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Wahl

Wer macht das Rennen in Nürnberg?

Daueramtsinhaber Ulrich Maly (SPD) tritt nicht mehr an. Viele Beobachter blicken am Sonntag besonders gespannt nach Nürnberg.
Von Nikolas Pelke

Ulrich Maly will, dass Thorsten Brehm ihm im Nürnberger Rathaus nachfolgt.  Foto: Ludwig Olah
Ulrich Maly will, dass Thorsten Brehm ihm im Nürnberger Rathaus nachfolgt. Foto: Ludwig Olah

Nürnberg.Ein Kopf-an-Kopf-Rennen wird bei den Wahlen am Sonntag in Nürnberg erwartet. Wer die Nachfolge des überraschend nicht mehr kandidierenden Amtsinhabers Ulrich Maly (SPD) antreten darf, scheint in der Frankenmetropole kurz vor dem Urnengang noch immer völlig offen zu sein. Auf die Unterstützung „von oben“ vertrauen die beiden aussichtsreichsten Kandidaten gleichermaßen.

CSU-Kandidat Marcus König setzt auf die Wahlkampfhilfe des zumal in seiner Heimatstadt beliebten Ministerpräsidenten Markus Söder. SPD-Anwärter Thorsten Brehm zeigt sich gerne mit dem noch immer populären Oberbürgermeister Ulrich Maly.

Ministerpräsident Markus Söder unterstützt Markus König im Wahlkampf. Foto: Holger Krömer
Ministerpräsident Markus Söder unterstützt Markus König im Wahlkampf. Foto: Holger Krömer

Inhaltlich kämpfen sowohl CSU-Kandidat König als auch SPD-Kandidat Brehm um die politische Mitte. Der 38-jährige König will nach 18 Maly-Jahren „nicht alles anders, aber vieles besser“ machen. Der gelernte Bankkaufmann und amtierende Fraktionsvorsitzende versucht mit vorsichtiger Kritik am scheidenden Maly zu punkten. „Verwalten reicht nicht mehr. Wir müssen gestalten“, sagt König und wird dabei nicht müde zu betonen, dass die Konservativen durch den Maly-Rückzug nun „die einmalige Chance“ hätten, den Oberbürgermeister in der ehemaligen Arbeiterstadt und traditionellen SPD-Hochburg nach langer Durststrecke erneut zu stellen.

Brehm setzt auf Kontinuität

SPD-Kandidat Thorsten Brehm setzt dagegen logischerweise auf Kontinuität. Besonders häufig beschwört Brehm wie Maly den „gesellschaftlichen Zusammenhalt“, den der 35-jährige Sozialwirt an der Spitze einer multikulturellen Großstadt aufrecht erhalten wolle. Neue Akzente versucht Brehm beim Klimaschutz mit der Forderung nach mehr Radwegen und einem 365-Euro-Jahresticket für den Nahverkehr zu setzen. Dummerweise unterscheiden sich Brehm und König beim Thema Mobilität kaum. Denn selbstverständlich verspricht auch die CSU, mit König im Rathaus den Nahverkehr stärken zu wollen.

Nürnberg-Wahlen

  • Ausgangslage:

    Mit seinem überraschenden Rückzug nach drei Amtsperioden hat der 59-jährige Ulrich Maly (SPD) den Urnengang überhaupt erst wieder so richtig spannend gemacht.

  • Kandidaten:

    Thorsten Brehm (SPD), Marcus König (CSU) und Verena Osgyan bilden das Trio mit den wohl mit Abstand größten Chancen in dem Nürnberger Kandidatenfeld.

Wie wenig der Verkehr als Wahlkampfthema taugt, zeigt sich allein daran, dass sich König und Brehm mitten im Wahlkampf auf einen gemeinsamen Investitionsplan für neue Radwege verständigt haben. Nur die Grünen hat bei dem „Pakt“ nicht gemacht, die Radwege aus dem Wahlkampf etwas herauszuhalten.

Überhaupt setzt die grüne OB-Kandidatin Verena Osgyan bei in Nürnberg wichtigen Themen wie dem seit Jahrzehnten geforderten kreuzungsfreien Ausbau des Frankenschnellweges auf einen deutlichen Kollisionskurs. Die geplante Tunnel-Lösung für die Stadtautobahn ist der 48-jährigen Landtagsabgeordneten viel zu teuer. „Ich bin mir sicher, dass wir die Milliarden-Grenze bei den geplanten Baukosten noch reißen werden“, hat Osgyan ihre ablehnende Haltung zu dem von SPD und CSU befürworteten Verkehrsprojekt begründet und stattdessen einen kostengünstigere Variante mit kürzerer Bauzeit ins Spiel gebracht.

Kandidaten in Nebenrollen

Eine Nebenrolle im Nürnberger Wettrennen wird anderen Kandidaten wie Jürgen Dörfler von den Freien Wählern eingeräumt. Eher nur Außenseiterchancen werden auch OB-Kandidaten wie Roland Hübscher (AfD), Ümit Sormaz (FDP) und Christian Rechholz (ÖDP) im Wettstreit um die Maly-Nachfolge zugetraut.

Eine Hauptrolle könnten dagegen die unterschiedlichen Wahlkampfbudgets der Kandidaten spielen. Die SPD soll rund eine Millionen Euro in der Wahlkampfkasse haben, kolportieren die Konkurrenten und beklagen sich teilweise mehr oder weniger offen darüber, mit rund 300 000 Euro (CSU), 120 000 Euro (Grüne) sowie 50 000 Euro (FW) nach eigenem Bekunden viel weniger Geld zur Verfügung zu haben.

Auf der Zielgeraden im bevorstehenden Endspurt könnte auch der Ausbruch des Coronavirus an Bedeutung gewinnen. Eine Wahlveranstaltung mit Ministerpräsident Markus Söder und CSU-Kandidat König im größten Kino der Stadt ist am Dienstagabend bereits vorsichtshalber abgesagt worden.

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