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China

Obama mischt sich in den Insel-Streit ein

US-Präsident Barack Obama fordert klare Regeln für das in Asien umstrittene Territorium.
Von Till Lorenz, MZ

HONGKONG. Chinas Reformer Deng Xiaoping hoffte in den 70er Jahren mit Blick auf die Diaoyu-Senkaku-Inseln, dass künftige Generationen klüger im Streit um diese Territorien seien. Er selbst wusste keine Lösung. Auch mehr als 30 Jahre später ist die Situation rund um Asiens Insel-Welt verfahren. Mit seiner Ankunft beim Asean-Gipfel und dem East Asia Summit im kambodschanischen Phnom Phen mischt sich auch US-Präsident Barack Obama verstärkt in den Streit ein. Auf Obamas Asien-Reise war Kambodscha der dritte Stopp. Zuvor hatte er Thailand und Burma besucht.

Gewaltiger Rohstoffhunger

Die USA, die sich vor allem um die wichtigen Handelsrouten im südchinesischen Meer sorgen, fordern einen Verhaltenskodex für die Inseln in der Region, um künftig Konflikte zu vermeiden. Die Staats- und Regierungschefs der Asean-Länder stimmten in einer gemeinsamen Erklärung nach Unterredung mit Obama diesem Anliegen zu. China setzt hingegen seit jeher auf Einzelverhandlungen mit den Ländern und warnte gestern davor, den Streit zu „internationalisieren“.

An den Gegebenheiten des Streits hat sich in den letzten Jahrzehnten wenig geändert – außer, dass China inzwischen zur wirtschaftlichen Weltmacht aufgestiegen und die Sucht nach Rohstoffen noch größer geworden ist. Im südchinesischen Meer geht es vor allem um die Spratly-Inseln, im ostchinesischen Meer um die in China Diaoyu, in Japan Senkaku genannten Inseln. Von Interesse sind sie aufgrund vermuteter Rohstoff-Vorkommen. So wurden im Falle der Diaoyu-Senkaku-Inseln Ende der 60er Jahre Hinweise auf große Erdölvorkommen gefunden.

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Inseln bereits mehrfach den Besitzer gewechselt, waren vom chinesischen Kaiserreich ebenso beansprucht worden wie von Japan. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Inseln unter US-Verwaltung und wurden später an Japan übergeben – allerdings gegen den Einspruch von der Volksrepublik und von Taiwan. Seitdem streiten sich Tokio, Taipei und Peking mit alten Karten, Dokumenten und Atlanten darum, wer zuerst die Inseln in Beschlag genommen hat.

Sechs Staaten erheben Ansprüche

Die Spratly-Inseln wiederum werden gleich von sechs Staaten beansprucht. Mitte des 19. Jahrhunderts erhob die britische Krone Anspruch auf einen Teil der Inseln, später schlug Frankreich einen Teil seiner Indochina-Kolonie zu. Im Zweiten Weltkrieg wiederum besetzte Japan die Inseln, die Republik China folgte als Besatzer. Nachdem die republikanische Kuomintang-Partei allerdings den Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg unterlag und sich nach Taiwan zurückziehen musste, kontrollierte sie zwar immer noch die größte der Spratly-Inseln. Doch die wird dann eben bis heute, wie eben auch Taiwan selbst, von der Volksrepublik China als Territorium beansprucht. Daneben melden die Philippinen, Malaysia und Brunei sowie Vietnam Ansprüche an und haben Teile der Inseln ab den 60er Jahren besetzt. Klingt kompliziert? Ist es.

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