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Ostbayern bekommt starke grüne Züge

Die Öko-Partei legt in der Oberpfalz und in Niederbayern zu. CSU kann punkten, SPD verzwergt. Die Wahlbeteiligung ist hoch.
Von Marianne Sperb

Grenzenloser Jubel herrschte rund um Henrike Hahn (in rot), die bayerische Spitzenkandidatin zur Europawahl von Bündnis 90/Die Grünen. Foto: dpa
Grenzenloser Jubel herrschte rund um Henrike Hahn (in rot), die bayerische Spitzenkandidatin zur Europawahl von Bündnis 90/Die Grünen. Foto: dpa

Regensburg.Klimaschutz und Artenvielfalt bewegen die Bürger in Ostbayern. Auch wenn sich einzelne Ergebnisse noch leicht verändern werden: Nach den vorläufigen Zahlen vom Sonntagabend bekam die Region bei der Europawahl kräftige grüne Züge. Der CSU gelangen teilweise beachtliche Zuwächse, die SPD verzwergte stellenweise. Die AfD präsentierte sich unterschiedlich, blieb unterm Strich aber weit hinter ihren eigenen Erwartungen zurück.

In Regensburg schafften die Grünen den Sprung auf 27,4 Prozent, ein dickes Plus nach dem Ergebnis von 2014, das noch bei 17,4 Prozent lag. Deutlich fiel allerdings auch das Stadt-Land-Gefälle aus: Von den Landkreis-Bürgern erhielten die Grünen deutlich weniger Stimmen als von den Städtern. Mit 14,02 Prozent im Landkreis Regensburg war aber auch dort der Zugewinn im Vergleich zu 2014 (8,7 Prozent) enorm.

Die Reaktionen zur Wahl sehen Sie in unserer Bilderstrecke

Die Reaktionen zur Europawahl

Die CSU bewegte sich im Stadtgebiet Regensburg mit 32 Prozent in etwa auf dem Niveau der Zahlen von 2014; damals holte sie 31,8 Prozent. Dramatisch anders fiel das Bild für die Christsozialen im Landkreis aus: Dort holte die Partei 46,8 Prozent und machte etwas Boden gut; 2014 lag sie noch bei 44,3 Prozent.

Heftige Verluste für die SPD

Die SPD stürzte ab: In der Stadt Regensburg, wo sich der suspendierte SPD-Oberbürgermeister Joachim Wolbergs wegen des Verdachts der Vorteilsnahme vor Gericht verantworten muss, schnurrte die SPD auf 8,7 Prozent zusammen; sie verlor 14,3 Prozent. Im Landkreis war der Schrumpfungsprozess ähnlich deutlich: Die Sozialdemokraten mussten den Verlust von 10,9 Prozent der Stimmen verkraften und konnten nur noch 7,07 Prozent der Wähler überzeugen.

Neumarkt wählte klar christsozial. Mit 50,5 Prozent blieb die CSU allerdings um 2,9 Prozent unter dem Ergebnis von 2014. Die SPD musste auch hier schmerzhafte Einbußen hinnehmen, rangiert mit 6,2 Prozent (minus 7,5 Prozent) nur noch unter ferner liefen. Die Grünen legten auch in Neumarkt deutlich zu, auf 13,9 Prozent – ein Plus von 5,7 Prozent.

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Noch ausgeprägtere Bewegungsmuster zeigten die Wähler in Kelheim. In der Heimatregion von Spitzenkandidat Manfred Weber schenkten 56,4 der Wähler ihr Vertrauen der CSU; der Weber-Effekt produzierte ein sattes Plus von 4,1 Prozent. Die SPD lieferte mit 5,9 Prozent ein miserables Ergebnis ab und musste den Verlust von 9,8 Prozent verkraften. Die Grünen legten zu, um 3,1 auf 10,4 Prozent. Die Freien Wähler bewegten sich mit 4,5 Prozent fast punktgenau auf dem Niveau von 2014 (plus 0,2 Prozent).

Viele Wähler an den Urnen

Schwandorf zeigte einen ähnlich ausgeprägten Hang zur CSU wie 2014. Die Partei schaffte hier 47,7 Prozent (minus 1,7 Prozent). Die SPD wurde vom Wähler auf ein einstelliges Ergebnis dezimiert: 9,9 Prozent (minus 11,1). Die Grünen ernteten 9,6 Prozent (ein Plus von 4,3), rangieren aber hinter der AfD. Die Freien Wähler landeten mit 7,0 Prozent um 2,8 Prozent über dem Ergebnis von 2014.

Demokratie siegt in Ostbayern

53 Prozent für die CSU: In Cham verloren die Christsozialen leicht (0,7 Prozent). Heftige Verluste gab es auch hier für die SPD; die Partei verlor 7,8 Prozent und stürzte ab auf 5,2 Prozent. Die Grünen legten zu, um 2,4 Prozent auf 8,3 Prozent.

Ein ähnliches Bild zeigte sich im Landkreis Amberg-Sulzbach: 44,4 Prozent wählten CSU (minus 1,8), 11,9 Prozent die SPD (minus 10,4), 11, 8 Prozent die Grünen (plus 5,1) und 7,5 Prozent die Freien Wähler (plus 2,6). In der Stadt Amberg holte die CSU 39,7 Prozent (minus 0,9), die SPD 12,5 Prozent (minus 12,1), die Grünen 16 Prozent (plus 8,2) und die Freien Wähler 4,1 Prozent (plus 1,8 Prozent).

Ergebnisse

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Einer der großen Gewinner in Ostbayern ist die Demokratie. Zahlreiche Wähler zog es an die Urnen, die Wahlbeteiligung fiel deutlich höher aus als bei den letzten Europawahlen im Jahr 2014. In der Stadt Regensburg gingen 60,6 Prozent der Wähler zur Abstimmung, im Landkreis sogar 62,6 Prozent. Im Landkreis Amberg-Sulzbach erreichte die Wahlbeteiligung 60,3 Prozent, in der Stadt Amberg, dem Wahlkreis von SPD-Kandidat Ismail Ertug, 52,2 Prozent. In Tirschenreuth, Heimat von CSU-Kandidat Christian Doleschal, lag die Wahlbeteiligung bei 58,8 Prozent, in Kelheim bei 60 Prozent, in Cham bei 53,3 Prozent, in Neumarkt bei 63,1 Prozent und in Schwandorf 55,7 Prozent.

Die großen Verlierer dieser Wahl tun gut daran, die Jungen darin ernst zu nehmen, meint unsere Autorin Jana Wolf:

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