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Ein Kaiser zwischen vielen Stühlen

Kaiser Franz Joseph I. erlitt viele Schicksalsschläge, regierte ein zerstrittenes Vielvölkerreich und spielte eine Schlüsselrolle im Ersten Weltkrieg.

Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916) Foto: dpa

Wien.Er war unzweifelhaft eine echte Majestät. Der Geschichte seines Hauses, den Konventionen, der als gottgegeben erachteten Aufgabe verpflichtet. Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916) ist vielen Deutschen dank der „Sissi“-Trilogie im Fernsehen vor allem als verliebter Ehemann von Kaiserin Elisabeth im Gedächtnis. Tatsächlich hat er seine höchst eigensinnige und unabhängige Ehefrau geschätzt und bewundert, auch wenn es eher eine Fernbeziehung als eine echte Lebensgemeinschaft war. Mit dem Einverständnis seiner Frau tröstete er sich mit der Burgschauspielerin Katharina Schratt, deren Haus unweit von Schloss Schönbrunn bequem zu erreichen war.

Als Franz Joseph 1848 in bewegter Zeit Kaiser wurde, war er unpopulär, versuchte die Zeit zurückzudrehen und als absoluter Herrscher zu regieren. Erst im Laufe seiner 68 Regierungsjahre gewann er den Beifall vieler seiner 50 Millionen Untertanen. Zuletzt waren es in der k.u.k-Monarchie zwölf Völker, die der Habsburger in seinem Reich vereinte. Seine große Gabe: Er versuchte, keines von ihnen zu bevorzugen, ein gerechter Herrscher für alle zu sein. Das galt auch für Minderheiten wie die Juden, die in der Monarchie einen geachteten Platz innehatten. Von Reformen hielt Franz Joseph nicht viel.

Zu den Markenzeichen des Kaisers zählten Pflichtbewusstsein, eifriges Aktenstudium, sein distanziertes Verhältnis zu Kultur und Literatur, seine Jagdleidenschaft und seine legendäre Höflichkeit, die in der Floskel mündete: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut.“ Viele Schicksalsschläge prägten sein Leben. Sein erstes Kind starb früh, sein Bruder wurde als Kaiser von Mexiko hingerichtet, sein Sohn Kronprinz Rudolf brachte sich um, seine Frau Sisi wurde ermordet, sein Neffe Franz Ferdinand beim Attentat in Sarajevo erschossen. „Mir bleibt auch nichts erspart“, sagte er dazu. (dpa)

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