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Kriminalität

Fall Peggy: Rechter Hassbrief an Mutter

Bereits wenige Tage nach dem Verschwinden des Mädchens soll die Mutter ein anonymes Schreiben bekommen haben.

Peggy war 2001 verschwunden, erst im Juli 2016 wurden ihre sterblichen Überreste gefunden. Foto: dpa
Peggy war 2001 verschwunden, erst im Juli 2016 wurden ihre sterblichen Überreste gefunden. Foto: dpa

Bayreuth.Im Zusammenhang mit dem Mordfall Peggy soll nach Medienberichten ein rechter Hass-Brief an die Mutter des Mädchens aufgetaucht sein. Wenige Tage nach dem Verschwinden des Mädchens im Mai 2001 habe deren Mutter ein anonymes Schreiben erhalten, das laut einem Aktenvermerk der damaligen Soko Peggy beleidigend und „offensichtlich von einem äußerst rechts orientierten Menschen“ verfasst wurde, wie die „Bild“-Zeitung am Montag berichtete.

Offenbar habe der Absender auf den Übertritt von Peggys Mutter zum Islam angespielt, hieß es weiter in dem Bericht. Das Schreiben sei Teil der Ermittlungsakten.

Ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Bayreuth bestätigte die Existenz eines solchen Briefes unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht. Es werde nach wie vor in alle Richtungen ermittelt.

Das Handout des Bundeskriminalamtes vom 08.05.2012 zeigt die mutmaßlichen Mitglieder der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe.
Das Handout des Bundeskriminalamtes vom 08.05.2012 zeigt die mutmaßlichen Mitglieder der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe.

Wie kam Böhnhardts DNA zur Leiche?

Der Fund von DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Extremisten Uwe Böhnhardt nahe der Leiche der vor 15 Jahren in Bayern verschwundenen Peggy hatte vergangene Woche für Schlagzeilen gesorgt. Böhnhardts DNA war an einem Stoffstück nachgewiesen worden. Wie die Spuren dorthin kamen, ist noch völlig unklar.

Peggy war 2001 verschwunden, der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt. Der rechtsextreme Nationalsozialistische Untergrund (NSU) um Böhnhardt und die mutmaßlichen weiteren Mitglieder Uwe Mundlos sowie Beate Zschäpe wird für eine Mordserie verantwortlich gemacht, bei der bundesweit neun Migranten und eine Polizistin starben.

Böhnhardt und Mundlos erschossen sich 2011 im thüringischen Eisenach, als ihnen die Polizei auf der Spur war. Nur Zschäpe wurde gefasst. Sie steht derzeit in München vor Gericht.

Trotz des Einsatzes zahlreicher Hilfskräfte, die sich an der Suche beteiligen, konnte Peggys Leiche 15 Jahre nicht gefunden werden. Foto: dpa
Trotz des Einsatzes zahlreicher Hilfskräfte, die sich an der Suche beteiligen, konnte Peggys Leiche 15 Jahre nicht gefunden werden. Foto: dpa

Neue Soko nimmt die Arbeit auf

Als Konsequenz aus dem Fund der DNA-Spur von Böhnhardt nahm am Montag eine Sonderkommission der Thüringer Polizei ihre Arbeit auf. Die in Jena angesiedelte Soko soll in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Gera die Fälle ungeklärter Kindstötungen in Thüringen seit 1990 neu untersuchen.

Die Obfrau der Linken im NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags, Katharina König, hatte kürzlich auf personelle Überschneidungen zwischen der thüringischen Naziszene und Fällen von Kindesmissbrauch und -tötung verwiesen. So sei Böhnhardt selbst gemeinsam mit dem angeblichen Besitzer einer unweit von Peggys Fundort gelegenen Waldhütte im Zusammenhang mit den Ermittlungen zu einem 1993 in Jena ermordeten Jungen ins Visier der Polizei geraten.

Kommentar

Ein Stützpfeiler zittert

Es sind nur Indizien, die darauf hindeuten, aber schon die machen fassungslos: Kann es wirklich möglich sein, dass es zwischen zwei der unbegreiflichsten...

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth schließt indes eine Verunreinigung der jetzt analysierten Probe weiterhin nicht aus. Die Ermittler wollen daher den Weg der Spur genau nachvollziehen. „Wie ist sie an den Fundort gekommen und wie zur Untersuchung?“, sagte am Montag der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel. Es müsse zweifelsfrei ausgeschlossen werden, dass die DNA-Spur durch einen Zufall oder aus Versehen mit dem Fall Peggy in Verbindung gebracht wurde. Die Rechtsmedizin der Uni Jena, wo im November 2011 Böhnhardts Leichnam obduziert und im Juli Peggys Knochen untersucht wurden, schloss eine versehentliche Übertragung von DNA am eigenen Institut aus. (afp/dpa)

Alle Informationen zum NSU-Prozess finden Sie hier.

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