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Interview

„Ich war als Jugendlicher ein Linker“

MZ-Juniorreporter Jonas Zweifel spricht mit Philipp Graf von und zu Lerchenfeld, Bundestagskandidat der CSU, über seine politischen Wurzeln, die Wahl und die Krise.

Im Interview mit Juniorreporter Jonas Zweifel spricht Graf Lerchenfeld auch über seine politischen Anfangsjahre. Foto: Gruber

Halten Sie bei den aktuellen Umfragewerten der Union eine absolute Mehrheit für ihre Partei für möglich?

Das halte ich nicht für wahrscheinlich. Ich hoffe, dass wir eine gute Mehrheit bekommen, aber da wird sich von den Umfragewerten bis hin zu Wahlergebnis noch einiges ändern.

Warum sollte man die Union wählen?

Weil die Union einfach das richtige Konzept hat. Das hat man in den letzten Jahren gesehen, zum Beispiel, wenn es darum ging, die Finanzen zu konsolidieren. Das ist gerade für junge Leute interessant, weil ihre Spielräume in Zukunft ja größer werden, wenn wir uns heute bemühen, Schulden abzubauen. Außerdem stehen wir dafür, dass wir keine Schuldenunion mit den anderen europäischen Ländern wollen, sondern eine Stabilitätsunion.

Aber halten Sie nicht den unter anderem von Deutschland verordneten Sparkurs für eine Mitursache der Probleme von Ländern wie Spanien?

Ich glaube, hier ist das Sparen weniger das Problem. Diese Länder müssen ihre Hausaufgaben machen, Märkte deregulieren und Bürokratie abbauen, um die Wirtschaft zu fördern.

Trotzdem hat die Wirschaft Probleme. Deutsche Unternehmen reißen sich um das viel zu knappe Angebot an Lehrlingen, in Südeuropa sehen wir das genaue Gegenteil: Bis zu fünfzig Prozent Jugendarbeitslosigkeit. Woher kommen diese eklatanten Unterschiede?

Es ist vor allem die Arbeitsmarktpolitik. Da hat Deutschland den Vorteil des dualen Ausbildungssystems in Studium und Beruf, was viele Arbeitsplätze für Jugendliche schafft. Außerdem schlägt sich die generell gute Wirtschaftslage in Deutschland natürlich auf alle Altersschichten nieder.

Sprechen wir über Ihre Bundestagskandidatur. Sie waren bisher Mitglied des Landtags. Warum wollen Sie in den Bundestag?

Mich fasziniert sehr die höhere politische Ebene des Bundestags. Und ich will natürlich Themen, die ich bis jetzt vertreten habe, auch in Berlin vertreten, vor allem im Bereich von Steuern und Finanzen.

Halten Sie es für eine Gefahr für Europa, wenn viele, gerade junge, enttäuschte Arbeitslose in den Krisenländern bei Wahlen extremistischen Parteien immer öfter ihre Stimme geben?

Ich halte das immer für eine Gefahr. Besonders, wenn ein junger Mensch keine Perspektiven für die Zukunft mehr hat, sodass er solchen Extremisten ins Netz geht. Und hier ist es eben wichtig, den Arbeitsmarkt zu deregulieren, damit mehr Leute wieder arbeiten können und solchen Leuten nicht auf den Leim gehen. Das bedeutet zum Beispiel, übertriebenen Kündigungsschutz zu reduzieren.

Sollte man zur politischen Bildung Jugendlicher in den Schulen ansetzen, indem man mehr Sozialkundeunterricht anbietet?

Da bin ich mir nicht sicher. Bei mir zum Beispiel war das Ausschlaggebende der Sozialkundelehrer, der wirklich brilliant war. Das hängt sehr oft an Personen, deswegen bin ich mir nicht sicher, ob man generell mehr Interesse generieren kann, indem man einfach mehr Stunden anbietet. Wobei ich schon den Eindruck habe, dass der Willen zum politischen Engagement abnimmt. Als ich noch Jugendlicher war, die Generation nach den 68ern, war alles viel polarisierter, wir hatten eine starke Anti-Haltung gegen die Politik. Ich selbst war damals eher links und habe mich dann erst durch nächtelange Diskussionen mit meinem Vater, der sehr konservativ war, der CSU angenähert. Ich halte es für das Privileg der Jugend, sich Gedanken darüber zu machen, wie man eine Verbesserung herbeiführen kann, und wenn jemand dann der Meinung ist, es ist richtiger mit einem sozialistischem Bild, dann muss man sich damit auseinandersetzen.

Was tut man denn als Politiker, um Jugendliche zu mobilisieren?

Ich selbst bewege mich viel in den sozialen Netzwerken und spreche da Themen an, aber das Wichtigste ist, dass man selbst viel mit Jugendlichen in Kontakt kommt und versucht, sie im Gespräch zu überzeugen. Wir müssen die Jugend wieder mehr zum politischen Denken bewegen.

Die CSU hat Ambitionen, bei den anstehenden Landtagswahlen alle Direktmandate für das Parlament zu holen. Halten Sie es nicht für gefährlich, wenn eine Partei so nahe an eine Alleinherrschaft kommt?

Nein, ich denke, die CSU hat gelernt, wie man mit dem umgehen muss, was einem der Wähler anvertraut. Früher haben wir viele Reformen durchgeführt, von denen wir jetzt profitieren, die wir aber den Leuten nicht genug erklärt haben, der Nichtraucherschutz zum Beispiel, und ich denke, da haben wir Fortschritte gemacht.

Halten Sie Jugend oder langjährige Erfahrung für wichtiger in der Politik?

Ich glaube, es ist beides wichtig, es muss eine gute Mischung sein. Wir brauchen auch Leute, die aus einem Beruf kommen, die eine gute Ausbildung haben, und die auch mal ein anderes Leben als Politik kennen gelernt haben. Was wir auch bräuchten, wären Leute aus den verschiedensten Schichten. Auch ein Hartz-IV-Empfänger kann ein hervorragender Abgeordneter sein, weil er praktische Lebenserfahrung in vielen Bereichen einbringen kann.

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