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NSU-Prozess

Das lange Warten auf Zschäpes Aussage

Beim NSU-Prozess in München berichtet ein Staatsanwalt als Zeuge. Die Hauptangeklagte soll nun am Donnerstag zu Wort kommen.
Von Katja Meyer-Tien, MZ

Auf die Aussage von Beate Zschäpe wird mit Spannung gewartet. Am Donnerstag soll es soweit sein.
Auf die Aussage von Beate Zschäpe wird mit Spannung gewartet. Am Donnerstag soll es soweit sein.Foto: dpa

München.Auch am 256. Verhandlungstag im NSU-Prozess bekam Rechtsanwalt Mathias Grasel keine Gelegenheit, die Antworten seiner Mandantin Beate Zschäpe auf die Mitte Dezember gestellten Fragen des Senats zu verlesen. Bereits am Dienstag der vergangenen Woche hatte er erklärt, die schriftlichen Antworten seien ausgearbeitet, doch das Gericht schloss erst die Befragung von Ralf Wohlleben ab. Am Mittwoch nun fehlte Beate Zschäpes Wunschanwalt Hermann Borchert, ohne ihn wollte sie die Antworten nicht verlesen lassen. Das hatte Borchert dem Senat vorab mitgeteilt. Die Verlesung ist jetzt für Donnerstag geplant.

Stattdessen drehte sich am Mittwoch im NSU-Prozess alles darum, was die Angeklagten Holger G. und Carsten S. über jene Waffen ausgesagt haben, von denen eine jene Ceska gewesen sein soll, mit der Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt neun Menschen erschossen. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl befragte dazu einen jener Staatsanwälte, die die Beschuldigten während der Ermittlungen vernommen haben. Der betonte vor allem die enorme Bedeutung der Aussagen für die Ermittlungen: „Wesentliche Impulse“ seien von den Aussagen Holger G.s ausgegangen, sagte der Staatsanwalt. „Der Waffenkomplex hätte ohne Herrn G. nicht aufgeklärt werden können“.

Ermittler lobt umfangreiche Aussage

G. hatte den Ermittlern von einer Waffe erzählt, die er von Ralf Wohlleben bekommen und zu Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe gebracht haben will.

Es war G.s Aussage, die den Tatverdacht gegen Wohlleben erhärtete und mit zu seiner Verhaftung führte. Auch auf die Spur von Carsten S. sei man letztlich durch die Aussagen G.s gekommen, sagte der Ermittler. Der wiederum habe umfangreich ausgesagt, und das freiwillig: „Beim Generalbundesanwalt keine alltägliche Situation“.

Carsten S. soll eben jene Ceska, die als Mordwaffe gilt, gekauft und zu Wohlleben gebracht haben. In wessen Auftrag, zu welchem Zweck und mit wessen Geld ist eine der Kernfragen des Prozesses: Unter anderem von diesen Fragen hängt ab, ob Carsten S. und Ralf Wohlleben als Beihelfer zum neunfachen Mord verurteilt werden. Viel neues brachte die Befragung des Staatsanwaltes indes nicht zu Tage, die Verteidigung Wohllebens versuchte wie auch schon in der Einlassung ihres Mandanten Zweifel daran zu säen, dass die fragliche Ceska überhaupt die Mordwaffe ist. Die Existenz einer zweiten Waffe, die Wohlleben selber besorgt haben soll, bestreitet sie ganz.

U-Haft-Entlassung kein Thema

Kein Thema in der Verhandlung war hingegen der erneute Antrag Wohllebens auf Entlassung aus der Untersuchungshaft, in der er seit November 2011 sitzt. Nach dem Abschluss seiner Befragung am vergangenen Donnerstag hatten seine Anwälte am Montag den Antrag eingereicht: Ein „dringender Tatverdacht sei nicht mehr zu begründen“ und Flucht- oder Verdunklungsgefahr sei „nicht im Ansatz ersichtlich. Mitte 2014 hatte das Gericht einen Antrag Wohllebens auf Haftentlassung abgelehnt, eine Beschwerde seiner Anwälte gegen die Entscheidung lehnte der Bundesgerichtshof im vergangenen Jahr ab.

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