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Politik-Neuling Bonart kämpft für die EU

Der Kötztinger FDP-Kandidat entdeckt die politische Bühne. Er hat eine klare Vorstellung, wie Europa funktionieren kann.
Von Maximiliane Groß

Martin Bonart liegen die Menschenrechte in Deutschland und Europa am Herzen. Foto: Gross
Martin Bonart liegen die Menschenrechte in Deutschland und Europa am Herzen. Foto: Gross

Bad Kötzting.Gestatten, Martin Bonart. 57 Jahre alt, IT-Fachmann und FDP-Kandidat für die Europawahl am 26. Mai. Von den zahlreichen anderen Kandidaten unterscheidet Martin Bonart vor allem eines: Sein politisches Engagement steckt sozusagen noch in den Kinderschuhen. Er ist erst seit September 2018 Mitglied in der FDP. Davor gehörte er auch keiner anderen Partei an. Das, was der Unternehmer im Moment politisch erlebt, ist für ihn in allen Bereichen Neuland. Das fällt auch beim Gespräch mit unserem Medienhaus auf.

Bonart ist nervös, trinkt einen Kaffee mit Milch und Zucker und raucht eine Zigarette. Er überlegt bei jedem Wort genau, ob er es so formulieren kann oder nicht. Ob er missverstanden werden könnte oder ob seine Botschaft richtig rüberkommt. Bei der Wahl Ende Mai steht er auf Platz 169 von 177 der FDP-Liste. Seine Erfolgschancen sind eigentlich aussichtslos. Bonart kämpft trotzdem für sein Ziel. Dieses ist in erster Linie kein Platz in Brüssel. „Das Gebäude EU wackelt. Das haben Wahlen in anderen Ländern gezeigt. Wir müssen daran arbeiten, dass das Gebäude EU weiterhin besteht und wächst“, sagt der Politikneuling.

Das trotzige Kind

Bonart meint damit, dass der Lissabonner Vertrag zwar seit 2009 in Kraft ist, Mitgliedsstaaten momentan aber gegen ihn rebellieren. „Ich vergleiche die Situation gerne mit einem Kind. Das testet auch seine Grenzen aus“, sagt er. Exemplarisch nennt er hier den Brexit. Für diesen wünscht sich Bonart persönlich, dass er nicht durchgesetzt wird und Großbritannien weiterhin Mitglied der Europäischen Union bleibt.

Die Positionen von Martin Bonart

Martin Bonart ist davon überzeugt, dass Europa eine Staatengemeinschaft nach dem Vorbild der USA guttun würde. Dies begründet er damit, dass Europa dann gegen die Weltmächte USA, Russland und China mit einer einheitlichen Stimme auftreten würde. „Ich denke, ein vereintes Europa würden diese Länder nicht mögen“, sagt der FDPler.

Als sich Bonart dazu entschlossen hat, einer Partei beizutreten, ist er im Ausschlussverfahren bei den Liberalen hängengeblieben. Die CSU sei ihm zu arbeitgeberfreundlich, die SPD zu arbeitnehmerfreundlich, die Grünen zu grün. Dass der 57-Jährige schließlich bei der FDP gelandet ist, ist in gewisser Weise auch das Verdienst des Liberalenchefs Christian Lindner. Genauer gesagt liegt es in der Tatsache, dass Lindner die Koalitionsverhandlungen mit der CDU und den Grünen nach vier Wochen für gescheitert erklärt hatte. Dazu sagt Bonart: „Man muss erst einmal nach vier Wochen sagen ‚Es geht nicht weiter’. Das hat mich sehr beeindruckt.“ Nicht nur Lindners Verhalten, sondern auch die politische Linie der FDP waren dann ausschlaggebend für seinen Eintritt.

Politik

Der Kämpfer für die EU aus Bad Kötzting

Christoph Czakalla ist 34 und möchte ins Europa-Parlament. Dafür setzt der CSU-Mann auch auf „ein wenig Provokation“.

Geht es nach ihm und seinen Vorstellungen, dann müsse die Politik mehr tun, um den ländlichen Raum zu stärken. Nur davon zu reden, sei zu wenig. Es müssten die grundlegenden Fragen „Wie, wo und wann“ geklärt werden. Lösungen kann Bonart nicht präsentieren. „Das wäre eigentlich Kommunalpolitik und nicht Europapolitik“, sagt er und eröffnet damit schon fast den Wahlkampf für 2020. Eine Kandidatur in seiner Heimat Bad Kötzting könnte er sich eventuell vorstellen.

Arbeit auf dem Nato-Turm

In Bad Kötzting wohnt Martin Bonart in seinem Wohnwagen. Foto: Bonart
In Bad Kötzting wohnt Martin Bonart in seinem Wohnwagen. Foto: Bonart

Martin Bonart kommt ursprünglich aus Berlin, lebt aber inzwischen seit 1977 mit wenigen Unterbrechungen in Bayern. Nach Bad Kötzting kam er durch die Bundeswehr und ist geblieben. Das war vor 36 Jahren. Sein Unternehmen, einen IT-Service, gründete Bonart vor zehn Jahren in der Nähe von Bad Abbach, wo seine Eltern lebten. Wegen seiner Kunden arbeitet er weiterhin dort. Seinen Wohnsitz hat er aber auf dem Campingplatz in Bad Kötzting. „Das ist für mich Entspannung pur. Hier kann ich entschleunigen“, sagt er.

Zur Person

  • Leben:

    Martin Bonart wurde am 1. November 1961 in West-Berlin geboren. 1977 ist er mit seinen Eltern nach Regensburg gezogen. In Bad Kötzting war er zu Bundeswehrzeiten von 1983 bis 1986 stationiert.

  • Arbeit:

    Seit 2009 betreibt Martin Bonart ein IT-Service-Unternehmen. Der Firmensitz ist in Bad Abbach. Seinen Wohnsitz sieht Bonart aber weiterhin in Bad Kötzting. Wenn er dort ist, lebt er in seinem Wohnwagen.

Seine Kandidatur für die Europawahl in diesem Jahr war Zufall. Sein Umfeld habe belustigt auf die Nachricht reagiert. Der Spott sei groß gewesen, doch Bonart sagt: „Ich habe selten so viel gelacht wie in dieser Zeit.“ Und Martin Bonart sammelt in diesen Wochen viel Erfahrung. Bekommt ganz neue Einblicke in die politischen Abläufe. Staunen, schauen und lernen sind in diesem Zusammenhang die drei magischen Worte, die Bonart immer wieder nennt.

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