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Gauck reist zu Weltkriegs-Gedenkfeiern

Im August vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg. Der Bundespräsident reist nach Belgien und Frankreich, um an Gedenkveranstaltungen teilzunehmen.

Bundespräsident Joachim Gauck Foto: dpa

Straßburg.Mit Besuchen im Elsass und in Belgien wird Bundespräsident Joachim Gauck am Sonntag und Montag an den Beginn des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren erinnern - an den bis dahin umfassendsten bewaffneten Konflikt in der Menschheitsgeschichte. Von August 2014 bis zum Waffenstillstand im November 2018 waren fast 70 Millionen Soldaten aus gut 70 Staaten und damaligen Kolonialgebieten mobilisiert, 17 Millionen Menschen verloren ihr Leben.

Zum Auftakt der Gedenkfeiern besucht Gauck am Sonntagvormittag gemeinsam mit Frankreichs Staatschef François Hollande die Gedenkstätte am Hartmannsweilerkopf in den Vogesen, wo Deutsche und Franzosen sich ab 1915 gegenüberstanden. Bei den eineinhalb Jahre dauernden, erbitterten Kämpfen auf der Bergkuppe im Elsass - das seit dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 zum deutschen Kaiserreich gehörte - fielen zwischen 20 000 und 30 000 deutsche und französische Soldaten.

Die beiden Staatschefs werden in der dortigen Nekropole das Wort ergreifen und mit Jugendlichen aus beiden Ländern sprechen, die an einem Treffen des Deutsch-französischen Jugendwerks teilnehmen. Anschließen wollen sie den Grundstein für ein deutsch-französisches Geschichtszentrum legen, das 2017 eröffnet werden soll.

Im belgischen Lüttich nimmt Gauck am Montag an einer Gedenkfeier teil, zu der Belgiens König Philippe hohe Repräsentanten aus mehr als 30 Ländern eingeladen hat. Bei der Zeremonie in der über Lüttich gelegenen Alliierten-Gedenkstätte Cointe werden neben dem Bundespräsidenten auch Frankreichs Staatschef Hollande und der Herzog von Cambridge, Prinz William, zu den Gästen sprechen. Erwartet werden zu der Zeremonie unter anderen die Staatschefs von Italien, Irland, Österreich, Serbien und Slowenien sowie der spanische König Felipe mit seiner Frau Letizia.

Am Nachmittag wird der Bundespräsident in Löwen der zahlreichen zivilen Opfer in Belgien gedenken und die berühmte Alte Bibliothek besuchen. Am Abend will er dann auf dem Soldatenfriedhof St. Symphorien in Mons an einer deutsch-britischen Gedenkfeier teilnehmen. Auf dem Friedhof ruhen 229 gefallene Soldaten aus dem Commonwealth und 284 deutsche Kriegsopfer. Rund hundert der Toten aus beiden Lagern konnten bis heute nicht identifiziert werden.

In Lüttich hatten rund 25 000 deutsche Soldaten am 4. August 1914 die erste große Offensive des Ersten Weltkriegs gestartet. Doch trotz des intensiven Artilleriebeschusses der Deutschen setzte sich die Stadt an der Maas, die mit ihrem Ring aus zwölf Festungen als einer der am besten geschützten Orte Europas galt, zwölf Tage zur Wehr. Am 16. August fiel die Stadt schließlich - und die deutsche Armee setzte ihren Feldzug in Richtung Frankreich fort. Bei den Kämpfen um Lüttich kamen rund 3500 deutsche Soldaten ums Leben. Insgesamt wurden etwa 20 000 Belgier und rund 5300 Deutsche getötet, verwundet oder gefangen genommen.

Der Einmarsch der Deutschen in Lüttich vor hundert Jahren hatte verheerende Folgen: Noch am gleichen Tag erklärte Großbritannien Deutschland den Krieg. Wenige Tage nach den deutschen Kriegserklärungen an Russland und Frankreich waren damit die Voraussetzungen für den ersten weltweiten Krieg geschaffen. (afp)

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