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Terrorzelle

Zschäpe schweigt zu Fragen nach Peggy

Die Angeklagte will sich schriftlich zu dem Mordfall äußern. Anschlagspläne auf die Synagoge in Berlin streitet sie ab.

Davidsterne am Eingangstor zur Synagoge im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg: Die Synagoge stand möglicherweise auch auf der Liste der Anschlagsziele des NSU. Foto: dpa
Davidsterne am Eingangstor zur Synagoge im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg: Die Synagoge stand möglicherweise auch auf der Liste der Anschlagsziele des NSU. Foto: dpa

München.Nach der spektakulären Entdeckung von DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort der getöteten Schülerin Peggy geht das Münchner Oberlandesgericht einem möglichen Zusammenhang der beiden Fälle auf den Grund. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl fragte die Hauptangeklagte Beate Zschäpe am Mittwoch im NSU-Prozess, ob sie über Informationen über Peggy verfüge, die sie nicht aus den Medien habe. Zschäpe antwortete aber nicht sofort – ihr Anwalt Hermann Borchert kündigte eine schriftliche Beantwortung an.

Vor zwei Wochen war bekanntgeworden, dass am Fundort der Skelettteile des 2001 verschollenen Mädchens aus Oberfranken Genmaterial von Böhnhardt entdeckt worden war – an einem kleinen Stoffstück. Seither wird spekuliert, ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen den beiden Komplexen – NSU und Peggy – geben könnte. Auch eine Verunreinigung der Probe ist nicht völlig ausgeschlossen.

Synagoge in Berlin als Anschlagsziel?

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe hat bestritten, mit ihren Komplizen im Jahr 2000 ein mögliches Anschlagsziel des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ in Berlin ausgespäht zu haben. In einer Erklärung, die ihr Anwalt Mathias Grasel am Mittwoch im Münchner NSU-Prozess verlas, räumte Zschäpe zwar ein, sie habe sich damals irgendwann im Frühjahr oder Sommer zusammen mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in der Hauptstadt aufgehalten. Es habe aber keine besonderen Gründe für die Reise gegeben – „außer dass wir mal aus Chemnitz rauskommen wollten“. Sie habe in Berlin aber nichts ausgespäht, und sie habe auch zu keinem Zeitpunkt eine Synagoge aufgesucht. „Ich kenne keine Synagoge in Berlin.“

Hintergrund ist die Beobachtung eines ehemaligen Berliner Wachpolizisten, der Zschäpe am 7. Mai 2000 zusammen mit ihrem Komplizen Uwe Mundlos in Berlin gesehen haben will: in einem Café unmittelbar an der größten Synagoge Deutschlands im Stadtteil Prenzlauer Berg. Der Mann sollte am Mittwoch als Zeuge im NSU-Prozess aussagen. Der Nebenklage-Anwalts Yavuz Narin hatte die Ladung des Zeugen beantragt – und mit der Vermutung begründet, Zschäpe und Mundlos könnten damals ein Anschlagsziel des NSU ausgespäht haben.

Das Handout des Bundeskriminalamtes vom Mai 2012 zeigt die mutmaßlichen NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, aufgenommen im Jahr 2004. Foto: Bundeskriminalamt/dpa
Das Handout des Bundeskriminalamtes vom Mai 2012 zeigt die mutmaßlichen NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, aufgenommen im Jahr 2004. Foto: Bundeskriminalamt/dpa

Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft haben Mundlos und Böhnhardt zehn Menschen aus überwiegend fremdenfeindlichen Motiven ermordet. Zschäpe soll bei keiner Tat direkt beteiligt gewesen sein, sie habe aber im Hintergrund gewirkt und möglicherweise Anschläge mitgeplant.  (dpa)

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