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Kommentar

Nebensächlich

Ein Kommentar von Katia Meyer-Tien, MZ

Gibt es Faktoren, die Beate Zschäpe entlasten? Leidet sie unter einer psychischen Störung? War ihr Alkoholkonsum relevant für die Taten, die ihr die Staatsanwaltschaft zur Last legt? All das sind spannende Fragen, die das Gutachten von Psychiater Henning Saß klären sollte.

Was bislang bekannt ist: Saß hält Zschäpe für geistig gesund, und je nachdem, ob das Gericht ihre Version des Lebens im Untergrund glaubt oder nicht, könnte er sogar die Sicherungsverwahrung für Zschäpe empfehlen. Da verwundert es nicht, dass ihre Anwälte die Verwertung des Gutachtens verhindern wollen.

Ob diese Taktik, selbst wenn sie erfolgreich ist, am Urteil letztlich viel ändern kann, ist allerdings fraglich: Auch die Richter haben die Angeklagte in den vergangenen Jahren kennengelernt, haben sie mehr als 300 Prozesstage lang beobachtet. Und haben erlebt, wie schwer das Bild, das sie von sich selbst zeichnet, mit dem zusammenpasst, wie sie sich während dieser langen Tage verhalten hat.

Auch sie dürften sich, wenn auch womöglich nicht so wissenschaftlich fundiert wie der Gutachter, längst eine Meinung über die geistige Verfassung und die Schuldfähigkeit der Angeklagten gebildet haben. Solange der von Zschäpes Anwälten beauftragte Gegengutachter also nicht neue und glaubwürdige Fakten präsentiert, die sie entlasten, dürften die für das Urteil wesentlichen Punkte dem Gericht ohnehin bereits bekannt sein.

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