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Energie

Japan fährt Atommeiler wieder hoch

Trotz der Atomkatastrophe will Japan wieder Strom aus Kernkraft produzieren. Bald sollen die ersten Reaktoren starten – in der Nähe eines Vulkans.

Der Chef der japanischen Atomaufsicht, Shunichi Tanaka, kündigte den Neustart der Atomreaktoren auf einer Pressekonferenz in Tokio an. Foto: dpa

Tokio.Mehr als drei Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima will Japan zwei stillgelegte Atomreaktoren wieder hochfahren - und zwar nahe einem aktiven Vulkan. Die Atomaufsicht bewilligte am Mittwoch einen Sicherheitsplan für den Neustart der Atomanlage Sendai, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Das Kraftwerk im südwestlichen Zipfel Japans, der Präfektur Kagoshima, liegt rund 50 Kilometer entfernt vom Vulkan Sakurajima auf der Insel Kyushu.

Zuletzt war der Vulkan im August 2013 ausgebrochen. Die Eruption davor war nur zwei Tage nach dem schweren Erdbeben im Norden im März 2011.

Sendai wäre die erste Atomanlage, die nach dem verheerenden Atomunfall im März 2011 nach strengeren Sicherheitsstandards arbeiten soll. Erwartet wird, dass der Betreiber Kyushi Electric die Meiler im Herbst wieder in Betrieb nimmt.

In Folge eines Erdbebens und Tsunamis war es 2011 im Nordosten, im AKW Fukushima Daiichi, zu Kernschmelzen gekommen. Danach waren alle 48 japanischen Atomkraftwerke vom Netz genommen worden. Das Land, das zuvor rund 30 Prozent der Energie mit Atom produziert hatte, ist seither auf thermische Energie und teure Importe angewiesen.

Ministerpräsident Shinzo Abe ist bestrebt, viele Atomreaktoren wieder hochzufahren. Bei einer Kyodo-Umfrage sprach sich aber eine Mehrheit von 55,2 Prozent der Befragten dagegen aus. Auch Experten kritisieren einen aus ihrer Sicht überhasteten Neustart.

„Charakteristisch für die Anlage in Sendai ist, dass sie von großen Vulkanen umgeben ist“, sagte Eisuke Naramoto, emeritierter Professor der Hosei Universität und Mitglied der Bürgerkommission für Atomkraft. Er glaubt, dass die Betreiber unterschätzten, wie sehr ein Vulkanausbruch die Anlage treffen könnte. (dpa)

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