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Prozesse

NSU-Bankraub in Zwickau extrem brutal

Mehrere Zeugen haben am Mittwoch die Tat in einer Sparkasse in Zwickau geschildert: Der Täter schoss mehrmals scharf.

Beate Zschäpe muss sich auch für diesen Banküberfall verantworten. Foto: dpa
Beate Zschäpe muss sich auch für diesen Banküberfall verantworten. Foto: dpa

München.Als extrem brutal haben mehrere Zeugen im Münchner NSU-Prozess einen dem NSU zugeschriebenen Banküberfall auf eine Sparkasse in Zwickau geschildert. Der Täter habe bei dem Überfall im Oktober 2006 auf Angestellte eingeschlagen, mehrmals wild um sich geschossen und laut gebrüllt, hieß es am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München.

Mutmaßlich handelte es sich um den mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt, der den Überfall allein verübt haben soll. Beute machte der Täter nicht. Am schwersten getroffen wurde ein junger Mann, der damals als Auszubildender in der Filiale arbeitete.

Dieser Mann sagte als Zeuge im Gericht, er habe versucht, den Räuber zu packen und zu überwältigen. Der Täter habe gebrüllt: „Bist Du verrückt?“ Dann sei ein Schuss gefallen und der Täter sei geflohen. Der Zeuge sagte, er habe erst bemerkt, dass er von einer Kugel getroffen wurde, als er sich an den Bauch fasste. Er habe dann Blut an den Händen gehabt.

Der angeschossene Azubi wurde nach der Tat 14 Tage im Krankenhaus behandelt. Die Ärzte entfernten ihm die Milz. Aus überwiegend psychischen Gründen war er in den Jahren danach meist krankgeschrieben. Später ließ er sich zum Tischler umschulen.

Eine andere Sparkassen-Mitarbeiterin sagte, der Täter sei „wie auf Drogen“ gewesen. „Ich hatte das Gefühl, dass das alles brutal, hektisch und laut ablief.“ Der Mann habe schon losgebrüllt, als er mit einer Sturmhaube maskiert in die Filiale geeilt sei. Eine Kollegin habe er mit einem Tischventilator verprügelt.

Dann habe er fliehende Mitarbeiter in den Pausenraum verfolgt, wobei mindestens ein Schuss gefallen sei. In einer anderen Situation habe der Täter seine Pistole im Anschlag gehalten. Jemand habe seinen Arm nach unten gezogen, worauf ein Schuss in den Fußboden gegangen sei. Die Zeugin sagte, der Täter habe ihr die Waffe an die Stirn gehalten. Sie habe sich panisch davor gefürchtet, sie könne in den Tresorraum zitiert werden, weil ihr der Code zum Öffnen in dieser Situation nicht eingefallen wäre.

Der Überfall ereignete sich genau sechs Monate nach dem letzten der neun sogenannten „Ceska“-Morde. Diese wurden laut Ermittlungen alle mit derselben Pistole vom Typ „Ceska“ begangen. Die Opfer waren durchweg Gewerbetreibende mit türkischen oder griechischen Wurzeln. Diese Taten gelten als rassistisch motiviert. Ein Jahr später sollen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Heilbronn eine Polizistin ermordet haben. Verantworten für die Taten muss sich Hauptangeklagte Beate Zschäpe, die einzige Überlebende des NSU-Trios. (dpa)

Lesen Sie weitere Berichte über den NSU-Prozess in München in unserem Spezial.

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