem Oberpfälzer CSU-Landtagsabgeordneten Alexander Flierl hatte sich vor ein paar Wochen ein dritter Kandidat selbst aus dem Rennen genommen, obwohl seine Chancen in der Jagdszene als durchaus gut eingeschätzt worden waren. Er habe sich den Entschluss nicht leicht gemacht, sagte Flierl. Es sei jedoch geboten, Ruhe und Stabilität in die auf Hochtouren laufende Diskussion zu bringen und keine falschen Erwartungen zu schüren. „Das geht zulasten der Würde des Amtes, deswegen sage ich auch ganz klar, dass ich darüber hinaus keine Wahlempfehlung für einen Kandidaten abgebe und auch nicht Teil eines der Teams anderer Kandidaten sein werde.“ Flierl will sich als BJV-Vorsitzender des Regierungsbezirks Oberpfalz im Präsidium einbringen – und natürlich im Landtag, unter anderem als Mitglied im Landwirtschaftsausschuss und als Berichterstatter für jagdpolitische Themen der CSU-Fraktion.

Strafanzeige kam aus dem Verband

Zu den Turbulenzen beim BJV war es gekommen, nachdem ein Funktionär gegen Vocke Strafanzeige erstattet hatte. Gegen den Noch-Präsidenten, der die Vorwürfe zurückgewiesen hat, wird nun wegen Verdachts der Untreue und Unterschlagung ermittelt. Laut Staatsanwaltschaft München I geht es um private Auslagen, den Dienstwagen und die Beschäftigung von Vockes Tochter bei einem BJV-nahen Unternehmen. Auch gegen den früheren Schatzmeister des Verbandes wird ermittelt.

„Das geht zulasten der Würde des Amtes, deswegen sage ich auch ganz klar, dass ich darüber hinaus keine Wahlempfehlung für einen Kandidaten abgebe und auch nicht Teil eines der Teams anderer Kandidaten sein werde.“

Der Oberpfälzer CSU-Abgeordnete Alexander Flierl bei seinem Verzicht auf die Kandidatur

Die Behörden durchsuchten die BJV-Geschäftsstelle in Feldkirchen bei München und beschlagnahmten Akten und Daten. Deswegen konnten die BJV-Mitglieder auch nicht abschließend über den Haushalt 2018 abstimmen, denn die dafür nötigen Unterlagen liegen bei den Ermittlern. Zudem will der BJV unabhängig von den Strafermittlungen die Verbandsfinanzen von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft durchleuchten lassen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die strafrechtliche Untersuchung bald abgeschlossen werden kann. Die Verteidigung habe kürzlich Akteneinsicht gehabt und erhalte jetzt Gelegenheit zur Stellungnahme, berichtete die Sprecherin der Anklagebehörde, Oberstaatsanwältin Anne Leiding.

Zwei Teams am Start

Im Herbst hatten die Jäger auf einer außerordentlichen Landesversammlung beschlossen, dass in Lindau über die Aufarbeitung möglicher Mängel berichtet werden soll und alle Präsidiumsmitglieder dann neu gewählt werden sollen. Etliche Bewerber haben sich seitdem gemeldet. Der einflussreiche Verband vertritt im Freistaat rund 160 Kreisgruppen und Jägervereine mit etwa 50 000 Mitgliedern.

Der Bayerische Jagdverband vertritt im Freistaat rund 160 Kreisgruppen und Jägervereine mit etwa 50 000 Mitgliedern. Foto: Felix Kästle/dpa
Der Bayerische Jagdverband vertritt im Freistaat rund 160 Kreisgruppen und Jägervereine mit etwa 50 000 Mitgliedern. Foto: Felix Kästle/dpa

Im Fokus steht nun bei der Neuwahl naturgemäß das Präsidentenamt. Auf der einen Seite hat Weigert, Staatssekretär im bayerischen Wirtschaftsministerium, zusammen mit Robert Pollner ein „Team Zukunft“ gegründet. Pollner wollte ursprünglich ebenfalls als Präsident kandidieren. Doch dann kamen beide überein, dass sie nicht gegeneinander antreten. Pollner soll nun unter einem Präsidenten Weigert einen Posten als Beisitzer erhalten, der aber ein Quasi-Generalsekretär ist. Auf der anderen Seite stehen Schreder und Schatzmeisterin Mechtild Michaela Maurer, die derzeit gemeinsam den Verband kommissarisch leiten. Schreder will vom Vize zum Präsidenten aufsteigen, Maurer möchte Landesschatzmeisterin bleiben.

Endet die CSU-Dominanz?

Die Präsidentenwahl hat auch eine gewisse parteipolitische Dimension. Denn eine Wahl Weigerts würde auch die jahrzehntelange CSU-Dominanz an der Spitze des Jagdverbandes beenden. Vocke war früher CSU-Landtagsabgeordneter, ebenso wie sein ähnlich lange amtierender Vorgänger Gerhard Frank. Auch Schreder ist bei den Christsozialen aktiv und hatte 2018 für den Landtag kandidiert, war aber nicht ins Maximilianeum eingezogen. (dpa/is)

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