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Bundestagswahl 2017
Donnerstag, 26. April 2018 16° 2

Politik

Zehn Prozent mehr haben gewählt

Die Bundestagswahl brachte im Landkreis Cham einige herbe Niederlagen – aber auch starke Gewinne. Eine Analyse.
Von Martin Hladik

Die Wahlhelfer im Chamer Rathaus hatten beim Auszählen der Stimmen alle Hände voll zu tun. Foto: Schiedermeier

Cham.Mit einer Quote von 74,29 Prozent haben sich die Wähler des Landkreises an der Bundestagswahl beteiligt. Das ist deutlich über den 64,32 Prozent bei der letzten Bundestagswahl. Die meisten Wähler haben die Parteien in Lam mit 87,23 Prozent mobilisiert; gefolgt von Orten wie Tiefenbach und Treffelstein, aber auch Zell und Rettenbach im Landkreis-Westen. Eine niedrigere Wahlbeteiligung gibt es beispielsweise in Städten wie Roding, Furth und Bad Kötzting. Die niedrigste Wahlbeteiligung war diesmal in Hohenwarth mit 68,1 Prozent.

Karl Holmeier – der Stimmenkönig

Karl Holmeier


Mit 48,5 Prozent hat Karl Holmeier das beste Erststimmenergebnis in der Oberpfalz und Niederbayern eingefahren. Damit dürfte ihm sogar ein Platz unter den Top-10-Stimmergebnissen in Bayern gelungen sein. Das beste Stimmenergebnis im Landkreis hat er in Treffelstein mit 68,54 Prozent, gleich gefolgt von seinem Heimatort Weiding mit 68,27 Prozent. Zum Vergleich: 2013 hatte Holmeier in Weiding noch 77,8 Prozent. Sein schlechtestes persönliches Ergebnis hat Holmeier in Hohenwarth. Insgesamt liegt er im Wahlkreis aber rund sieben Prozent vor dem Ergebnis der CSU.

Marianne Schieder – Gehalten

Marianne Schieder


Mit 24,2 Prozent im Wahlkreis hat sich Marianne Schieder vergleichsweise auf dem Stand von 2013 gehalten. Dennoch muss sie das Ergebnis ihrer Partei sehr schmerzen. Die rutschte auf 16,2 ab und liegt damit klar hinter der AfD mit 17,4 Prozent. Im Landkreis Cham fährt Schieder ihre besten Ergebnisse im 20-Prozent-Bereich in Arrach, Grafenwiesen und Runding ein. Interessanter sind die Orte, an denen sie schlecht abschneidet. Dort ist entweder Karl Holmeier stark, wie in Weiding, oder der Kandidat der FW, Frank Aumeier, wie in Rettenbach, wo Schieder mit 8,44 Prozent auf ihr schlechtestes Ergebnis kommt.

AfD – die zweite Kraft

Platz 2 im Landkreis Cham – die AfD


Auch ohne einen eigenen Bundestagskandidaten und hauptsächlich mit Plakat-Wahlkampf hat es die AfD mit 17,37 Prozent der Zweitstimmen im Wahlkreis zum zweitbesten Ergebnis gebracht und damit sogar die SPD überflügelt. Im Landkreis Cham schafft es die AfD sogar knapp über die 18 Prozent und liegt damit deutlich über dem Bundesergebnis mit 11,5 Prozent. Sie legt damit um fast 15 Prozentpunkte gegenüber der Bundestagswahl 2013 zu. Ihre Chamer Wahlhochburgen sind klar im östlichen Landkreis. Mit 26,84 Prozent hat die AfD in Arrach ihr bestes Ergebnis. Im 20-Prozent-Turm ist sie aber auch in Eschlkam, Furth, Grafenwiesen, Hohenwarth, Lam, Lohberg, Neukirchen, Rimbach und Weiding. Letzters dürfte insbesondere den Weidinger Karl Holmeier (CSU) ärgern. In der Landkreismitte weist nur Traitsching ein 20-Prozent-Ergebnis für die AfD auf. Schwächere Ergebnisse, aber immer zweistellig hat die AfD im Landkreiswesten und einigen CSU-Hochburgen.

Lesen Sie hier: Warum votierte fast jeder fünfte Chamer rechts-außen? Acht Bürger aus dem Landkreis stellen sich diese Frage.

Kommentar

Bitte – verhindern Sie das!

Die Sätze fielen in Berlin. Weit weg. Und doch sind sie nach diesem Wahlabend mit seinem dramatischen Ergebnis für die etablierten Parteien auch im Landkreis...

Das Wahlprogramm streikte

Rund eineinhalb Stunden später als bei der Bundestagswahl 2013 lagen diesmal die Ergebnisse im Landkreis Cham vor. Gab es bei der Wahl 2013 das letzte Ergebnis kurz nach 20 Uhr, lag das letzte Ergebnis laut Landratsamt Cham heuer gegen 21.30 Uhr vor. Sichtbar für die Öffentlichkeit war es jedoch erst viel später, da gegen 21.45 Uhr im Internet immer noch kein Ergebnis für Waldmünchen angezeigt wurde. Die Verzögerungen lagen an massiven und letztlich nicht erklärbaren Problemen mit dem Wahlprogramm. Die ersten 33 Stimmbezirke wurden ganz problemlos eingepflegt, berichtet Klaus Zeiser, Leiter der Wahlabteilung im Landratsamt. „Dann haben wir festgestellt, dass das System immer langsamer wurde, bis gar nichts mehr ging.“ Das hatte unter anderem zur Folge, dass die Gemeinden nicht mehr ihre Ergebnisse ans Landratsamt melden konnten. Die EDV-Abteilung des Landratsamtes konnte allerdings keinen Fehler finden, ebenso wenig die schnell eingeschalteten Experten des Programmanbieters AKDB. Letztlich musste das Programm komplett neu gestartet werden. Danach, so Zeiser, sei das Programm problemlos gelaufen. Das letzte Ergebnis stand gegen 21.30 Uhr im System.

Frank Aumeier – der Aufsteiger

Frank Aumeier


Mit 9,74 Prozent hat Frank Aumeier das Erststimmenergebnis der Freien Wähler im Wahlkreis verdoppelt und im Landkreis Cham mit 12,31 sogar noch mehr eingefahren. Ein herausragender persönlicher Erfolg für den Kandidaten, der entsprechend gefeiert wurde. Seine Hochburgen hat Aumeier in Rettenbach (24,73%), gefolgt von Willmering, Bad Kötzting und anderen Orten, in denen die Freien Wähler mit Ortsverbänden verankert sind. Schlecht schneidet Aumeier in CSU-Hochburgen wie Treffelstein und Tiefenbach ab. Sein schlechtestes Ergebnis hat er in Gleißenberg. In seinem Heimatort erreichte der Rechtsaußen-Einzelkandidat Ewald Ehrl 7,91 Prozent der Erststimmen.

Brey und Winklmann – Verdoppelt und verbessert

Marius J. Brey


Marius J. Brey kann einen guten persönlichen Erfolg einfahren. Sowohl er als auch seine Partei haben ihr Wahlkreisergebnis gegenüber 2013 verdoppelt. Besonders freuen dürfte ihn sein Abschneiden im Heimatort Chamerau mit 9,36 Prozent. Weitere Hochburgen Breys sind Cham, Furth und Rimbach. Die Grüne Tina Winklmann hat sich im Wahlkreis sowohl beim persönlichen Erststimmen- als auch beim Parteiergebnis gegenüber 2013 leicht verbessert. 3,88 Prozent sind ein Ergebnis mit dem die Grünen-Frau gut leben kann. Selbst im Landkreis Cham kann die Wackersdorferin dieses Niveau mit kleinen Abstrichen halten. Wo hat die Grüne im Landkreis besonders gut abgeschnitten? Ihr bestes Ergebnis holt Winklmann in Reichenbach mit 7,76 Prozent gefolgt von Rimbach und Bad Kötzting. In Reichenbach schneidet Winklmann sogar besser ab, als ihre Partei.

Tegtmeier und Scheingraber – Gewonnen und verloren

Ines Tegtmeier


Mit ihrer Partei der FDP hat Ines Tegtmeier einen satten Erfolg zu verbuchen. Sie kann das Erst-und Zweitstimmen Ergebnis ihrer Partei aus dem Jahr 2013 mehr als verdoppeln und erreicht bei den Erststimmen im Wahlkreis 4,65 und bei den Zweitstimmen 6,58 Prozent. Persönlich kann sie sich über ihr bestes Ergebnis in ihrem Heimatort Roding mit 7,57 Prozent freuen. Tatsächlich liegen viele Orte, an denen sie gut abschneidet im westlichen Landkreis. Aber auch in Kötzting, Eschlkam, Grafenwiesen und Lam hat sie Erststimmenergebnisse im Fünf-prozent-Bereich.

Mit seiner Persönlichkeit scheint Dr. Stefan Scheingraber überzeugt zu haben. Er erreicht mit 2,28 Prozent ein Vielfaches des ödp-Partei-Ergebnisses und auch mehr als der Kandidat der letzten Bundestagswahl. Aber 0,86 Prozent im Wahlkreis sind für die ödp schon ein herber Verlust.

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