MyMz

Parteien

Die Euphorie im Weber-Stammland

2500 Anhänger hat Manfred Weber schon vor dem ersten Wort erobert. Der Spitzenkandidat bleibt in Niederbayern „der Mane“.
Von Christine Schröpf

Die CSU feierte Manfred Weber, der vom österreichischen Kanzler Sebastian Kurz (r.) und von Ministerpräsident Markus Söder (2.v.l.) beim Wahlkampftermin in Straubing unterstützt wurde. Foto: Armin Weigel/dpa
Die CSU feierte Manfred Weber, der vom österreichischen Kanzler Sebastian Kurz (r.) und von Ministerpräsident Markus Söder (2.v.l.) beim Wahlkampftermin in Straubing unterstützt wurde. Foto: Armin Weigel/dpa

Straubing.In London sorgen die Brexiteers für unaufhörliches Chaos. In Straubing schlagen am Samstag 2500 Herzen kräftig pro Europa. Die Fraunhofer-Halle ist rappelvoll. Ergraute Köpfe stehen neben jungen. Auf der Empore, die den Saal umsäumt, haben sich Zweier-Reihen formiert. Der Spitzenkandidat der europäischen Konservativen, Manfred Weber, der diese Woche zwischen Kopenhagen, Brüssel und Rom pendelte, genießt das Heimspiel, das nur 60 Kilometer von seinem Wohnort Wildenberg (Lkr. Kelheim) entfernt stattfindet. Auch seine Eltern sind gekommen. Sieben Wochen vor dem Europawahltermin am 26. Mai trifft Weber in Niederbayern auf Menschen, die er nicht mehr von sich überzeugen muss. Dazu zählt der frühere CSU-Chef Erwin Huber, der an diesem Tag wie ein glücklicher Vater wirkt. „Ich bin ein Freund und Förderer. Ich rechne ihn zu meinem Stall“, sagt er. „Es wäre ein Gewinn für Europa, wenn Manfred Weber an die Spitze der EU-Kommission kommt.“ Weber zählt zum Kreis der Favoriten für das Amt. „Es sollte nicht ein ausrangierter nationaler Politiker bekommen, sondern ein frischer, junger Europäer“, sagt Huber.

Kanzler Kurz „läuft“ für Weber

2500 Zuhörer waren gekommen, um Spitzenkandidat Manfred Weber zu sehen. Foto: Armin Weigel/dpa
2500 Zuhörer waren gekommen, um Spitzenkandidat Manfred Weber zu sehen. Foto: Armin Weigel/dpa

Weber wird bei der Großkundgebung vom österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz und vom bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Markus Söder flankiert. Söder und Kurz übernehmen den Part, Weber mit Komplimenten zu überschütten. „Die Bayern hatten schon den Papst, aber noch nie den EU-Kommissionspräsidenten“, sagt Söder. Weber sei kein Karriere-Diplomat, kein EU-Seiteneinsteiger. Er habe sein politisches Leben mit jeder Faser auf Europa ausgerichtet. Kurz greift den CSU-Wahlkampfslogan „Ein Bayern für Europa“ auf. Es sei ja noch keine Leistung, Bayer zu sein, sagt er über Weber – und löst damit im Publikum kurz erstauntes Raunen aus, bis er für Klarstellung sorgt: Webers Leistung sei, dass er in all den Jahren in Brüssel und Straßburg auch durch und durch ein geerdeter Bayer geblieben sei.

„Die Bayern hatten schon den Papst, aber noch nie den EU-Kommissionspräsidenten.“

CSU-Chef und Ministerpräsident Markus Söder

Für Kurz ist es keine Pflichtübung, sich für Weber stark zu machen. Beide Politiker haben seit Jahren engen Kontakt. 2015 war Kurz – noch als Außenminister – Gast bei Webers „Neufahrner Gesprächen“, bei denen junge Konservative regelmäßig netzwerken und sich über internationale Fragen austauschen. Als Weber im vergangenen September seine Ambitionen auf die Spitzenkandidatur für die europäische Volkspartei EVP öffentlich machte, zählte Kurz bei einem EVP-Kongress in Wien zu den ersten öffentlichen Unterstützern. „Jetzt geht es darum, dass wir die Sache auch zu Ende spielen“, sagt Kurz am Samstag in Straubing. „Wir werden für dich laufen, damit Du unser nächster Kommissionspräsident wirst.“

„Wir werden für Dich laufen, damit Du unser nächster Kommissionspräsident wirst.“

Der österreichische Kanzler Sebastian Kurz

Die entscheidende Abstimmung findet Mitte Juli bei einer Plenarsitzung in Straßburg statt. Die Staats- und Regierungschefs haben das Vorschlagsrecht. Weber sagt in Straubing schon einmal, was er machen würde, wenn er in das höchste EU-Amt rückt. Gleich am ersten Tag werde er klare Anweisung geben, dass die Beitrittsgespräche der EU mit der Türkei beendet werden, kündigt er unter großem Beifall an. In der Sicherheitspolitik will er für einen besseren Datenaustausch in der EU sorgen. „Es kann nicht sein, dass wir wegen des Datenschutzes die Verbrecher auf diesem Kontinent nicht fassen.“ Er fordert auch erneut einen besseren Schutz der EU-Außengrenzen. Illegale Migration müsse gestoppt werden. „Ich will nicht, dass Schlepperbanden darüber entscheiden, wer nach Europa kommt.“

Um die nächste Hürde auf dem Weg zur Kommissionspräsidentschaft die nächste Hürde z zu nehmen, müssen sich die Konservativen bei der Europawahl als stärkste Kraft behaupten. Söder hat die komplette CSU zum Kämpfen verpflichtet. In Ostbayern trägt er damit Eulen nach Athen. Für die Großkundgebung in Straubing habe es schon am Tag nach dem Verschicken der Einladungen 1000 Anmeldungen gegeben, erzählt der Landtagsabgeordnete Josef Zellmeier.

Am Samstag marschiert die Junge Union in großer Formation für Weber auf die Bühne. „Your Europe. Better Europe. Stronger Europe“, ist auf ihren T-Shirts zu lesen. Auch für die CSU-Nachwuchsorganisiation ist es keine Pflichtübung. Sie ist pro Europa ausgerichtet. Gut in Erinnerung ist, dass Weber beim JU-Landesparteitag 2017 in Erlangen ähnlich euphorisch gefeiert wurde wie Söder.

Manfred Weber beim „Heimspiel“ in Niederbayern. Foto: Armin Weigel/dpa
Manfred Weber beim „Heimspiel“ in Niederbayern. Foto: Armin Weigel/dpa

Was Weber auszeichnet? Der Straubinger Oberbürgermeister Markus Pannermayr muss darüber keine Sekunde lang nachdenken. Er kennt ihn seit Zeiten in der Jungen Union, also seit Mitte der 1990-er Jahre. „Er ist sich immer selbst treu geblieben. Ich habe nie erlebt, dass er sich verbogen hat, um etwas zu erreichen“, schwärmt er.

Denise Maier wirbt fürs Wählen. Foto: Schröpf
Denise Maier wirbt fürs Wählen. Foto: Schröpf

Die Kundgebung in Straubing soll die Europa-Euphorie ins ganze Land tragen. Die 29-jährige Denise Maier aus Landshut wirbt dafür, mitzumischen. „Es ist wichtig, die bayerische Stimme nach Brüssel zu tragen.“ Der 36-jährige Stephan Jakob aus Mühlhausen rät ebenso eindringlich zum Wählen. „In Europa werden die Weichen gestellt, auch für die Zukunft unserer Kinder.“

Ein kräftiger Motivationsschub kann nicht schaden. In der jüngsten Umfrage lag die CSU bei 39 Prozent – und damit in etwa auf dem Niveau der Landtagswahl. Spitzenkandidat Weber bekam allerdings beachtlich gute persönliche Noten. Quer über Parteigrenzen hinweg gab es Zustimmung für ihn als nächsten Kommissionspräsidenten. Selbst 67 Prozent der Grünen-Anhänger fänden das gut.

Der Sommer der Möglichkeiten

Ostbayern war bei der Europawahl 2014 eine CSU-Hochburg. Während die Partei bayernweit auf 40,5 Prozent sank, erzielte sie in Niederbayern 50,5 Prozent. Auch die Oberpfalz blieb mit 46,7 Prozent eine vergleichsweise sichere Bank. Die CSU war damals im Freistaat um 7,6 Prozent abgestürzt – nach einem Europawahlkampf in dem der frühere CSU-Chef Horst Seehofer doppelgleisig fuhr, Europafreunde und Europaskeptiker gleichermaßen bediente und Weber ordentlich düpierte.

Manfred Weber

  • Herkunft:

    Manfred Weber lebt mit seiner Familie in Wildenberg (Lkr. Kelheim). Das soll so bleiben, auch wenn er zum EU-Kommissionspräsidenten aufsteigt.

  • Europawahl:

    Im November 2018 war Weber in Helsinki mit fast 80 Prozent der Stimmen zum Spitzenkandidaten der konservativen Parteienfamilie EVP gewählt worden.

  • Entscheidung:

    Ein Wahlerfolg der Konservativen ist wichtig für Webers großes Ziel: Er möchte EU-Kommissionspräsident werden. Das EU-Parlament stimmt darüber Mitte Juli bei einer Plenarsitzung in Straßburg ab.

  • Rückhalt:

    Die CSU stellt sich hinter den Spitzenkandidaten. „Er ging den europäischen Weg schon immer. Er ist kein Zufallseuropäer. Er ist kein Karriereeuropäer“, sagt CSU-Chef Markus Söder.

Das ist Geschichte. Der Sommer 2019 steckt für Weber voller Möglichkeiten: Die Wahl zum Kommissionspräsidenten würde ihn zu einem der einflussreichsten Männer der Welt machen. In der CSU würde er dann eine völlig neue Kategorie verkörpern. Ein Scheitern aller Pläne wäre dagegen ein tiefer Rückschlag. Parteifreund Zellmeier glaubt nicht daran. Schon gar nicht in Niederbayern. „An die 50 Prozent Stimmen bringt er hier wieder hin – unter schwereren Bedingungen als vor fünf Jahren“, sagt er. Die Parteienlandschaft habe sich seitdem ja grundlegend geändert.

Europawahl

Europäischer Feminist mit Sozialprofil

Sozialdemokrat Frans Timmermans will EU-Kommissionspräsident werden und den Konservativen ihre Grenzen aufzeigen.

In Niederbayern bleibt Weber so oder so ein Politiker auf Augenhöhe. „Mane, Gillamoos?“, ruft Andreas Pfeffer am Samstag, bevor Weber in seine Limousine steigt, um zum nächsten Termin abzurauschen. Pfeffer ist Vizepräsident des Landesverbands der Marktkaufleute und Schausteller. Man kennt sich vom Kult-Volksfest in Niederbayern. Weber reagiert amüsiert auf den knappen Zwischenruf. „Schaun mer mal, in welcher Funktion ich dann komme“, ruft er zurück.

Weitere Nachrichten aus der bayerischen Landespolitik finden Sie hier!

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht