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Justiz

Video bringt Zschäpe in Bedrängnis

NSU-Prozess: Kommende Woche äußert sich eine BKA-Ermittlerin zu den Nachrichtenaufzeichnungen des Kölner Bombenanschlags.

Die NSU-Hauptangeklagte Beate Zschäpe Foto: dpa
Die NSU-Hauptangeklagte Beate Zschäpe Foto: dpa

München.Videomitschnitte von Fernsehberichten über den NSU-Bombenanschlag an der Kölner Keupstraße könnten Beate Zschäpe zusätzlich in Bedrängnis bringen. Eine Ermittlerin der „Einsatzgruppe Trio“ des Bundeskriminalamtes hat die Videoaufnahmen ausgewertet und soll darüber am kommenden Donnerstag im NSU-Prozess aussagen. Es stelle sich „die Frage, wo und durch wen diese Aufnahmen getätigt wurden“, schreibt sie in einem Vermerk, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über den „Süddeutsche Zeitung“ und „Spiegel Online“ zuerst berichteten. Szenen aus den Mitschnitten finden sich in dem „Paulchen-Panther“-Bekennervideo des NSU.

Die Kölner Nagelbombe explodierte am Nachmittag des 9. Juni 2004 gegen 16 Uhr. Dabei wurden 22 Menschen teils schwer verletzt. Die meisten Bewohner der Keupstraße haben türkische Wurzeln. Als einzige Überlebende des NSU-Trios muss sich Zschäpe wegen mutmaßlicher Mittäterschaft für diesen Anschlag verantworten. Sie ist außerdem wegen der zehn Morde und einem weiteren Bombenanschlag des NSU in Köln angeklagt. Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft war das Motiv für fast alle Taten Fremdenhass.

Wer zeichnete die Sendungen auf?

Die BKA-Ermittlerin schreibt, es sei „faktisch unmöglich“, dass Zschäpes Freunde „Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt diese Mitschnitte bei sich zu Hause“ aufgenommen haben könnten. Die erste der aufgezeichneten Fernsehsendungen sei bereits um 18 Uhr ausgestrahlt worden, zwei Stunden nach dem Anschlag. So schnell hätten die beiden mutmaßlichen Rechtsterroristen nicht von Köln nach Zwickau fahren können. Das Trio soll damals in einer Wohnung an der Polenzstraße in Zwickau gelebt haben.

Die Sendungen seien bei n-tv und beim WDR ausgestrahlt und mit einem VHS-Rekorder aufgezeichnet worden, heißt es weiter in dem Bericht. Technisch sei das möglich gewesen, weil im Zwickauer Kabelnetz auch ein WDR-Programm eingespeist gewesen sei.

Allerdings habe die Ermittlerin nicht mehr definitiv klären können, ob es sich dabei um das Kölner Regionalprogramm handelte, das in dem Mitschnitt zu sehen sei. Sie nehme es aber an, weil in anderen Bundesländern meist nur eines der WDR-Regionalprogramme im Kabel empfangbar sei, und zwar das aus Köln.

Ebenso blieb ungeklärt, mit welchem Gerät die Sendungen mitgeschnitten wurden. Dem Bundeskriminalamt lagen nur Kopien davon auf einer DVD vor, die in den Trümmern der letzten Fluchtwohnung des NSU an der Zwickauer Frühlingstraße gefunden wurde.

Zschäpe hatte im Dezember in ihrer von ihrem Anwalt verlesenen Erklärung mitgeteilt, sie habe vorab nicht gewusst, dass Mundlos und Böhnhardt in Köln eine Bombe legten. Das hätten die beiden ihr erst hinterher erzählt.

„Glaubwürdigkeit Zschäpes ist unter Null“

Prozessbeteiligte werteten den BKA-Vermerk unterschiedlich. Aus Verteidigerkreisen ist zu hören, die Aufzeichnung könne auch von Unterstützern des NSU-Trios stammen. Es gebe keinen Beweis dafür, dass Zschäpe den Videorekorder bediente.

Andere Beteiligte weisen darauf hin, das Gericht könne sich „für die naheliegendste Variante“ entscheiden. Die laute, dass Zschäpe in ihrer Wohnung die Nachrichten über den Anschlag aufzeichnete und in ihrer Einlassung gelogen habe. Nebenklage-Anwalt Mehmet Daimagüler sagte, „Zschäpes Glaubwürdigkeit war vorher bei Null, jetzt ist sie unter Null“. (dpa)

Lesen Sie weitere Berichte über den NSU-Prozess in München in unserem Spezial.

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